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Neuerscheinungen im Oktober

Teil 2/6

1. Solar von Ian McEwan

Michael Beard ist Physiker und Frauenheld. Er hat den Nobelpreis erhalten, doch ist er alles andere als nobel: Im Beruf ruht er sich auf seinen Lorbeeren aus, privat hält es ihn auf Dauer bei keiner Frau. Bis die geniale Idee eines Rivalen für Zündstoff in seinem Leben sorgt.

2. Die fünf Sonnen Mexikos: Ein Lesebuch für das 21. Jahrhundert von Carlos Fuentes

Die fünf Sonnen Mexikos ist das Buch der Bücher von Carlos Fuentes. In seiner persönlichen Auswahl aus den frühen großen Romanen wie Terra nostra , den berühmten Erzählungen und politischen Essays entwirft er ein weit gefächertes Panorama: von den Azteken bis zu der Jungfrau von Guadeloupe und den Aufständischen von Chiapas.

3. Liebesroman von Gerhard Henschel

Der “Liebesroman” ist das dritte Buch über die Erlebnisse des jungen Martin Schlosser: Er beginnt am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien 1978 mit einem kühnen Plan zur Eroberung des Herzens einer heißgeliebten Mitschülerin und führt die Leser durch zwei Jahre voller Schikanen, Herzensnöte und wachsender Zweifel am Sinn des Lebens in der emsländischen Kleinstadt Meppen und an der Gerechtigkeit einer Oberstufe, in der man Mathe nicht abwählen kann.

4. Die leere Trommel: Märchen und Legenden aus dem alten Russland. - Vorgestellt von Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer – Kultautor und Gründer der Berliner „Russen-Disko“ – stellt die ebenso rührenden wie abgründigen Erzählungen aus dem alten Russland vor.

Neuerscheinungen im Oktober

Teil 1/6

1. Die Ketzerbraut von Iny Lorentz

München zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Die schöne Bürgerstochter Genoveva, genannt Veva, soll nach dem Willen ihres Vaters den Sohn eines Geschäftspartners aus Innsbruck heiraten. Doch auf dem Weg nach Tirol geschieht das Unfassbare …

2. Der Traum von Eldorado von Peter Dempf

Ein neues Zeitalter hat begonnen: Jenseits des Atlantiks wurde die Neue Welt entdeckt, und immer mehr Abenteurer suchen ihr Glück in dem fernen, fremden Land. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich in Europa die Legende um eine sagenumwobene Stadt im tiefen Dschungel …

3. Sizilianische Hochzeit: Eine Frau erzählt ihr Leben zwischen Liebe und Hölle von Diane Sterling

Die beeindruckende Geschichte einer Frau, die den Fängen eines despotischen sizilianischen Dons entkommt

4. Eis und Wasser, Wasser und Eis von Majgull Axelsson

Vielschichtiger Psychokrimi und bewegende Familiensaga mit großem Finale im ewigen Eis

„Verlorene Illusionen“ von Honoré de Balzac

balzac.gifEin wunderbarer Schmöker!

David, der Sohn eines Druckers, hat ein schweres Los. Sein Vater ließ ihn zwar eine gute Schule besuchen, aber auf seine Bildung ist er fast bösartig eifersüchtig. Er entwickelt sich zum großen Geizhals und verkauft seinem Sohn die Druckerei zu einem überhöhten Preis, die er per Raten abstottern soll. Davids Startsituation ins Leben ist damit alles andere als günstig, nein er ist dadurch finanziell ruiniert.

Im Leben lernt man dann oft seinesgleichen kennen. Das Geschwister-Pärchen Chardon, der Vater ein kluger Apotheker lernt eine Adelige kennen und lieben, die durch diese Heirat ihren Titel und Anspruch auf Namensweiterführung „de Rubempré“ entzogen bekommt. Nach dem Tod des Vaters knapsen diese Drei am Hungerstuch. Lucien wird für David ein Bruder und in Ève verliebt er sich gleich.

Lucien liebt das süße Leben. Die Königin der Provinz soll die Seine werden. Und sie hat diesen Schönling auch direkt an der Angel. Nach einem Zwischenfall in Angoulême machen sich die Liebenden auf den Weg nach Paris. David und Ève geben Lucien ihr letztes Geld, damit er seinen Traum in der Hauptstadt verwirklichen kann. Denn er will ein berühmter Dichter werden …

Im Grunde genommen handelt das ganze Buch nur von einem Thema: Geld! Geld und wie es auf die Menschen wirkt. Und trotzdem die Weichen sehr früh für die handelnden Figuren gestellt sind, wird der Roman nie langweilig oder gar platt. Immer wieder kommt der Autor mit neuen und interessanten Spielvarianten an, beispielsweise die Eitelkeit und die Tugend, und wie sich diese Beiden nicht gerade festlich vereinen, und andere Blickwinkel, wodurch sich ein unaussprechlicher Sog entwickelt, so dass man das Buch kaum aus den Händen legen möchte.

„Die Großen begehen beinahe ebenso viele Feigheiten wie die Armen; aber sie begehen sie im Schatten und rücken ihre Tugend in den Vordergrund: sie bleiben groß. Die Kleinen entfalten ihre Tugenden im Schatten und breiten ihr Elend offen aus: sie werden verachtet.“

Balzac zeigt im zweiten Teil das damalige gesellschaftliche Leben in Paris, die Politik, den Adel sowie das Zeitungs-. und Verlagswesen, und außer dass es früher bunter und sich prächtigter lebte, spiegelt mir der Autor eine Zeit, die sich mit der heutigen messen kann. Auch heute bestimmen die „Spieler“ wer oder was „in“ oder „out“ ist. Geld regiert die Welt.

Ich möchte auch heute nicht wissen wie viele wirkliche Talente von Nachwuchsautoren in irgendwelchen Schubladen verstauben, weil ein Verlag das Risiko scheut und lieber dem „Mainstream“ folgt, weil ein solches Werk auf jedem Fall eine gute Presse bekommt. Umgekehrt erlebt man es desöfteren, welch 0-8-15 Werk in den Himmel gelobt wird.

„Es gibt keine Gesetze mehr, es gibt nur noch Gesellschaftssitten, das heißt Künstlichkeit und Schein.“

Die wunderbare Sprache, die dieses Buch trägt (Kompliment an die Übersetzung), macht es zu einem rundherum perfekten Schmöker. Es besitzt keine Längen, trotz der 850 Seiten, die Handlung ist spannend, aber dennoch klug und weise. Für mich ein Highlight in diesem Jahr!

Honoré de Balzac

Büchergilde Gutenberg 2007, OT: Les Illusions perdues in drei Teilen von 1837, 1839 und 1844, Übersetzung: Otto Flake, Hardcover 21,90 €, 858 Seiten, ISBN: 978-3-7632-5888-8

“Frau Sartoris” von Elke Schmitter

Frau Sartoris war als junge Erwachsene schön, intelligent, selbstständig - sie verliebte sich zunächst glücklich, alles schien perfekt. Erst als ihr Freund, der aus besseren Kreisen stammt, sie abrupt verlässt, ist sie so tief gekränkt, dass sie Ernst heiratet. Den lieben Vereinsmeier Ernst Sartoris mit der Beinprothese und der netten Mutter, der sie auf Händen trägt, dessen abenteuerlichstes Attribut sein Nachname ist: dies verspricht ein einfaches Leben im kleinen Landstädtchen. Damit ist Fr. Sartoris erstmal zufrieden. Jahre später, die Tochter bereits in der Pubertät, verliebt sie sich: Michael, der Theaterwissenschaftler, auf einmal scheint ein aufregenderes Leben wieder möglich.

Elke Schmitters dünner Roman wird von Fr. Sartoris selbst erzählt, kurze Absätze sind eingestreut, die einen Verkehrsunfall andeuten, dessen Bedeutung erst im Lauf des Romans klar wird. Geschildert wird ein ganz normales Leben, die Spießigkeit und Muffigkeit der 60er Jahre und eine Frau, die sich verletzt, eigentlich genau wissend, was sie erwartet, darauf einlässt. Ob es die Kriminalromanelemente wirklich gebraucht hätte? Sie machen das Buch spannend, haben mich aber irgendwie an Ingrid Nolls “Der Hahn ist tot” erinnert. Was aber wahrscheinlich weniger an der Ähnlichkeit der beiden Bücher, als an meiner Verweigerung Kriminalromane zu lesen, liegt, da fehlen mir die Vergleichsmöglichkeiten. Tatsächlich fand ich die Auflösung etwas unbefriedigend, obwohl das auch wieder sehr gut zum Leben der Fr. Sartoris passt. Und dieser ganze Vorabendkrimi-Handlungsstrang gut zur spießigen Atmosphäre der Kleinstadt.
Die Grundhandlung “unzufriedene Frau in der Provinz nimmt sich Liebhaber” lässt natürlich im Hintergrund Flaubert anklingen, eine moderne Bovary sozusagen (auch eine Begegnung mit einer Kutsche darf da natürlich nicht fehlen). Da zielt Fr. Schmitter mit Fr. Sartoris natürlich hoch, aber in weiten Zügen gelingt ihr das auch, auch wenn Sie sich manchmal hart an der Grenze zum Klischee rumtreibt.

Alles in allem eine spannende, gut geschriebene Lektüre für einen langen Nachmittag auf der Couch. Ich hab’ es sehr gerne gelesen!

Berliner Taschenbuch Verlag 2004, TB 7,50 €, 158 Seiten, ISBN: 978-3833301193

Neuerscheinungen im September

letzter Teil

1. Die Schwebebahn: Dresdner Erkundungenvon Uwe Tellkamp

Nach dem grandiosen Erfolg seines Beststellers Der Turm führt Uwe Tellkamp uns erneut in seine Heimatstadt Dresden. Auf den Stationen dieser Reise erwartet uns eine Fülle von Geschichten, die sich zu einem einzigartigen Roman der Stadt zusammenfügen.

2. Emin Pascha, Herr von Äquatoria: Ein exzentrischer deutscher Arzt und der Wettlauf um Afrika von Patricia Clough

»Emin Pascha, Herr von Äquatoria« ist die faszinierende Lebensgeschichte eines deutschen Abenteurers, die eindringlich die Atmosphäre der Kolonialzeit heraufbeschwört.

3. Das Atelier im Grünen. Henri Matisse - Die Jahre in Issy von Peter Kropmanns

1909 hatte Henri Matisse den Trubel in Paris satt und zog nach Issy-les-Moulineaux – gerade mal sechs Kilometer entfernt von der Hauptstadt. Dem rechteckigen, zweigeschossigen Anwesen, das zum neuen Zentrum seines Lebens werden sollte, schloß sich ein kleiner Park an, in dem Matisse sein „Atelier im Grünen“ einrichtete.

4. Kafka-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung vonManfred Engel/Bernd Auerochs

Der wirkungsmächtigste deutschsprachige Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Franz Kafkas Werk gilt bis heute als Musterfall der ästhetischen Moderne. Das Handbuch präsentiert die Kontexte, in denen Kafka stand und stellt sein Leben sowie die wichtigsten Werke, Fragmente, Tagebücher und Briefe vor.

Neuerscheinungen im September

Teil 8/9 (hab noch einen ;-) )

1. Blicke ins Grüne: Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf von Annette Diekmann-Müller

Was haben Dichterinnen wie Virginia Woolf, Emily Dickinson oder Bettina von Arnim gemeinsam? Sie alle besaßen und pflegten einen besonderen Garten, der nicht nur in ihrem Lebensalltag eine wichtige Rolle spielte, sondern auch Eingang in die Werke der Dichterinnen fand.

2. Hoffmann von Fallersleben von  August Heinrich Hoffmann

Das abenteuerliche Leben des Dichters und Wegbereiters der Revolution von 1848 in der ersten umfassenden BiographieHoffmann von Fallersleben ist als Verfasser der deutschen Nationalhymne sowie vieler Kinderlieder (”Alle Vögel sind schon da”, “Ein Männlein steht im Walde”) bekannt. Doch darüber hinaus gibt es noch viele Facetten zu entdecken.

3. Lob des Schattens: Entwurf einer japanischen Ästhetik von Tanizaki Jun’ichiro (1886-1965)

Japanische Räume beeindrucken durch karge Schlichtheit und ungewohntes Halbdunkel. Am Beispiel des Umgangs mit Farbe, Licht und Schatten gelingt Tanizaki Jun’ichiro (1886-1965) der geniale Entwurf einer japanischen Ästhetik. Einfühlsam und originell spürt dieser vielzitierte Essay den Unterschieden zwischen östlicher und westlicher Kultur nach.

4. Das Haus am Wiesenstein: Gerhart Hauptmanns dichterisches Wohnen von Walter Schmitz

“Die Gauklerin von Kaltenberg” von Julia Freidank

51nbgmgoqbl_sl500_aa300_.jpgAnna ist jung, schön und stark und unsterblich in Ulrich verliebt, dem Herrn der Burg Kaltenberg.
Es sind schwierige Zeiten: denn gleich zwei Könige aus dem Haus der Habsburger und dem Haus der Wittelsbacher streiten um den Thron.
Und genau in diesen Wirren geschieht es, dass das Dorf, in dem Anna bis jetzt so friedlich gelebt hat, überfallen wird.
Dies ist der Augenblick, der Annas Leben durcheinander bringt und sie lernen muss, für sich und ihr Leben einzustehen.

Der Klappentext wirbt mit dem Versprechen, dass man ein großes Abenteuer über die legendären Carmina Burana in den Händen hält.
Ein Versprechen, das wie in vielen Fällen nicht eingehalten wird.
Die Lieder spielen zwar eine Rolle, aber bei Weitem keine so vordergründige. Das Liederbuch dient lediglich als roter Faden, der dafür sorgt, dass vor allem Anna immer wieder in brenzlige Situationen gerät, aus denen sie dann wie durch ein Wunder immer, aber auch wirklich immer, gerettet wird.

Desweiteren weißt das Buch hin und wieder offen gelassene Handlungsstränge auf (bestes Beispiel: wie konnte Anna so unverhofft bei der Wasserprobe gerettet werden? - reiner Zufall reicht da nicht!).
Als Leser historischer Romane wird man wohl auch vom weiteren Verlauf der Geschiche eher schnell enttäuscht sein: man erfährt fast mehr um den Thronstreit wie über die groß angeworbene Carmina Burana und selbst dabei hat man das Gefühl, dass die Episoden um diesen Streit nur Lückenfüller sind. Ich hatte zu keiner Zeit wirklich das Gefühl, mich im Mittelalter zu befinden.

Was man aber auch beachten sollte, ist, dass das Cover das Buch – meiner Meinung nach – fälschlicherweise als historischen Roman deklariert; was man hier jedoch liest, ist kein historischer Roman, eher ein Liebesroman in historischem Gewand. Das dürfte auch erklären, wieso man Anna dabei beobachten kann, wie sie sehr häufig sowohl Raouls als auch Ulrichs Vorzüge anpreist (und sich dabei häufig in Wiederholungen verliert).

Trotzdem muss ich gestehen, dass ich das Buch über weitere Strecken immer wieder spannend fand und es auch gerne gelesen habe.
Allerdings: es war spannend für den Moment. Bereits jetzt, knappe 4 Wochen nach dem Lesen, weist mein Gedächtnis schon erschreckende Lücken auf.

Fazit: Die Gauklerin von Kaltenberg war ein nettes Buch für Zwischendurch, es hebt sich allerdings nicht wirklich aus der Menge des Genres ab.

Rebecca

Marion von Schröder 2010, Gebunden, 14,95 €, Seiten: 496, ISBN: 978-3547711660

“Tirza” von Arnon Grünberg

Jörgen Hofmeester, Ende 50, wohlhabend, Vater zweier Töchter, Tirza und Ibi. Seine Frau hat die Familie vor 3 Jahren verlassen, um mit einem Jugendfreund auf ein Wohnboot zu ziehen. Der Vater kümmert sich fürsorglich, vorbildlich und rührend um seine Jüngste, Tirza ist sein ein und alles, Tirza ist sein Augenstern, seine Sonnenkönigin. Jeder Wunsch wird ihr von den Lippen abgelesen, der Weg geebnet, Komplikationen aus dem Weg geräumt. Nach außen hin ist Jörgen Hofmeester ein Bilderbuch-Vater und präsentiert sich auch dem Leser als solcher.

Im Zuge der Vorbereitungen zur Abiturparty seiner Tochter Tirza die Jörgen mit all seiner Pedanterie und Perfektionismus zu einem unvergesslichen Fest machen will und dem plötzlichen Erscheinen der Mutter der Kinder (die im Buch immer nur als „die Ehefrau“ bezeichnet wird), kommen die wahren Zustände und Verhältnisse ans Tageslicht und legen den wahren Charakter des Jörgen Hofmeester offen.
Die Ehefrau hat ihn verlassen, weil sie ihn nicht mehr aushielt, auf der Arbeit wurde er bei vollen Bezügen freigestellt, weil er unbrauchbar ist, für eine Entlassung aber zu alt. Mit Akribie baut sich Jörgen eine Scheinwelt auf, verlässt jeden Tag pünktlich – mit Aktentasche unterm Arm – das Haus, um seine „Arbeitszeit“ am Flughafen zu verbringen, kehrt zu „Dienstschluss“ wieder heim und kümmert sich um seinen einzigen (Über-)lebensgrund, seine Tochter Tirza. Ihr Vorhaben, nach dem Abitur auf Weltreise zu gehen, wirft ihn aus der Bahn.

In Rückblenden, Erinnerungen werden die 20 Jahre Ehe – vom Kennenlernen, über die Geburt der Töchter, den Bruch mit der älteren Tochter, bis zu seinen beruflichen (Miss-)Erfolgen mosaikartig zusammengebaut, Abgründe offengelegt, Zusammenhänge deutlich gemacht. Einzelne Hinweise, Andeutungen werden erst in den letzten Kapiteln des Buches erklärt, was den Leser in einen ungeheuren Sog versetzt, das Buch ist kaum aus der Hand zu legen.

Es ist ein ruhiges Buch, die Erzählung „plätschert“ dahin, ist aber in keiner Passage langweilig. Gefesselt und atemlos liest man über das Scheitern des Jörgen Hofmeester, sein Versagen in beruflicher, sexueller und zwischenmenschlicher Hinsicht, liest gebannt die Anfeindungen und Gehässigkeiten, die ihm seine Ehefrau vorwirft, erfährt die menschlichen Abgründe des Protagonisten mit all seinen Wahnvorstellungen und Neurosen, als würde man einen Reißverschluss langsam öffnen. Und am Ende? – Ja, damit hat wohl keiner gerechnet …..

Arnon Grünberg:
geb. 1971 in Amsterdam, lebt seit 1995 in New York. Er publiziert auch unter dem Pseudonym Marek van der Jagt. Mit seinen mit Preisen ausgezeichneten Romanen “Phantomschmerz” oder “Der Vogel ist krank” gelang ihm der internationale Durchbruch.

Genial aufgebaute Story, eines meiner Highlights 2010 und den „üblichen Verdächtigen“ ans Herz gelegt!

Christine

Diogenes Verlag 2009, Übersetzung: Rainer Kersten, broschiert 11,90 €, 572 Seiten, ISBN:  978-3257239379

Neuerscheinungen im September

Teil 7/8

1. Die Unentwegten von Miriam Eberhard

Pauline und Friedrich Thiel waren die Großeltern der Autorin. Die Liaison der umworbenen, künstlerisch sehr begabten Kaufmannstochter mit dem technisch genialen, aber leider unvermögenden Autorennfahrer war seinerzeit für Paulines wohlhabende und standesbewußte Eltern ein gehöriges Problem. Die beiden aber ließen sich nicht auseinanderbringen, heirateten in Laupheim bei Ulm - und bekamen dort zwischen 1927 und 1948 vierzehn Kinder, zwei davon verloren sie wieder. 

2. Ein Engel an Güte von Ippolito Nievo (1831-1861)

Ein Frühlingsabend im Venedig des Jahres 1749: An der Riva di San Pieretto drängen sich die Gondeln, auf jeder Brücke lauert ein parfümierter Cavaliere, und die Serenissima gefällt sich in ihrer ganzen schwülen Pracht und Verkommenheit. Morosina, ein Engel an Güte und von vollendetem Liebreiz, fiebert dem Tag entgegen, an dem man sie aus dem Mädchenpensionat der Seraphinerinnen ins Leben entlässt. Noch ahnt sie nichts von den Leimruten der Galanterie, von Heuchelei, Tücke, Liebesverrat, die hinter den malerischen Fassaden der Palazzi lauern.

3. Lew Tolstoj - Sofja Tolstaja, Eine Ehe in Briefen von Ursula Keller

Der große russische Autor Lew Tolstoj und seine Frau Sofja führten während ihrer fünfzigjährigen Ehe einen ausgedehnten Briefwechsel. Diese Briefe geben Einblicke in das Alltags- und Familienleben der Tolstojs und in die Entstehung von Tolstojs großen Werken wie Krieg und Frieden, Anna Karenina, Die Auferstehung oder Die Kreutzersonate.


Neuerscheinungen im September

Teil 6/8

1. Narrenschiff von Katherine Anne Porter

Bei Erscheinen als literarische Sensation gehandelt und von der New York Times unter die größten Romane der letzten hundert Jahre gereiht, setzte Porters «Narrenschiff» dem Versagen der Zivilisation am Vorabend der Nazibarbarei ein eindrucksvolles Mahnmal. In dieser Neuausgabe lässt sich einer der populärsten Klassiker der amerikanischen Moderne nun wiederentdecken.

2. Wann kommt die Liebe von Gabriele Wohmann

Im ehelichen Irrtümerdickicht Das Wohmannsche Welttheater ist lustvoll, ironisch und amüsant. Für seine Helden ist es eine tägliche Zumutung, mit ihren »Lieblingsmenschen« und »Existenzzuschauern« zurechtzukommen, und so versuchen sie durch Finten und Tricks, vom Schicksal emotionale Zinsen einzutreiben.

3. Nacht über Lissabon von Leopoldo Brizuela

Lissabon in einer Novembernacht 1942. Portugal hat ein britisches Ultimatum erhalten, in den Krieg einzutreten, doch der Machthaber Salazar zögert, noch liebäugelt er mit der faschistischen Achse. Angst vor dem Einmarsch der Nazis oder der Bombardierung durch die Alliierten bemächtigt sich der Stadt, die von Fremden wimmelt: Diplomaten in geheimer Mission, Spione beider Seiten, jüdische Flüchtlinge aus ganz Europa

4. Der Magier von Fernando Gomes de Morais

Die erste, autorisierte Biographie eines der bekanntesten und zugleich rätselhaftesten Menschen unserer Zeit: Paulo Coelho. Eine ebenso faszinierende wie auch streckenweise schockierende Lektüre, denn Der Magier basiert auf mehr als 200 Tagebüchern und 100 Tonbändern, die Coelho jahrelang in einer Truhe unter Verschluss gehalten hatte.