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- 23.7.2008: Lesezeichen BR-alpha 22.07.
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Lesezeichen BR-alpha 22.07.
23.7.2008 von Heidi Hof.
Zu Gast war diesmal Johano Strasser mit seinem Buch:
Es geht um eine Kleinstadtgesellschaft, Zwischenmenschliches, Tod, Kindererziehung, ja und die ganzen großen Dramen der Welt, die sich auch auf kleinsten Raum abspielen können. Der Roman soll heiter beginnen und wird mit der Zeit immer melancholischer.
Ein jecker Bildband wurde vorgestellt:
von Tim Walker, der seine Bilder sehr aufwendig inszeniert. Ganz abstrakte Fotos entstehen so.
Und zu Beginn gab der Autor Richard David Precht ein kurzes Interview zu seinem Buch: “Wer bin ich - und wenn ja wie viele?: Eine philosophische Reise“. Er ist ganz erstaunt, dass das Buch so eine Beliebtheit findet, dass die Leser sich für Philosophie interessieren, seine anderen Werke wurden nicht so gut aufgenommen (”Leinin kam nur bis Lüdenscheid” 2005 {wird verfilmt}, “Das Schiff im Moor”, “Die gleitende Logik der Seele” u.a.). Sein Hobby sind die Naturwissenschaften, und er betrachtet gerne diese Wissenschaft mit dem Auge der Geisteswissenschaft, und umgekehrt die Geisteswissenschaft aus der Logik der Naturwissenschaft. “Früher hingen diese Wissenschaft viel mehr zusammen, heute werden sie getrennt betrachtet, und das ist ein Fehler.”
Die Stadt München feiert 850. Geburtstag, dazu wurden noch ein paar Bücher über München vorgestellt.
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“Schweigeminute” von Siegfried Lenz
22.7.2008 von Heidi Hof.
Ein leises Buch, einfühlsam und wohltuend!
Wie alt ist eigentlich diese Englischlehrerin, die mit ihren Schülern gerne lacht, Streiche ausheckt und so schnell schwimmen kann? Ist es da ein Wunder, dass sich die männlichen Schüler alle zu ihr hingezogen fühlen, sie verehren und sich in diese faszinierende Figur verlieben?
Der Protagonist (Christian/18) erfährt mit dieser Lehrerin seine erste Liebe. Am liebsten würde er mit ihr zur “Vogelinsel” entfliehen, weit ab von allem, nur noch im Sand liegen, lieben, und in die Sterne schauen. Er hat auch schon den Proviant besorgt, den man für ein solches Unternehmen braucht …
Aber dann kommt der Sturm! “Schweigeminute”!
Diese Erzählung liest so schnell, wie die Wellen im Meer, welche durch künstliche Riffs unterirdisch gebrochen werden müssen, damit kein Unglück geschieht. Und dennoch ereignen sie sich ständig.
Die Frage der Verantwortungslosigkeit stellt sich hier kaum. Anders als im Buch “Schande” von Coetzee (Professor mit Studentin), in dem es dazu führte, dass der Prof unehrenhaft entlassen wurde.
Auch der Leser verhält sich sehr tolerant gegenüber dem Geschehen, und bedauert eher den Ausgang. Aber warum ist das so?
Mir hat dieses Büchlein sehr gut gefallen. Eine weiche gepflegte Sprache, idyllische Landschaftsbeschreibungen und intensive Gefühle erwecken diese Lektüre zum Leben.
Heidi Hof
Hoffmann und Campe Verlag, 2008, Hardcover 15,95 €, 128 Seiten, ISBN: 978-3-455-04284-9
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“Die Zimtläden” von Bruno Schulz
20.7.2008 von Heidi Hof.
Mit großer Wahrscheinlichkeit kann ich behaupten, dass ich einiges aus der großen Welt der Mythologie und Symbolwelt nicht herausgelesen habe, aber einer Logik bin ich direkt gefolgt: Lies es und genieße es, und versuche es erst gar nicht zu begreifen.!
“Die Zimtläden”, eine Sammlung phantastischer Erzählungen, “eine Art autobiographischer Roman”, wie sie der Autor nannte, beschreiben die versunkene Welt eines galizischen Städtchens und seine Bewohner, allen voran den wunderlichen Vater und seine ebenso gefürchtete “Erzfeindin” Adela, das schöne Stubenmädchen. Wuchernde Gärten unter einem unendlich sich türmenden Himmel, weißglühende Sommer und stockfinstere Sturmnächte, labyrinthartige Dachböden und Zimmerfluchten mit ihren geheimnisvollen Winkeln und Nischen schaffen eine Aura, in der die Tapeten zum Leben erwachen, verwirrende Verwandlungen vor sich gehen, und Schein und Wirklichkeit verschwimmen … “ (Soweit der Klappentext, besser kann man es nicht beschreiben. Eben ein wenig surreal.)
Eine Ergänzung meinerseits, die das Herangehen an diese Erzählungen vielleicht verdeutlichen kann. Natürlich stellt sich der Leser die Frage warum das Buch “Die Zimtläden” heißt? Weil eine der Geschichten “Die Zimtläden” heißt? Oder weil Adela ziemlich zum Schluss Zimt zermürbt? Aber ist das wichtig? Der Duft von Zimt erzeugt in meiner Nase ein wunderbares Gefühl, Kindheitserinnerungen an Weihnachten, romantisch verklärte Augenblicke, ja ich liebe Zimt und bekomme davon große Augen im Kerzenschein. Das erreicht das Wort Zimt bei mir, und warum also nicht “Die Zimtläden”? Düfte sind so ausgeprägte Sinne, und in diesem Sinn, über diese Tür, über dieses Empfinden, lässt sich das Buch begehen.
Ich fand es wunderbar, es hat mich beeindruckt, und manchmal fand ich es richtig irre! Ich konnte träumen, verlor mich in vielen Phantastereien und illusorischen Interpretationen, ja mir hat dieses schmale Buch richtig Spaß gemacht. Mal etwas anderes, mal etwas für die Seele!
Über den Autor
Bruno Schulz wurde 1892 als Sohn eines jüdischen Textilhändlers in Drohobycz/Galizien geboren. Nach dem Abitur wollte er Maler werden, doch die finanziellen Verhältnisse machten ein Architekturstudium ratsam. Krankheiten, der Tod des Vaters und die wirtschaftliche Situation zwangen ihn, sich als Zeichenlehrer zu verdingen. Daneben arbeitete er als Maler und Graphiker und begann zu schreiben. 1936 wurde er mit dem “Goldenen Lorbeer” der Polnischen Akademie für Literatur ausgezeichnet. 1942 kam er ins Ghetto; wenig später wurde er von der Gestapo auf offener Straße erschossen.
Heidi Hof
Hanser Verlag, 2008, OT: Sklepy cynamonouce, Übersetzung jetzt neu von: Dorren Daume, Hardcover €, 230 Seiten, ISBN: 978-3-446-23003-
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“Emma/Das Leben der Lady Hamilton” von Gilbert Sinoué
18.7.2008 von Heidi Hof.
Insgesamt keine eindeutige Biographie.
Dieses Buch erzählt uns die Lebensgeschichte der Emily Lyon, einer kleinen Schmiedstochter und Kohleverkäuferin, sowie ihren Aufstieg an die Spitze der englischen Gesellschaft.
Und wie so oft beim weiblichen Geschlecht, verdankt sie das ihrer einzigartigen Schönheit. Die Männer müssen ihr reihenweise zu Füßen gelegen haben, waren geblendet, haben ihr aber auch arg mitgespielt. Bis dann Sir William Hamilton in ihr Leben trat, und ihr seinen adligen Titel gab, indem er sie heiratete. Von nun an war sie Lady Hamilton! Ferner war sie eine enge vertraute der Königin von Neapel (Maria Karolina), und später die Geliebte von Admiral Nelson. Bis dann nach dem Tod von Sir William ihr großer Sturz folgte …
Diese Bio liest sich insgesamt sehr flüssig und spannend, dennoch hat sie nicht voll meinen Geschmack getroffen. Denn sie schwankt sehr zwischen unterhaltsamer, romanhafter Erzählung, und nüchtern, objektiver Betrachtung. Dieses Hin und Her fand ich oft sehr nervig! Sinoué verweist häufig darauf, dass es sich entweder so oder so zugetragen haben könnte, führt dann dafür auch Beweise auf, und fällt dann ins Erzählerische nach seinem Gusto. Auf der anderen Seite hält er sich strikt an Fakten, und überschwemmt den Leser beispielsweise mit unendlichen langen kriegerischen Berichten und Seeschlachten, welche sich meist nur auf Admiral Nelson beziehen, und wenig Einfluss auf das Leben der Lady haben.
Zum Schluss hat man aber einen ganz guten Einblick in das Leben dieser schillernden Persönlichkeit und das Leben im 19. Jahrhundert.
Heidi Hof
C. H. Beck Verlag, 2003, OT: L´ambassadrice, Übersetzung: Holger Fock + Sabine Müller, Hardcover sowie TB vergriffen, 319 Seiten, ISBN: 3-406-50204-0
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Lesezeichen BR-alpha 15.07.
16.7.2008 von Heidi Hof.

Zu Gast: Felicitas Mayall mit ihrem Buch “Hundszeiten” Ein Krimi, der nicht nur Spaß macht, sondern auch Seitenhiebe versetzt; worin Themen wie Klima, Rechts und Putin behandelt werden, oft übertrieben oder ins Ironische verfällt, und dabei spielt die Gewalt ein zentrales Motiv. “Hört sich doch nicht schlecht an.”
Ein sehr schöner Bildband wurde vorgestellt vom Fotografen Joakim Eskildson über Romas (die Fremden, die Mysteriösen, die Armen, die Dreckigen, die Exoten –> ja eben Menschen, die die Kunstfertigkeit besitzen, sich unsichtbar zu machen.)

Und dann wurde der Schwindel von Strittmatter aufgedeckt, da war ich schon sehr erstaunt
Ein Autor, welcher mit seiner Roman-Trilogie berühmt wurde. “Der Laden” ist sogar im Buch der 1000 Bücher aufgenommen: Das Meisterwerk des großen Epikers, das über drei Jahrzehnte deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeschichte bündelt … Genau dieser Autor war im Polizeibataillon 323, d. h. bei der SS, und nicht wie in seiner Biographie behauptet wird bei der Wehrmacht. Diese Ordnungspolizisten waren Männer für das Grobe, d. h. sie erschossen Juden auf der Straße.
Natürlich wurde auch wieder Kafka gefeiert, wie sollte es anders sein ![]()
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Lesehighlights 1. Halbjahr 2008
15.7.2008 von Heidi Hof.
Hier sind die Tipps von a. Rebecca und b. Heidi Hof:
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a. Christoph Ransmayr – Die letzte Welt
Die letzte Welt ist ein Buch über Künstler und ihre Kunst mit einer Moral: Den Künstler kann man zerstören, seine Kunst bleibt dennoch.
Ransmayr erzählt seine Parabel mit der Hilfe von Ovids Metamorphosen und paart seine Erzählung mit einem traumhaft, poetischen Erzählstil. Ein Buch, dass mich verwirrt und erstaunt hat zugleich.
Eine echte Überraschung!
b. Uwe Tellkamp - Der Eisvogel
Ein Roman der mich bis zum heutigen Tag wütend und nachdenklich stimmt, das hat bisher kaum ein Buch geschafft. Und ich finde die Vieldeutigkeit grandios, unterschiedlich in der Auslegung, und die Meinungen können kaum größer sein. Hervorragend!
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a. Hermann Hesse – Der Steppenwolf
Skeptisch bin ich an dieses Buch herangegangen und durfte mich im Nachinein ärgern, dass ich das Buch nicht schon viel eher gelesen habe!
Zwar konnte ich mit dem für mich skurrilen und surrealen Schluss nicht viel anfangen, aber der Schreibstil ist einfach ein Genuss; Hesse hat sich jedes seiner Wörter sehr genau überlegt und paart seine Wortkunst mit existenziellen Fragen des Menschseins.
b. Robert Schneider - Schlafes Bruder
Ein beeindruckendes Werk; von der Idee, vom Erzählstil und von der Sprache her, bis ins Kleinste abgestimmt, klasse gemacht. Ein Buch, welches man nicht nur einmal liest.

a. Wolfram Fleischhauer – Die Purpurlinie
Die Purpurlinie ist Fleischhauers Debutroman und mein dritter Roman des Autors gewesen. Er erzählt in diesem die Geschichte eines der bekanntesten Bilder der Kunstgeschichte von dem man bis heute nicht weiß, wen es letzen Endes wirklich zeigt und von wem es gemalt wurde.
Es ist ein Roman, der historische Fakten mit ein wenig Fiktion mischt und zum Rätseln einlädt.
Obwohl Die Frau mit den Regenhänden bis jetzt mein Lieblinsbuch von Fleischhauer ist, bin ich auch hier wieder von der erzählerischen Leistung begeistert gewesen!
b. Rüdiger Safranski - Romantik/Eine deutsche Affäre
Ein Buch über Literatur, über eine Literaturepoche, die sich bis in die heutige Zeit hinzieht, und immer noch Verwendung findet. UND das für Laien geschrieben, ohne hochtrabende Fachwörter, wodurch ein Buch oft unlesbar wird, und dazu noch unterhaltsam. Besser geht es nicht!
Nein, wir hatten uns vorher nicht abgesprochen
Aber es sind alles deutschsprachiger Autoren gewählt worden, und das freut mich sehr
Die Zukunft kann man also getrost in unseren Reihen suchen!
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“Joseph und seine Brüder/Die Geschichten Jaakobs” von Thomas Mann
13.7.2008 von Heidi Hof.
Ich kam nicht zum Tanzen …
Im ersten Teil der Tetralogie “Joseph und seine Brüder” erzählt uns Thomas Mann die Überlieferungen von Jaakob. Man befindet sich zwar schon in der Zeit Josephs, aber rückblickend werden die Geschichten geschildert. (Jaakob, der dem Esau das Erstgeburtsrecht durch eine Linsensuppe streitig macht, der hinaus in die Welt zieht zu Laban und dort viele Jahre verbringt und dessen Tochter Rahel heiraten möchte. Doch durch eine List Labans wird er zunächst mit der älteren Schwester Lea verheiratet um dann nochmals sieben Jahre auf Rahel zu warten …)
Zwischendurch werden auch die Geschichten des Noahs und Abrahams eingeschoben, eigentlich die ganze Genesis bis zu dem Zeitpunkt als Joseph ein junger Mann ist.
Die Aussage des ersten Band ist es, dass alles austauschbar ist und einer ständigen Wiederholung unterliegt. Denn ob Jaakob oder Abraham ein bestimmtes Ereignis erleben ist bedeutungslos, das es sich ereignet, das ist der Kern. Dadurch wird die Individualität in Frage gestellt.
Ferner, dass alles schon einmal geschehen ist. Ob Neid, Hass, Vergewaltigung, Brudermord, List und Tücken, alle Situationen haben sich schon ereignet, ob damals oder auch in der Gegenwart. Auch hier wird wieder die Persönlichkeit in die zweite Reihe gestellt.
“Die Höllenfahrt”, das Vorspiel liest sich sehr schwer. Eigentlich muss man diese Einführung satzweise lesen, danach wird es dann einfacher.
Obwohl ich die Sprache von Thomas Mann sehr liebe, habe ich in diesem Werk nie richtig hineingefunden. Vielleicht weil mir diese “Nachahmung” der Bibelsprache nicht liegt. Eine Ausnahme bilden die Passagen des Erzählers, der zwischen den Figuren und dem Leser vermittelt, diese habe ich förmlich genossen. (Ich weiß nicht, wann und überhaupt ich den zweiten Band lese, im Moment eher nicht.)
Heidi Hof
S. Fischer Verlag, 1983, gebundene Ausgabe 32 €, 417 Seiten, ISBN: 3-10-048229-8
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“Peer im Glück” von Hans Christian Anderson
11.7.2008 von Heidi Hof.
„Der Glückspeter“ ist eines seiner wenigen Romane, die er neben seinen Märchen schrieb. Es war sein 5. Roman und sein zugleich Letzter. Allein der Titel könnte als weiteres Märchen verstanden werden. Stellenweise liest es sich auch so. Diese Züge weichen jedoch nach der Hälfte des Buches einem sentimentalen Unterton. Was bleibt und hervorsticht, ist wohl größtenteils autobiographisch.
Die Erzählung („Roman“ klingt auf schlappen 100 Seiten etwas bizarr) handelt von Peter oder Peer, wie er ursprünglich getauft wurde und man in der Neuübersetzung wieder aufgegriffen hat. Peer also, der in ärmlichen Verhältnissen aufwächst und sich um eine Theaterkarriere bemüht. Er versucht sich im Ballett, doch erst durch seine glockenreine Stimme wird man auf ihn aufmerksam. Sie verschafft ihm Ruhm und Ansehen, bis seine Laufbahn durch den Stimmbruch jäh unterbrochen wird. Diese Situation verschafft ihm die Gelegenheit, sich eine Ausbildung anzueignen. Seine Rückkehr zur Bühne verschafft ihm Zutritt in hohe Gesellschaftskreise. Als Opernsänger wird er gefeiert und bejubelt.
“Was bist du noch jung, lieber Freund” sagte er, “dass du ein Vergnügen daran haben kannst, mit diesen Leuten zu verkehren! Sie mögen an und für sich gute Menschen sein, aber uns Bürgerliche übersehen sie! Wenn sie Künstler und im Augenblick gefeierte Persönlichkeiten in ihren Kreis aufnehmen, so ist das für einige von ihnen nur ein Ausdruck ihrer Eitelkeit, ein Amüsement, für andere dagegen eine Art Bildungsschild. Für sie gehören Künstler in den Salon wie Blumen in eine Vase, erst dienen sie als Schmuck, und dann werden sie fortgeworfen.”
Anscheinend fällt diesem Peer das Glück in den Schoß. Schon als Kind findet er in der Rinne Wertgegenstände, während andere Kinder bloß Glasscherben angeln. Das eigentliche Glück hingegen sind die Umstände, die auf dem ersten Blick beklagenswert, sich aber positiv auf längere Sicht entwickeln. So trifft er im Ballettunterricht auf Personen, die sein Gesangstalent entdecken. Die zweijährige Pause wegen seines Stimmbruchs begünstigt ihn insofern, dass er auf einen ehrenwerten Professor trifft, der ihm die Grundlagen seines späteren Ruhmes beibringt. Peers Geleise in seinem Leben sind perfekt koordiniert, die er nur abzufahren braucht. Andersen sieht darin sein eigenes Glück, dass größtenteils vom Zufall geprägt war. Er stand meist zur rechten Zeit am rechten Ort. Dieses sein Alterswerk ist somit als dankbar zeigenden Rückblick zu verstehen.
Nun bleibt vielleicht noch zu klären, was für den Einzelnen ein Leben in Glück bedeutet. Mir fehlte in dieser Geschichte die Erfahrung der Liebe. Peer wurde von einer Frau abgewiesen, gewiss damit seine Karriere den Siegeszug unbeschadet fortsetzen kann. Aber ist Glück vollkommen, ohne dieses Gefühl erlebt zu haben, ohne es gelebt zu haben? Für Andersen mag Berühmtheit ausgereicht haben, da er selbst nie eine Beziehung führte. Kann man Peer/Andersen nicht letzten Endes heimlich bedauern?
Patrick
Manesse Verlag, 2005, Übersetzung: Renate Bleibtreu + Gisela Perlet, gebundene Ausgabe 19,90 €, 381 Seiten, ISBN: 978-3717520641
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Lesezeichen BR-alpha 8.07.
9.7.2008 von Heidi Hof.

Es gab Indianer in der DDR, das hatte ich noch nicht gehört. Alles SED-Mitglieder, die das sozialistische System in der Ideologie dieser Naturmenschen suchten. Frei von Eigentum und Besitz, eine romantische Verklärung, in der kleinste Perlchen in Stundenarbeit aufgenäht wurden.”Sozialistische Cowboys/Der wilde Westen Ostdeutschlands” von Friedrich von Borries und Jens-Uwe Fischer, erschienen im Suhrkamp Verlag

Die Klimakatastrophe. Es wird immer heißer auf der Erde, die Gletscher schmelzen dahin. Schon 2 Grad über der Normaltemperatur. Überschwemmungen hier und Dürren dort. In vielen Regionen wird es zukünftig kein Wasser mehr geben, und das wird zu Konflikten führen, evtl. Kriege auslösen. “Der Autor beschreibt die gegenwärtige ökologisch-politische Weltlage, plädiert für ein neues Denken und zeigt, was jetzt getan werden muss, um Menschheitskatastrophen abzuwenden.”
“Klimakriege/Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird” von Harald Welze, Sozialpsychologe, erschienen im Fischer Verlag

Marcel Beyer im Gespräch über seinen Roman “Kaltenburg”. Warum gerade Dohlen? Weil sie lebendig und intelligent sind. Weil diese Vögel vom Rand aus beobachten, da sie scheu sind, aber aufgrund dessen den Blick auf die Mitte richten können.
Überhaupt Tiere sind unpolitisch und frei von Ideologien. Sein Buchtipp: “Das steinerne Brautbett” von Harry Mulisch. Ein Roman über das bombardierte Dresden, seiner heutigen Wahlheimat.

Zum Schluss noch ein Buch über den Maler Georg Grosz.
“Alfred Flechtheim Georg Grosz: Zwei deutsche Schicksale” von Ralph Jentsch
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“Aus dem Leben eines Taugenichts” von Joseph von Eichendorff
7.7.2008 von Heidi Hof.
Der junge Taugenichts wird von seinem Vater vom Hof vertrieben, weil er den ganzen Tag faul in der Sonne liegt und auf seiner Geige fiedelt. Er drückt seinem Sohn noch ein paar Taler in die Hand, und schon zieht der Protagonist hinaus in die Welt. Das Geld hat er schnell verloren, aber er findet durch seinen Charme und Witz Unterschlupf auf einem Schloss, wo er sich unsterblich in die gnädige Frau verliebt …
Meiner Meinung nach kann man dieses Werk nur im Hinblick auf die Romantik lesen, ansonsten würde man nicht viel Spaß an der Lektüre haben.
Man findet romantische Aspekte in der Naturdarstellungen, in der Thematik der unerwiderten Liebe und Verzweiflung, die letztlich romantisch verläuft. Die Gefühlsempfindungen sind überstark geprägt, wenn man nicht herzerweichend schreiben möchte. Auch die Ironie und das Spiel findet sich im Werk.
Aber insgesamt kann sich diese Handlung nicht tragen, dafür bin ich vielleicht auch zu sehr ein Kind meiner Zeit. Geh doch heute nur mit einer Geige bewaffnet hinaus in die Welt und warte ab, wie lange du es schaffen würdest dich über Wasser zu halten.
Vielleicht war das damals anders?
Heidi Hof
Anaconda Verlag, 2006, Hardcover 2,95 €, 128 Seiten, ISBN: 3-86647-051-7
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