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- 8.2.2010: "Ich verfluche den Fluss der Zeit" von Per Petterson
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- 1.2.2010: "Das Buch von Blanche und Marie" von Per Olov Enquist
- 30.1.2010: "Alias XX" von Joel Ross
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- 26.1.2010: "Ein schöner Ort zu sterben" von Malla Nunn
- 22.1.2010: "Shirley" von Charlotte Brontë
- 20.1.2010: Neuerscheinungen im Februar 2010
- 18.1.2010: "Der Meister des Jüngsten Tages" von Leo Perutz
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“Ich verfluche den Fluss der Zeit” von Per Petterson
8.2.2010 von Heidi Hof.
Hier muss ich mit einem Zitat von B. Brecht beginnen, welches MRR berühmt machte: „Der Vorhang fällt und alle Fragen offen.“
Wenn es eine Handlung im Buch gibt, dann ist es folgende: der Protagonist Arvid reist seiner Mutter hinterher. Diese hat soeben die Diagnose vom Arzt erhalten „Magenkrebs“, und möchte vor der Chemotherapie in ihre Heimat fahren um noch einige Dinge zu erledigen. Arvid trifft ein und beide reden nicht miteinander, sie rauchen und trinken Calvados wie im Remarque Roman“ Arc de Triomphe“, den beide gelesen haben, aber sie reden nicht miteinander. Die Atmosphäre zwischen den Zweien ist mehr als kühl, sie sind sich fremd, keiner weiß was der andere denkt oder empfindet. Für Arvid steckt dahinter wohl ein Kindheitstrauma „ich hatte einen Sprung im Charakter.“ Seite 57
Der Protagonist bringt seltsame Eigenschaften an den Tag, die der Leser nicht einordnen kann. Beispielsweise schließt er die Augen, nein er kneift sie richtig zusammen, als seine Frau mit ihm reden möchte. Dann schlägt er einem Mann (grundlos?) „eine aufs Maul“, was er später als Angst abtut, aber woher? All das passt nicht recht in ein Bild, und so wirkt diese Figur eher lächerlich, tollpatschig und zeitweise ziemlich infantil.
Die Geschichte hat keinen Beginn, und auch keine rechtes Ende. Arvid bleibt uns ein Rätsel, und zwischendurch schildert Petterson ganz wunderbar menschliche Regungen, Erinnerungen und Ereignisse, die sehr bewegend und voller Gefühle sind.
Auffallend ist der betonte Alkoholkonsum in der Geschichte. Entweder trinken Norweger enorm (ist mir nicht nur in diesem Buch aufgefallen) viel, oder der Konsum wird bewusst so in den Mittelpunkt gestellt. Und so ist auch unser Protagonist mehr besoffen als nüchtern, und wird vielleicht aufgrund dessen von mir nicht allzu ernst genommen. Ich konnte mit dieser Figur so gar nichts anfangen. Zudem hat mir der Autor keine einzige Antwort auf meine Fragen gegeben, das Buch bleibt für mich ein Fragment.
Heidi Hof
Hanser Verlag München 2009, OT: Jeg forbanner tidens elv, Übersetzung: Ina Kronenberger, Hardcover 17,90 €, 239 Seiten, ISBN: 978-3-446-23420-8
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“Die Einsamkeit der Primzahlen” von Paolo Giordano
6.2.2010 von Heidi Hof.
Der Leser begleitet Alice und Mattia, zwei aufgrund von Kindheitserlebnissen schwer traumatisierte Menschen in einigen Stationen in deren Kindheit, Pubertät bis hin zum mittleren Erwachsenenalter.
Alice litt unter der Dominanz ihres Vaters, der keine Schwächen tolerierte und das sensible Kind ständig überforderte. Die daraus resultierende Magersucht mit all ihren psychischen Konsequenzen begleitet Alice durchs Leben und findet sie sich nur schlecht zurecht. Außenseitertum und die Unfähigkeit, Bindungen einzugehen prägen ihr Leben.
Mattia fühlt sich schuldig am Verschwinden seiner geistig zurückgebliebenen Schwester, eine Schuld, über die er nicht reden kann und die im Borderline-Syndrom endet. Er ist ein begnadeter Mathematiker und flüchtet sich in diese Wissenschaft.
Außenseitertum, das Trauma eines einmaligen Kindheitserlebnisses (von dem man aber nur andeutungsweise erfährt), soziale Inkompetenz und ein verständnisloses Elternhaus verbinden die beiden, deren Lebenswege - ausgenommen einer gemeinsamen Schulzeit - sich bis zum Schluss nicht kreuzen.
Als “literarische Sensation” wurde dieses Buch gefeiert. Es kann sich meiner Meinung nach bei diesem Prädikat nur um das Pendant der “Goldenen Himbeere” in der Filmwelt handeln. Es ist mir völlig schleierhaft, was an diesem Buch so - positiv - sensationell sein soll. Zugegeben, die Idee des Titels, Primzahlen sind niemals Nachbarn in der Zahlenreihe, berühren sich nicht und sind grundsätzlich “einsam”, ist kreativ und überlässt durchaus ein Spielfeld für einen findigen Schriftsteller. Doch was in diesem Buch geliefert wird, gleicht eher einem - durchaus ambitionierten - Schulaufsatz eines kleinen Strebers. Sehr bemüht, Wortwiederholungen zu vermeiden, immer bedacht auf eine schöne Satzkonstellation und sehr behutsame Wortwahl. Schriftstellerische Kniffe wie Zeitblenden, Zeitspünge, Metaphern, die, wenn gut angewandt, Raum für eigene Interpretationen lassen, verfehlen in diesem Buch absolut diese Ziel. Alles wirkt bemüht, konstruiert, klischeehaft und absehbar. Ein kleiner erhobener Zeigefinger zum Schluss macht das Buch noch unerträglicher.
Warum ich das Buch dann gelesen habe? Ich hatte viel Zeit und war schlicht und ergreifend fassungslos, was da als literarische Sensation bezeichnet wird.
Christine
Karl Blessing Verlag 2009, Übersetzung: Bruno Genzler, Hardcover 19,95 €, 368 Seiten, ISBN: 978-3896673978
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Neuerscheinungen März 2010
4.2.2010 von Heidi Hof.
Teil 1/4
1. Die Demütigungvon Philip Roth

Philip Roth erzählt in seinem Roman mit unverwechselbarer Eindringlichkeit und Ironie vom Schicksal eines alternden Schauspielers. Auf Simons Reise ans Ende der Nacht entblößt der in den USA lebende Autor gnadenlos alle menschlichen Täuschungen - Liebe und Macht, Leidenschaft und Prestige.
2. Zeit der Gespenster von Jodi Picoult

Ross Wakeman war für alle nur ein riesengroßer Glückspilz. Wieviele Unfälle und Gefahren hatte er lebend überstanden! Ebenso sicher, wie er wusste, dass morgen die Sonne aufgehen würde, wusste er inzwischen auch, dass er nicht sterben konnte – obwohl Ross nichts sehnlicher wünschte. Denn in einem tragischen Unfall hatte er seine geliebte Frau Aimee verloren …
3. Katerina von Aharon Appelfeld

Ein sprachmächtiger, erschütternder Roman über Liebe und Hass, Schuld und Sühne - und das gleichnishafte Schicksal einer Frau, die sich nach privatem Glück sehnt, aber dazu verdammt ist, Chronistin der Geschichte zu sein.
4. Der Hochstapler von david Belbin

Mark Trace ist vierzehn Jahre alt, als er sein beeindruckendes Talent zum Fälschen literarischer Werke bemerkt: Im Englischunterricht sollen die Schüler einen Text im Stil von Charles Dickens schreiben. Marks Entwurf ist so echt, dass sein Lehrer glaubt, er habe aus einem anderen Werk des Autors abgeschrieben …
Geschrieben in Bücher-Tipps, Literaturthemen | 2 Kommentare »
“Das Buch von Blanche und Marie” von Per Olov Enquist
1.2.2010 von Heidi Hof.
Hat mich diesmal nicht vom Hocker gerissen!
Es fing ja so gut an, und es erinnerte mich direkt an das Buch „Und Nietzsche weinte“ von Yalom, in dem sich der Arzt Dr. Breuer fiktiv mit Nietzsche trifft und die Haupthandlung bestreiten. Im Buch von Enquist finden die Personen Marie Curie, die zweimalige Nobelpreisträgerin, mit Blanche Wittman, die bekannteste Patientin des Professors Charcot, fiktiv zusammen. Was diese Frauen verbindet, findet man sofort im ersten Satz:
„>Amor Omnia Vincit< - die Liebe überwindet alles - …“
Der Autor berichtet sehr eindrücklich aus dem Leben seiner Protagonistinnen. Er erzählt davon wie Blanche ins „Salpêtrière“ eingeliefert wird und den berühmten Arzt kennen lernt. Von der Antipathie ihm gegenüber, die sich in Liebe wandelt. Von der Freundschaft zwischen Blanche und Marie, den Amputationen und den Zerfall der Karriere Maries. All das hatte ganz großes Potential zu einem Lesehighlight …
Was mich jedoch direkt gestört hat, waren diese drei Notizbücher in der braunen Mappe. Das ließ mich direkt an Doris Lessings „Goldene Notizbuch“ denken, und es wird tatsächlich fast ähnlich aufgebaut, hier werden die Bücher zwar der Reihe nach abgearbeitet, aber dieses Sprunghafte, diese Eigenart wird verwendet. Der zerrissene Stil gibt diesem Werk aber nicht die Authentizität wie bei Yalom (man glaubt diesem Autor ja während der Lektüre alles), hier recherchiert man direkt. Man spürt sogleich, dass es keine wahre Begebenheit ist. Ein Durchschnittsbuch, durchaus lesenswert, aber keine besondere Empfehlung.
Heidi Hof
Hanser Verlag 2004, OT: Boken om Blanche och Marie, Übersetzung: Wolfgang Butt, Hardcover 19,90 € (TB 8,95 € ), 239 Seiten, ISBN: 3-446-20569-1
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“Alias XX” von Joel Ross
30.1.2010 von Patrick.
Wir schreiben das Jahr 1941. Deutschlands Streitmächte überrollen unaufhaltsam den Kontinent. Der Osten bröckelt, der Norden kapituliert, der Westen kämpft ums Überleben. Der Sieg Hitlers rückt stetig näher. Seine Stärke wird intensiviert durch den Dreimächtepakt, zusammen mit Italien und Japan, während die USA beharrlich an ihrer Neutralität festhält. Doch hätte der Angriff der Japaner auf Pearl Harbour niemals stattgefunden, wäre die USA jemals bereit gewesen, das Leben ihrer Männer an der Seite der Alliierten für Briten, Juden und Kommunisten aufs Spiel zu setzen?
Nach dem misslungenen Einsatz in Kreta im Mai 1941 wird Sergeant Tom Wall, Freiwilliger der kanadischen Armee, schwer verletzt in ein britisches Armeekrankenhaus eingeliefert. Im Dezember desselben Jahres, traumatisiert und durcheinander, setzt er sich von dort ab, um sich bei seinem Bruder Earl zu rächen, beschuldigt er ihn doch des Verrats an seine Einheit. Dieser jedoch ist vor einigen Tagen spurlos verschwunden.
Schlaflosigkeit und Schmerzen lassen Tom durch die zerbombten Straßen Londons umherirren auf der Suche nach Hinweisen und landet dabei in die Fänge des MI-6. Diese haben die geheime Organisation „Double Cross“ – die auch im englischen Buchtitel auftaucht – ins Leben gerufen, deren Zweck es ist, deutsche Agenten „umzudrehen“, sie für sich arbeiten zu lassen und somit gefälschte Informationen nach Deutschland zu versenden. Dieses Lügengerüst scheint nun in sich zusammenzubrechen. Der geheimnisvolle und teuflische Sondegger, ein deutscher Agent, dessen Mission es ist, das deutsche Spionagenetz auf britischem Boden zu überprüfen, befindet sich in Gewahrsam des MI-6 und soll den Aufenthaltsort seines Komplizen „Abendammer“ herausrücken. Tom soll dabei als Mittelsmann fungieren und verstrickt sich allmählich in einem Netz aus Lüge, Täuschung und Manipulation. Etliche Personen scheinen ein doppeltes Spiel zu führen und blenden dabei nicht bloß Tom Wall – auch der Leser wird in die Irre geführt!
Überaus authentisch lässt Ross seine fiktiven Figuren über die reale Bühne jüngster Vergangenheit wandeln und lässt die Szenerie der letzten Woche vor Japans Angriff auf Pearl Harbour sowie die Ursache des Kriegseintritts der USA in ein neues Licht tauchen.
Joel Ross’ Roman basiert auf das Ergebnis neuester Archivfunde. Herausgekommen ist ein spannender und wendungsreicher Spionagethriller.
„Ihre Abneigung gegen ihre rechte Hand hat etwas Biblisches, Mr. Wall. ‚Wenn dich deine Hand zum Bösen verleitet, dann hau sie ab.’ Verführt ihre Hand sie zum Bösen? Haben Sie Angst davor, was sie tun könnte, bedauern Sie, was sie bereits getan hat? Sie haben in der Liebe versagt, Mr. Wall. Sie haben im Krieg versagt. Sie sind ein vielschichtiger Mensch, aber nichts davon ist ganz. Sie straucheln, Sie fallen, Sie versagen …“
Droemer/Knaur, gebunden 2005, 445 Seiten, 19,90€, ISBN: 978-3426197028
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“Der Fernsehgast” von Kurt Oesterle
28.1.2010 von Heidi Hof.
Nur wenige Kapitel haben mich wirklich erreicht.
In einem kleinen Dorf in Süddeutschland zieht der Fernseher ein. Kaum vorzustellen auch das Telefon, der Mähdrescher, die Melkmaschine, der Kühlschrank und sogar ein Zahnarzt brachte die „neue“ Zeit ins Dorf. Allerdings weiß der Autor nicht recht mit welcher Haltung er seine Geschichte erzählen soll, ironisch, aufgesetzt lustig oder unter vorgehaltener Hand, strafend …
„ … das Fernsehen … schade nur den Augen, sagten meine Eltern. Wer dann aber immer noch nicht von ihm lasse, dem hitze es allmählich die Seele auf …“ Seite 7
Oder einfach aus der naiven Sicht des Protagonisten, einem Junge von ca. acht Jahren. Der Fernsehgast, dessen Eltern ihm das Fernsehen verbieten, und auch keinen Fernseher kaufen, denn sie sitzen abends lieber im Dunklen und schweigen, zieht durchs Dorf und quartiert sich überall, wo eine Antenne auf dem Dach angebracht ist, selber ein und schaut mit den Fernsehbesitzern fern. Nur wenn er mit seinem Großvater wandern geht, ohne Verpflegung und sie in eine Gastwirtschaft einkehren, oder wenn er in seinem Bubenzimmer nicht einschlafen kann, dann wird die Erzählung lebendig.
Oesterle hätte sich ganz einfach zu einer Haltung entschließen sollen, so ist es mir ein Wechselbad aus altbacken, infantil und ein bisschen witzig, nichts Halbes oder gar Ganzes.
Kurt Oesterle wurde 1955 in Oberrot geboren, und studierte Literatur, Geschichte und Philosophie. Seit 1988 ist er freier Autor und Journalist. Er veröffentlichte schon verschiedene Monographien und Essays und wurde 1997 mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Für seinen Debut-Roman „Der Fernsehgast“ wurde ihm der Berthold Auerbach-Literaturpreis verliehen.
Heidi Hof
Büchergilde Gutenberg Verlag 2002, Leinen Hardcover vergriffen, 192 Seiten, ISBN: 3-7632-5333-5
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“Ein schöner Ort zu sterben” von Malla Nunn
26.1.2010 von Heidi Hof.
Anfang der 1950 er in Südafrika: der kapholländische Police Captain Pretorius wird erschossen aufgefunden.
An den Ermittlungen sind bald nicht mehr nur Detective Sergeant Emmanuel Cooper beteiligt, sondern auch die Security Branch, die eher nach Kommunisten sucht, wie an der ernsthaften Ermittlung des Täters interessiert ist.
Was sich anhört und liest wie ein Krimi ist unterm Strich kein Krimi, sondern eher ein südafrikanisches Sittenbild.
Daher ist Nunns Roman auch weniger spannend als vielmehr interessant.
Auf den ersten 50 Seiten und den letzten ca. 150 Seiten geht es um den Mord und dessen Aufklärung; hier werden auch alle Fortschritte gemacht, die den Mord betreffen.
Die Ermittlungen sind zwar auch Thema der Seiten, die zwischen Anfang und Ende stehen, allerdings beschreibt Nunn auf diesen die Situation Südafrikas: wie streng zwischen schwarzen, farbigen und weißen unterschieden wird, wie es ihnen verboten ist miteinander zu verkehren, wie der Weiße immer noch denkt, er sei dem Schwarzen überlegen.
Hier hält der Mord an Captain Pretorius lediglich die Handlung zusammen und gibt ihr einen roten Faden. Der Mord ist somit eher eine Rahmenhandlung, die das Herzstück – die Analyse Südafrikas – umfasst. Das würde auch erklären, wieso die Handlung, die den Mord betrifft, erst wieder auf den letzten Seiten Schwung bekommt und davor eher auf der Stelle tritt.
Die Auflösung des Mordes wiederum ist überraschend, aber dennoch logisch und fügt sich somit wunderbar in die Geschichte ein. Die Auflösung konnte mich zusätzlich positiv überraschen, da bis zum Schluss keine Beweise oder Hinweise auftauchten, die den Täter verraten konnten. Für mich war dies daher sehr angenehm, da ich oft die Erfahrung gemacht habe, dass man bei Krimis – wenn man genau hin schaut – oft sehr schnell weiß, wer der Täter ist.
Die Charaktere sind der Autorin wunderbar gelungen: jeder Charakter übernimmt eine bestimmte Aufgabe im Roman und in der dargestellten Gesellschaft. Dabei droht aber keine Figur zu überzeichnet, unglaubwürdig oder klischeehaft zu wirken. Jede einzelne ist glaubwürdig.
Geärgert haben mich indessen leider häufige Rechtschreibfehler, die sich allerdings fast ausschließlich auf die Groß- und Kleinschreibung beschränken. Auffällig ist dabei, dass sie vor allem gebündelt auftreten und bis zu den nächsten dann wieder etliche Seiten dazwischen liegen.
Viele Bücher die in Südafrika spielen und die ich bis jetzt gelesen habe, konnte mir oft nur ein „nett“ entlocken, da die Handlungen oftmals so alltäglich war, dass Südafrika nicht zum tragen kam.
In Malla Nunns Debut Ein schöner Ort zu sterben ist aber genau das Gegenteil der Fall: Afrika lebt! Und mit dem Land seine Bewohner.
Malla Nunn hat es geschafft mir in ihrem Roman das Land näher zubringen und ich hoffe, dass auch ihr nächster Roman in Afrika spielen wird!
Rebecca
Rütten & Loening Verlag 2009, Übersetzung: Armin Gontermann, Hardcover 19,95 €, 407 Seiten, ISBN: 978-3352007712
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“Shirley” von Charlotte Brontë
22.1.2010 von Heidi Hof.
Wieder einmal ein Schmökerspaß!
Der Roman erschien 1849, ein Jahr nach ihrem Bestseller „Jane Eyre“, der die Autorin weltweit berühmt machte. Doch erst 1959 als Asa Briggs nochmals das Werk ins Gedächtnis rief, brachte eine größere Leserschaft und Verständnis für den Inhalt. 1849 fand die Welt folgendes im Feuilleton:
„ … jegliche In-sich-Geschlossenheit, infolge mangelnder Kunst, fehlt … Die Autorin scheint sich nie eindeutig entschieden zu haben, ob sie nun Land und Leute von Yorkshire und die sozialen Verhältnisse in den Tagen von König Lud beschreiben oder Charakterbilder malen oder eine Liebesgeschichte erzählen wollte. Alles wird nacheinander angestrebt und wieder verworfen.“ S. 934 Nachwort von Olaf Grunert
Und es stimmt schon, so ganz abgerundet liest sich das Werk nicht. Die ersten 100 Seiten beispielweise sind eine lose Aneinanderreihung von Figuren und Andeutungen zur Zeitgeschichte. England in der Situation der Kontinentalsperre, die die Franzosen über sie verhängt hatten. Damit sollte man sich ein wenig auseinander setzen, um so richtig in den Roman hinein zu finden. Auch weiterhin werden die Figuren und Themen etwas gesondert voneinander betrachtet. Aber ein Lesevergnügen stellt sich dann doch rasch ein.
Caroline ist die Nichte vom Pfarrer von Yorkshire. Ihre Eltern haben sich kurz nach ihrer Geburt getrennt, sie lebte dann eine Zeit lang bei ihrem Vater, der ein Säufer, ein Schönling und Schweinehund war. Bis ihr Onkel sie ins Pfarrheim geholt hat.
Geborgenheit und Herzenswärme hat sie nie kennen gelernt und so ist es kein Wunder, dass sie sich bei ihrer Cousine und Cousin (die kürzlich in die Gegend gezogen sind) sehr wohl fühlt. Sie verliebt sich in ihren Vetter und muss mit ansehen als dann „Shirley“ in die Handlung platzt, dass sich alle Aufmerksamkeit um diese Dame dreht.
„Shirley“ ist eine natürliche Schönheit, geistreich, reich und eigenwillig, alle Männer von Yorkshire liegen ihr zu Füßen. Trotz dieser Umstände bahnt sich eine innige Freundschaft zwischen diesen Hauptfiguren an.
Das Werk ist politisch tief, voller authentischer und charakterstarker Figuren, und für die damalige Zeit sehr aufgeschlossen, wenn nicht gar feministisch. Genauso frei wie ihre Schwester Anne in „Agnes Grey“, denken ihre weiblichen Gestalten an ihre Entwicklung, Karriere und innerer Zufriedenheit. Nach kurzer Einleseschwierigkeit habe ich den Wälzer genossen und mich teilweise stundenlang darin ergangen. Ein Schmökerspaß, und eine weitere Brontë-Empfehlung!
Heidi Hof
Manesse Verlag, Zürich 1989, OT: Shirley. A Tale 1849, Übersetzung: Andrea Ott mit einem Nachwort von Olaf Grunert, Leinen gebunden 26,90 €, 957, ISBN: 3-7175-1766-X
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Neuerscheinungen im Februar 2010
20.1.2010 von Heidi Hof.
Teil 4/4
1. Anweisung für einen Abstieg in die Hölle von Doris Lessing
Neuauflage! »Ein brillantes, verstörendes Buch - und auf jeden Fall Doris Lessings abenteuerlustigstes, phantasievollstes Experiment seit dem Goldenen Notizbuch.« Times Literary Supplement
2. Die Entdeckung des Sonnenaufgangs von Walter Veltroni
Ein Mann in den besten Jahren ist auf der Suche nach den Gründen für das Verschwinden seines Vaters in den Siebzigern. Walter Veltroni hat einen sehr intimen und gefühlvollen Roman über die Macht der Fantasie und der Erinnerung und über das Drama der Kinder des linken Terrors geschrieben. (Klett-Cotta Verlag)
3. Für alle Tage: Ein Lebensbuch von Lew Tolstoi
Tolstois letztes großes Werk - erstmals in vollständiger Fassung.
4. Johann Peter Hebel von Heide Helwig
Mit den “Allemannischen Gedichten” verfasste er das badische Nationalepos, mit dem “Rheinländischen Hausfreund” machte er einen Bauernkalender zu Weltliteratur. Heide Helwig erzählt in ihrer großen Biografie die Lebensgeschichte des Dichters Johann Peter Hebel, dessen Liste der prominenten Verehrer von Goethe bis Jean Paul und von Kafka bis Canetti reicht.
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“Der Meister des Jüngsten Tages” von Leo Perutz
18.1.2010 von Heidi Hof.
Als das „mögliche(m) Resultat eines Fehltritts von Franz Kafka mit Agatha Christie“, bezeichnet der Schriftsteller Friedrich Torberg den Verfasser dieses Romans auf der Rückseite des Buches. Tatsächlich ist die Geschichte um eine Reihe von mysteriösen Selbstmorden, in die der Ich-Erzähler Freiherr von Yosch im herbstlichen Wien des Jahres 1909 verwickelt wird, vielschichtig, doppelbödig und faszinierend. Die ganze Zeit bleibt der Leser im Unklaren darüber, womit er es eigentlich zu tun hat. Mit einem Kriminalroman? Bestimmte Verdachtsmomente, die auf Mord statt Selbstmord verweisen und das klassische Rätsel des geschlossenen Raumes sprächen dafür. Oder hat man einen Psychothriller vor sich? Denn es ist auch die Rede von tiefen Urängsten, alptraumhaften Beklemmungen und schrecklichen Visionen. Schließlich scheint eine alte und mächtige Magie eine unheilvolle Rolle zu spielen, also handelt es sich vielleicht doch um eine phantastische Begebenheit. Welches Spiel spielt der undurchsichtige Yosch? Und was bedeutet die geheimnisvolle Farbe drommetenrot? Wenn auf den letzten Seiten die Auflösung erfolgt, haben sich die verschiedenen Lesarten im Kopf des Lesers zu einer einzigen unheimlichen Geschichte vermischt.
Jorge Luis Borges hat den „Meister des Jüngsten Tages“ in seine Edition der besten Kriminalromane der Welt aufgenommen. Aber als Kriminalroman wollte Leo Perutz seine Erzählung nicht verstanden wissen. Mit Recht. Denn sie geht weit über einen herkömmlichen Krimi hinaus. Der 1923 erschienene Roman ist nicht nur auf seine Art sehr spannend, er spielt auch mit verschiedenen Wirklichkeitsebenen und leuchtet psychologische Untiefen aus. Auf knapp 200 Seiten schafft es der Autor, in einer wunderbar klaren, eindringlichen Sprache Personen und Milieu lebendig werden zu lassen und einen Einblick in das bürgerlich-adlige Leben des historischen Wien vor dem ersten Weltkrieg zu geben. Die Bilder des Herbstes und die Erinnerungen des Protagonisten an versunkenes Glück schaffen zusätzlich zu der rätselhaften, düsteren Stimmung noch eine Atmosphäre von Vergänglichkeit und Verfall. Ein leicht zu lesendes, faszinierendes und schönes Buch von einem Autor, den wieder zu entdecken es sich lohnt.
Monika
Deutscher Taschenbuch Verlag 2003, Taschenbuch 8,90 €, 208 Seiten, ISBN: 978-3423131124
(Bild oben) Büchergilde mit Illustrationen von Bodo Rott, Leinen Hardcover 24,90 €, 240 Seiten, Bestellnr: 157454
Geschrieben in Monika, Klassiker | 1 Kommentar »






