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Archiv der Kategorie Krimi/Thriller
“Das alte Kind” von Zoe Beck
5.8.2010 von Krümel.
Carla wird in einem Krankenhaus für wenige Tage von ihrem Kind getrennt. Doch nach diesen Tagen wird dann nichts mehr so sein wie es war. Als sie dann wieder ihr Kind zu sich nehmen kann ist Carla nur noch fassungslos. Das Kind welches sie im Arm hält ist nicht ihr Kind. Aber niemand glaubt Carla. Niemand.
Dann ist da auch noch Fiona, ein junge etwas chaotische Frau die mit einer Freundin in einer Wohngemeinschaft lebt. Eines Tages wacht Fiona in der Badewanne auf. Wie so dort hingekommen ist weiß sie nicht. Das Badewasser hat zudem eine rötliche Farbe und ist mit Blütenblättern übersät. Fiona erkennt voller Entsetzen, dass sich das Wasser von ihrem Blut rot färbt. Sie erreicht gerade noch das Telefon und kann Hilfe holen. Niemand glaubt ihr, als sie sagt, dass jemand sie töten wollte.
Zoe Beck hat es geschafft einen wirklich spannenden Thriller zu schreiben. Ein Buch, welches den Leser wirklich glänzend unterhält. Man ist sofort mittendrin in dieser Geschichte, die auf zwei Zeitebenen spielt. Irgendwie scheint alles miteinander verbunden zu sein – aber wie? Zoe Beck spielt mit großem Geschick auf der Spannungstastatur, sie sorgt dafür, dass die Leserinnen und Leser es kaum schaffen dieses Buch aus der Hand zu legen. Dieses Buch gehört ohne Frage in die erste Liga der Thriller-Literatur. Geschickt wird ein Spannungsbogen aufgebaut der auch im Laufe der Geschichte nicht in sich zusammenfällt oder auch nur schwächer wird. Die handelnden Personen wirken real, die ganze Story wirkt authentisch. Fitzek hat völlig Recht wenn er über dieses Buch sagt, es sei „spannend, emotional und atmosphärisch dicht“.
Hervorzuheben ist, dass Zoe Beck ihren eigenen Stil sucht und auch gefunden hat, dass sie sich nicht damit aufhält irgendjemand zu imitieren. So liest man eine neue Geschichte und nicht den hundertsten Abklatsch von irgendwas.
Sehr lesenswert – vielleicht auch für diejenigen die sonst nicht so im Thriller-Genre umherwandern.
Jan
Bastei Lübbe Verlag 2010, Taschenbuch 7,99 €, 304 Seiten, ISBN: 978-3404164431
Geschrieben in Krimi/Thriller, Jan | Keine Kommentare »
“Kaltschäuzig” von J. F. Englert
25.5.2010 von Krümel.
Randolph ist ein Labrador und ein ziemlich cleverer noch dazu.
Er lebt mit seinem Herrchen Harry zusammen und beide müssen einen tiefen Schicksalsschlag verwinden: das Verschwinden von Imogen, Randolphs Frauchen und Harrys großer Liebe.
Als bei einer Leiche Fotos von Imogen gefunden werden und diese unter Mordverdacht gerät, gerät auch das Leben der beiden aus den Fugen…
Als ich das Buch in den Händen hielt, war mein erster Gedanke und Wunsch, dass dies bitte kein billiger Abklatsch von „Glennkill“ wird, dass vor einiger Zeit für richtig Furore sorgte.
Meine Angst hat sich nicht bestätigt. Dem Autor ist es gelungen mit Labrador Randolph einen netten, liebenswerten Schnüffler zu erschaffen.
Und es scheint leider so, dass sich Englert genau auf diesen verlässt, statt auf seinen Plot: Randolph erklärt dem Leser ganz genau, wie das Leben eines Hundes aussieht und was wir Menschen alles nicht an Hunden bemerken und zu schätzen wissen.
Immer wieder schmeißt der literaturbegeisterte Hund mit Zitaten aus literarischen Werken um sich und wirkt so nicht selten altklug. Vor allem, weil die Zitate zwar immer etwas mit dem Kontext zu tun haben, aber dennoch nicht in die Geschichte passen.
Es wirkt fast so, dass der Autor seiner eigenen Geschichte nicht traut und den Hund vorschickt, um dies zu kaschieren.
Dabei müsste er das gar nicht.
Leider kommt die Geschichte erst nach ca. 130 Seiten in Fahrt, was in Anbetracht der Lage, dass das Buch gerade mal 285 Seiten hat, ziemlich spät ist.
Doch der Autor beweist, als er sich ein wenig von Randolph löst, dass er durchaus in der Lage ist, eine spannende und logische Geschichte zu erzählen. So habe ich das Buch dann gespannt gelesen, weil ich wissen wollte, wer denn nun für alles verantwortlich ist.
Jedoch ist die Geschichte nach dem längeren Vorlauf auch schnell wieder vorbei.
Dabei verpasst der Autor es aber nicht, den Grundstein für ein drittes Abenteuer zu legen.
Kaltschnäuzig ist ein durchaus netter Roman, der einem für ein paar Stunden gut unterhalten kann. Das Buch ist guter Durchschnitt, leider nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Rebecca
Goldmann Verlag 2010, Übersetzung: Tina Hohl, Taschenbuch 7,95 €, 288 Seiten, ISBN: 978-3442470235
Geschrieben in Rebecca, Krimi/Thriller | Keine Kommentare »
“Eine ganz andere Geschichte” von Håkan Nesser
19.4.2010 von Krümel.
Die Bretagne im Sommer 2002: Sechs Touristen, 2 Pärchen und 2 Singles, lernen zufällig einander kennen und verbringen ein paar unbeschwerte Urlaubstage. Nach diesem Urlaub trennen sich die Wege, es bleiben ein paar Urlaubsfotos sowie Tagebuchaufzeichnungen.
Sechs Jahre später werden nach und nach fünf der Beteiligten ermordet, jeweils unter brieflicher Ankündigung der Tat direkt an Inspektor Barbarotti. Der Fall erregt große Aufmerksamkeit im schwedischen Kymlinge, ist die Polizei trotz der Ankündigungen machtlos und kann die Taten nicht verhindern. Die Ermittler tappen lange im Dunkeln, während der Leser – durch die eingeschobenen Tagebuchaufzeichnungen, die von den Eskapaden der Urlaubstage genauso berichten wie von einem – nein, eigentlich zwei – tödlichen Zwischenfällen , immer einen Sprung voraus ist; ein Stilmittel, das einen ungeheuren Spannungsbogen erzeugt, der den Leser mit Leichtigkeit über die knapp 600 Seiten trägt. Dass es sich aber – wie der Titel schon anmutet – um eine „ganz andere Geschichte“ handelt, wird erst in den überraschenden letzten Kapiteln bewusst. Dass einige Fragen offen bleiben, scheint eine Eigenart Nessers zu sein, stört aber nicht weiters.
Inspektor Barbarotti hebt sich sehr angenehm von den „üblichen“ Kommissaren ab. Er ist nicht hauptsächlich mit der Lösung des Falles beauftragt, sondern ist einer der Ermittler, arbeitet im Hintergrund. Nebenbei hat er beide Hände voll zu tun, sein Privatleben auf die Reihe zu kriegen. Er ist geschieden, hat 3 Kinder. Seine jüngste Tochter ist eben flügge geworden und nach London gezogen, wo sie nicht unbedingt das Leben führt, dass sich der Vater vorstellt. Er selber hat sich mit Marianne angefreundet und beabsichtigt, sie zu heiraten, ein Umzug wird ins Auge gefasst. Der Leser nimmt Teil am Leben des sympathischen Barbarotti, schmunzelt über seine Gespräche mit Gott, mit dem er noch eine Rechnung offen hat, und folgt begeistert seinen philosophischen Gedanken.
Nach „Mensch ohne Hund“ ist „Eine ganz andere Geschichte“ der zweite Fall des Inspektor Barbarotti, im August 2009 erschien mit „Das zweite Leben des Herrn Rossi“ bereits sein dritter Fall.
Christine
btb Verlag 2008, Übersetzung: Christel Hildebrandt, Hardcover 19,95 €, 608 Seiten, ISBN: 978-3442751747
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“Leopard” von Jo Nesbø
4.3.2010 von Krümel.
Nach seinem letzten Fall um den Schneemann brauchte Harry Abstand, Abstand zur Polizei, Abstand zu Norwegen, Abstand zu seinem bisherigen Leben. Die Trennung von Rakel und deren Sohn hat ihn sehr mitgenommen. Unterschlupf hat er in Hongkong gefunden. Aber in Ruhe leben kann er auch dort nicht. Alkohol, Opium und Pferdewetten sind für ihn zum Lebensinhalt geworden. Wegen seiner Schulden bei den Tiraden, der chinesischen Mafia, kann er auch das Land nicht verlassen, denn sie haben ihm seinen Pass als Pfand abgenommen. Die junge norwegische Ermittlerin Kaja Solness fliegt im Auftrag von Gunnar Hagen, Leiter des Morddezernates, nach Hongkong, um Hole zurück nach Norwegen zu holen, denn dort treibt erneut ein vermeintlicher Serienmörder sein Unwesen. Dies sind aber nicht die einzigen Handlungsorte, der Leser verfolgt die Ermittlungen noch in Ruanda, im Kongo und in Leipzig.
Gleich zu Beginn des Romans wird man Zeuge eines äußerst grausamen und perfide ausgeklügelten Mordes an einer Frau. War „Schneemann“ schon nichts für Zartbesaitete, empfand ich „Leopard“ im Vergleich zum Vorgängerbuch noch einmal als eine deutliche Steigerung.
Die Handlung verläuft in verschiedenen Strängen. Neben den Ermittlungen in den Mordfällen ging es in diesem Thriller auch um das Kompetenzgerangel zwischen dem Morddezernat und dem Kriminalamt.
Temporeich erzählt Jo Nesbø vom Fortschreiten der Ermittlungen, von Fehlschlägen und der behördlichen Rivalität. Mikael Bellman, Chef des Kriminalamtes und selbsternannter Platzhirsch, will mit seinem Team allein die Fälle lösen und erkennt die Kompetenz des Morddezernates nicht an. Ruhe kommt in dieses Buch immer dann, wenn Harry Hole seinen todkranken Vater am Sterbebett besucht. Es ist ein leises Abschiednehmen von Vater und Sohn, dass gefühlvoll und eindringlich beschrieben wurde. Eine weiter Handlungsebene ist die unvermeidliche Lovestory. Die gehört wohl einfach zu diesem Genre.
Prinzipiell hat mir „Leopard“ recht gut gefallen. Der Spannungsbogen wurde kontinuierlich aufgebaut und auch bis zum Ende hin gehalten. Die Morde sind zwar brutal, aber gerade noch erträglich und auch die Ermittler sind nicht zimperlich und müssen einiges einstecken. Jo Nesbø erzählt gekonnt und baut geschickte Cliffhanger ein, so lässt er dem Leser Zeit zum Durchatmen und zum stillen Weiterfiebern und hält ihn so vor allen Dingen bei der Stange. Der Thriller ist leicht und flüssig zu lesen, zieht den Leser schnell in seinen Bann und entwickelt dann eine gewisse Eigendynamik. Mir fiel es doch recht schwer, das Buch zur Seite zu legen. Nesbø nutzt intelligent die Zutaten, die einen guten Thriller ausmachen, durchkonstruierte Morde als Grundlage, ein bisschen Liebesgeflüster fürs Gefühl und einige unverhoffte Wendungen für die Spannung. Einzig die Figur des Harry Hole hat mir in diesem Fall nicht so zugesagt. Zwar gelingt es dem Autor gut, seine Sucht und Schwächen zu beschreiben, aber den Widrigkeiten seines Berufsalltags kann er trotzen, obwohl er psychisch und physisch sehr mitgenommen scheint. Nicht jeder kann seine persönlichen Defizite so gut überspielen.
„Leopard“ ist der 8., gut in Szene gesetzte Fall des Ermittlers Harry Hole. Wer sich nicht an der Spezifik des Ermittlers stört, rasante und blutige Kriminalromane bevorzugt und Liebhaber dieses Genres ist, für den wird dieses Buch kein Fehlgriff sein.
Über den Autor (Quelle: Wikipedia)
Jo Nesbø (* 23. März 1960 in Oslo) ist ein norwegischer Musiker und Autor.
Nach einer Ausbildung als Diplom-Kaufmann und Finanzanalyst an der Norwegischen Handelshochschule Bergen war er neben seiner Aufgabe als Sänger und Komponist der Popgruppe Di Derre als Makler und Journalist tätig.
Hauptperson von Nesbøs bisherigen Kriminalromanen ist der alkoholkranke, alleinstehende Hauptkommissar Harry Hole, der zumeist brutale Mordfälle lösen muss.
Nesbø erhielt als Auszeichnung den norwegischen Riverton-Preis und den skandinavischen Krimipreis (Glasnøkkelen) für seinen Debütroman Flaggermusmannen. Sein Roman Rotkehlchen brachte ihm 2000 den norwegischen Buchhandelspreis ein und wurde 2004 zum besten norwegischen Krimi aller Zeiten (Tidenes beste norske krim) gewählt. Seine Werke wurden in die schwedische, finnische, dänische, englische, niederländische, französische, polnische und deutsche Sprache übersetzt.
Zur Reihe um den Ermittler Harry Hole gehören:
1. Der Fledermausmann (Flaggermusmannen)
2. Kakerlaken (Kakerlakkene)
3. Rotkehlchen (Rødstrupe)
4. Die Fährte (Sorgenfri)
5. Das fünfte Zeichen (Marekors)
6. Der Erlöser (Frelseren)
7. Schneemann (Snømannen)
8. Leopard (Panserhjerte)
Heike
Ullstein Verlag 2010, Übersetzung: Günther Frauenlob und Maike Dörris, Hardcover 21,95 €, 698 Seiten, ISBN: 978-3550087745
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“Alias XX” von Joel Ross
30.1.2010 von Patrick.
Wir schreiben das Jahr 1941. Deutschlands Streitmächte überrollen unaufhaltsam den Kontinent. Der Osten bröckelt, der Norden kapituliert, der Westen kämpft ums Überleben. Der Sieg Hitlers rückt stetig näher. Seine Stärke wird intensiviert durch den Dreimächtepakt, zusammen mit Italien und Japan, während die USA beharrlich an ihrer Neutralität festhält. Doch hätte der Angriff der Japaner auf Pearl Harbour niemals stattgefunden, wäre die USA jemals bereit gewesen, das Leben ihrer Männer an der Seite der Alliierten für Briten, Juden und Kommunisten aufs Spiel zu setzen?
Nach dem misslungenen Einsatz in Kreta im Mai 1941 wird Sergeant Tom Wall, Freiwilliger der kanadischen Armee, schwer verletzt in ein britisches Armeekrankenhaus eingeliefert. Im Dezember desselben Jahres, traumatisiert und durcheinander, setzt er sich von dort ab, um sich bei seinem Bruder Earl zu rächen, beschuldigt er ihn doch des Verrats an seine Einheit. Dieser jedoch ist vor einigen Tagen spurlos verschwunden.
Schlaflosigkeit und Schmerzen lassen Tom durch die zerbombten Straßen Londons umherirren auf der Suche nach Hinweisen und landet dabei in die Fänge des MI-6. Diese haben die geheime Organisation „Double Cross“ – die auch im englischen Buchtitel auftaucht – ins Leben gerufen, deren Zweck es ist, deutsche Agenten „umzudrehen“, sie für sich arbeiten zu lassen und somit gefälschte Informationen nach Deutschland zu versenden. Dieses Lügengerüst scheint nun in sich zusammenzubrechen. Der geheimnisvolle und teuflische Sondegger, ein deutscher Agent, dessen Mission es ist, das deutsche Spionagenetz auf britischem Boden zu überprüfen, befindet sich in Gewahrsam des MI-6 und soll den Aufenthaltsort seines Komplizen „Abendammer“ herausrücken. Tom soll dabei als Mittelsmann fungieren und verstrickt sich allmählich in einem Netz aus Lüge, Täuschung und Manipulation. Etliche Personen scheinen ein doppeltes Spiel zu führen und blenden dabei nicht bloß Tom Wall – auch der Leser wird in die Irre geführt!
Überaus authentisch lässt Ross seine fiktiven Figuren über die reale Bühne jüngster Vergangenheit wandeln und lässt die Szenerie der letzten Woche vor Japans Angriff auf Pearl Harbour sowie die Ursache des Kriegseintritts der USA in ein neues Licht tauchen.
Joel Ross’ Roman basiert auf das Ergebnis neuester Archivfunde. Herausgekommen ist ein spannender und wendungsreicher Spionagethriller.
„Ihre Abneigung gegen ihre rechte Hand hat etwas Biblisches, Mr. Wall. ‚Wenn dich deine Hand zum Bösen verleitet, dann hau sie ab.’ Verführt ihre Hand sie zum Bösen? Haben Sie Angst davor, was sie tun könnte, bedauern Sie, was sie bereits getan hat? Sie haben in der Liebe versagt, Mr. Wall. Sie haben im Krieg versagt. Sie sind ein vielschichtiger Mensch, aber nichts davon ist ganz. Sie straucheln, Sie fallen, Sie versagen …“
Droemer/Knaur, gebunden 2005, 445 Seiten, 19,90€, ISBN: 978-3426197028
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“Ein schöner Ort zu sterben” von Malla Nunn
26.1.2010 von Krümel.
Anfang der 1950 er in Südafrika: der kapholländische Police Captain Pretorius wird erschossen aufgefunden.
An den Ermittlungen sind bald nicht mehr nur Detective Sergeant Emmanuel Cooper beteiligt, sondern auch die Security Branch, die eher nach Kommunisten sucht, wie an der ernsthaften Ermittlung des Täters interessiert ist.
Was sich anhört und liest wie ein Krimi ist unterm Strich kein Krimi, sondern eher ein südafrikanisches Sittenbild.
Daher ist Nunns Roman auch weniger spannend als vielmehr interessant.
Auf den ersten 50 Seiten und den letzten ca. 150 Seiten geht es um den Mord und dessen Aufklärung; hier werden auch alle Fortschritte gemacht, die den Mord betreffen.
Die Ermittlungen sind zwar auch Thema der Seiten, die zwischen Anfang und Ende stehen, allerdings beschreibt Nunn auf diesen die Situation Südafrikas: wie streng zwischen schwarzen, farbigen und weißen unterschieden wird, wie es ihnen verboten ist miteinander zu verkehren, wie der Weiße immer noch denkt, er sei dem Schwarzen überlegen.
Hier hält der Mord an Captain Pretorius lediglich die Handlung zusammen und gibt ihr einen roten Faden. Der Mord ist somit eher eine Rahmenhandlung, die das Herzstück – die Analyse Südafrikas – umfasst. Das würde auch erklären, wieso die Handlung, die den Mord betrifft, erst wieder auf den letzten Seiten Schwung bekommt und davor eher auf der Stelle tritt.
Die Auflösung des Mordes wiederum ist überraschend, aber dennoch logisch und fügt sich somit wunderbar in die Geschichte ein. Die Auflösung konnte mich zusätzlich positiv überraschen, da bis zum Schluss keine Beweise oder Hinweise auftauchten, die den Täter verraten konnten. Für mich war dies daher sehr angenehm, da ich oft die Erfahrung gemacht habe, dass man bei Krimis – wenn man genau hin schaut – oft sehr schnell weiß, wer der Täter ist.
Die Charaktere sind der Autorin wunderbar gelungen: jeder Charakter übernimmt eine bestimmte Aufgabe im Roman und in der dargestellten Gesellschaft. Dabei droht aber keine Figur zu überzeichnet, unglaubwürdig oder klischeehaft zu wirken. Jede einzelne ist glaubwürdig.
Geärgert haben mich indessen leider häufige Rechtschreibfehler, die sich allerdings fast ausschließlich auf die Groß- und Kleinschreibung beschränken. Auffällig ist dabei, dass sie vor allem gebündelt auftreten und bis zu den nächsten dann wieder etliche Seiten dazwischen liegen.
Viele Bücher die in Südafrika spielen und die ich bis jetzt gelesen habe, konnte mir oft nur ein „nett“ entlocken, da die Handlungen oftmals so alltäglich war, dass Südafrika nicht zum tragen kam.
In Malla Nunns Debut Ein schöner Ort zu sterben ist aber genau das Gegenteil der Fall: Afrika lebt! Und mit dem Land seine Bewohner.
Malla Nunn hat es geschafft mir in ihrem Roman das Land näher zubringen und ich hoffe, dass auch ihr nächster Roman in Afrika spielen wird!
Rebecca
Rütten & Loening Verlag 2009, Übersetzung: Armin Gontermann, Hardcover 19,95 €, 407 Seiten, ISBN: 978-3352007712
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“Cheng. Sein erster Fall” von Heinrich Steinfest
15.11.2009 von Patrick.
Für Markus Cheng, Wiener Privatdetektiv mit chinesischer Abstammung, läuft es beruflich schlecht. Da Wirtschaftdelikte aller Art das klassische Verbrechen nahezu verdrängt haben, und das Herumschnüffeln in andrer Leute Privatangelegenheiten nun mal nicht sein Fall ist, gibt es für ihn wenig zu tun. Gerade ist ihm auch noch sein letzter Auftrag entzogen worden, als sich ein flüchtiger Bekannter mit einem ungewöhnlichen Problem an ihn wendet. Der aus Australien stammende Wissenschaftler Ranulph Field wird von einer unbekannten Frau bedroht, die ihn sogar bis in seine Wohnung verfolgt und dort einen Zettel mit der rätselhaften Botschaft „Remember St. Kilda“ hinterlassen hat. Vermutlich ist sie auch Urheberin des nicht gerade Karriere fördernden Gerüchts von einer angeblichen Affäre Fields mit der Frau seines Chefs. Das Gerücht kann Cheng aus der Welt schaffen, in der Sache mit „St. Kilda“ kommt er nicht weiter. Sechs Monate später wird Fields Leiche gefunden. In dem Einschussloch zwischen seinen Augen steckt ein Zettel mit dem Satz „Forget St. Kilda“. Er ist das erste Opfer einer Mordserie, bei der die Täterin jedes Mal die gleiche mysteriöse Botschaft zurücklässt. Ohne es zu wollen, wird Cheng in aberwitzige Geschehnisse verwickelt, bei denen er reichlich Federn lassen muss. Aber erst durch einen Zufall kommt er dem Rätsel auf die Spur. Am Ende landet der mittlerweile zum Invaliden gewordene Cheng absurderweise dort, wo er nie hinwollte: in China. Und erlebt noch einmal eine Überraschung…
Obwohl das Buch alle Merkmale eines klassischen Kriminalromans aufweist, ist der Mordfall hier nur Nebensache. Die Handlung mäandert munter vor sich hin, das Verbrechen wirkt stark konstruiert, die Wendung am Ende bleibt rätselhaft. Im Mittelpunkt steht der bekennende Loser Markus Cheng, der von einem Unglück ins andere gerät und dabei subversive Betrachtungen über die menschliche Natur im Allgemeinen und die österreichische im Besonderen anstellt. Steinfest ist nichts heilig, schon gar nicht die gehobene Wiener Gesellschaft. Er lässt keinen Zweifel daran, wo die wahren Schurken zu finden sind, zieht mit rabenschwarzem Humor und viel Sarkasmus über Seilschaften, Korruption und Geldgier her und nimmt die undurchsichtigen Machtstrukturen und die Doppelmoral der feineren Kreise aufs Korn. Das geht nicht ohne Klischees ab, ist aber so skurril und witzig gemacht, dass es eine Freude ist. Steinfests weitschweifige und detailverliebte, aber immer genau beobachtende Sprache ist voller bizarrer Einfälle, herrlich zugespitzter Formulierungen und stimmungsvoller Szenen. Der „modernen Unart ständigen Relativierens“ setzt er bewusst Parteilichkeit entgegen und erklärt mal mit hinterhältiger Ironie, mal mit blankem Zynismus, mitunter sogar mit drastischer Bösartigkeit, warum Flugzeugabstürze im Grunde eine Quelle des Glücks sind, der österreichische Rassismus nur eine andere Form der Selbstverachtung darstellt und in einem Mord nicht weiter ermittelt werden sollte, wenn ohne den Verblichenen die Zufriedenheit der Hinterbliebenen deutlich größer ist. Der Roman liefert keine atemlose Spannung, dafür aber bissige, intelligente und vor allem amüsante Unterhaltung, ist also auch für Krimihasser bestens geeignet.
Monika
Piper, broschiert 2009, 263 Seiten, 7,95€ ISBN: 978-3492248747
Geschrieben in Monika, Krimi/Thriller | Keine Kommentare »
“Angstspiel” von Jonathan Nasaw
29.6.2009 von Krümel.
Simon Childs ist ein Mann in den Fünfzigern, gut aussehend, wohlhabend – und ein Serienkiller. Er hat es auf Menschen mit ausgeprägten Phobien abgesehen, die er in seinem schalldichten Keller genüsslich zu Tode quält, indem er sie mit dem Gegenstand ihrer Ängste konfrontiert. Als nächstes Opfer hat er die unter einer Maskenphobie leidende Malerin Dorie auserkoren, die er vor Monaten bei einem Phobikerkongress kennen gelernt hatte. Doch Dorie ist inzwischen aufgefallen, dass mehrere der damaligen Teilnehmer durch bizarre Selbstmorde ums Leben gekommen oder auf mysteriöse Weise spurlos verschwunden sind. Die Polizei hält das für reinen Zufall, nur der kurz vor seiner Pensionierung stehende FBI-Agent Pender und seine neue, an Multiple Sklerose erkrankte Kollegin Linda Abruzzi schenken ihr Glauben. Sie ermitteln ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten und kommen dabei Simon Childs empfindlich in die Quere. Er beschließt, Rache zu nehmen und weiß auch schon, wie. Denn schließlich hat jeder vor etwas Angst, man muss nur herausfinden, wovor…
Schade! Einen reichen psychopathischen Killer die „fette Ratte Langweile“ dadurch bekämpfen zu lassen, dass er Phobiker auf raffinierte Weise mit Hilfe ihrer Phobien ermordet, ist eine schöne und viel versprechende Idee. Leider hat der Autor nichts aus ihr gemacht. Kommt am Anfang und am Ende des Buches noch so etwas wie Spannung auf, plätschern die über 200 Seiten dazwischen müde dahin. Dabei hätte es ein aufregendes Katz- und Mausspiel zwischen dem Mörder und seinen Verfolgern werden können. Denn während Simon Child Informationen über Pender sammelt und ihm immer näher kommt, ziehen die Ermittler ihrerseits den Kreis um ihn enger und enger. Aber Nasaw bringt einfach keine Dramatik in die Handlung. Der Killer ermordet unterwegs zwar Diesen und Jenen, aber nicht mit Schmackes, sondern eher nebenbei und zum Teil auch recht unmotiviert. Ein Serienkiller, der nicht mit Liebe bei der Sache ist, macht einfach keinen Spaß. Der Verlauf der Geschichte ist ziemlich vorhersehbar, der Showdown am Schluss geht sehr schnell über die Bühne. Ein lieblos herunter geschriebener Krimi mit seltsam emotionslosen Figuren, die auch beim Leser kein Mitgefühl aufkommen lassen. Ich gebe dem Buch 2 bis 3 Sterne von 5, aber auch nur, weil der etwas ungeschlachte Special-Agent Pender mit seinem derben Witz mich entfernt an meinen Liebling Dalziel aus den Reginald Hill-Krimis erinnert.
Wenigstens lässt sich aus dem Buch eine wichtige medizinische Erkenntnis gewinnen: Man wird offenbar schlagartig von seiner Phobie geheilt, wenn man einem Serienkiller in die Hände fällt. Fragt sich nur, ob die Krankenkassen das als Therapie akzeptieren.
Monika
Heyne Verlag, 2006, Übersetzung: Sepp Leeb, Taschenbuch 8,95 €, 450 Seiten, ISB: 978-3453432017
Geschrieben in Monika, Krimi/Thriller | 1 Kommentar »
“Schneemann” von Jo Nesbø
24.2.2009 von Krümel.
Harry Hole ist ein erfahrener Osloer Polizist mit seinen kleinen Eigenheiten. In seinem 7. Fall jagt er einen äußerst brutalen Serienmörder, der es auf auf junge Frauen mit Kindern abgesehen hat. Vier tötet er auf bestialische Weise. Als Markenzeichen hinterlässt er einen Schneemann in den Gärten der Opfer. Nach und nach wird klar, dass die Morde direkt mit den Kindern im Zusammenhang stehen müssen. Aber Holt ist bei diesem Fall auch persönlich involviert, der Täter hat seine Geliebte im Visier.
Dies war der erste Roman, den ich von Jo Nesbø gelesen haben. Dass es bereits der 7. Fall des Ermittlers Harry Hole war, beeinträchtigte mein Lesevergnügen keineswegs. Auch bei der Person des Ermittlers wurden keine Kenntnisse vorausgesetzt, sondern Informationen über dessen Vergangenheit geschickt mit der Handlung verbunden. Der Autor hat einen fantastischen Spannungsbogen hergestellt und gehalten. Die Taten waren realistisch beschrieben und forderten vom Leser schon eine gewisse Härte. Die Idee des Krimis war komplex, gut ausgefeilt und sorgte für einige Überraschungen. Bereits in der ersten Hälfte des Buches hatte ich einen Verdacht, wer der Schneemann sein könnte. Aber im Verlauf der Handlung kam mir diese so abstrus vor, dass ich sie verwarf – nur, um am Ende festzustellen, so falsch lag ich nicht. Genau das machte diesen Krimi aus. Unverhoffte Wendungen, die nicht an den Haaren herbeigezogen waren, sondern vom Autor logisch gefügt wurden. Die Sprache war so wie ich sie mir für einen Kriminalroman wünsche, leicht und flüssig zu lesen, schnörkellos, nichts soll den Lesefluss hemmen. Einzig kritikwürdig empfand ich das Ende, das war mir – wie bei vielen anderen Büchern dieses Genres – zu actionlastig. Hatte da der Autor vielleicht ein eventuelles Drehbuch im Hinterkopf?
„Schneemann“ ist ein sehr spannender Kriminalroman, der Lust auf seine Vorgänger gemacht hat. Für Krimileser ist er ein absoluter Buchtipp. Für mich war es nicht der letzte Nesbø.
Über den Autor (Quelle: Amazon.de)
Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Der erfolgreichste Autor Norwegens ist längst auch international ein Bestsellerautor, seine Romane um Kommissar Harry Hole werden in dreißig Sprachen übersetzt. Schneemann wurde - wie schon Nesbøs Debüt Der Fledermausmann - in der Kategorie “Bester Kriminalroman des Jahres” mit dem “Buchhändler-Preis” (Bokhandlerprisen) ausgezeichnet sowie mit dem “Buchclub-Leserpreis” (Bokklubben Nye Bøkers leserpris) als “Bester Roman des Jahres”. Jo Nesbø lebt in Oslo.
Zur Reihe um den Ermittler Harry Hole gehören:
1. Der Fledermausmann (Flaggermusmannen)
2. Kakerlaken (Kakerlakkene)
3. Rotkehlchen (Rødstrupe)
4. Die Fährte (Sorgenfri)
5. Das fünfte Zeichen (Marekors)
6. Der Erlöser (Frelseren)
7. Schneemann (Snømannen)
Heike
Ullstein Verlag 2008, Übersetzung: Günther Frauenlob, Hardcover 19,90 €, 512 Seiten, ISBN: 978-3550087578
Geschrieben in Krimi/Thriller, Heike | Keine Kommentare »
“Die Fäden der Marionette” von Matthias Ramtke
29.7.2008 von Krümel.
Ein wenig skeptisch geht man schon an dieses Buch heran wenn man liest, dass der Autor im Jahre 1990 geboren wurde, mithin erst junge achtzehn Jahre alt ist. Kann man von so einem jungen Menschen wirklich ein vernünftig geschriebenes Buch erwarten?
Der Autor Matthias Ramtke wurde in Lichtenstein in Sachsen geboren und wohnt mit seiner Familie in Hermsdorf am Sachsenring. Seit 2001 besucht er das Lessing-Gymnasium in Hohenstein-Ernstthal.
Um das Fazit gleich einmal vorweg zu nehmen: Matthias Ramtke hat mich wirklich gut unterhalten. Sehr angenehme, spannende Unterhaltung für einen entspannenden Sommernachmittag auf der Liege im Garten oder auf dem Balkon.
Was verrät uns nun der Klappentext über dieses Buch?
„Als die Frau des Schriftstellers Ben Hopkins bei einem Unfall ums Leben kommt, hat zunächst niemanden, an den er sich wenden kann. Er wird zum Einzelgänger, bekommt Halluzinationen und schließlich sogar eine Schaffenskrise, in der er keine Zeile aufs Papier bringt. In seiner Not beschließt er, sich in seinem Bungalow im Spreewald zurückzuziehen, doch es häufen sich unheimliche Vorkommnisse. Fast sieht es so aus, als würden Bens Handlungen von jemand anderem gesteuert….“
Da ist ein junger Mann der ein wirklich sehr unterhaltendes Buch geschrieben hat, der über eine geradezu übersprudelnde Phantasie verfügt. Matthias Ramtke schreibt flüssig, manchmal vielleicht ein klein wenig zu blumig und nur an ganz wenigen Stellen holpert es ein wenig, aber das was man vielleicht aussetzen könnte, sind lediglich Marginalien, die den sehr positiven Gesamteindruck nicht beeinträchtigen.
Wieder einmal wird ein Klappentext einem Buch leider nicht völlig gerecht. Nichts weist auf den Facettenreichtum des Buches hin und ein wenig mehr Information über die Handlung wäre sicher nicht schlecht gewesen. Es ist eine neue Form des „Jekyll und Hyde Themas“, dem wir übrigens auch bereits in Stephen King’s „Dark Half“ begegnen, das aber von Matthias Ramtke ganz anders, als bei Stevenson und King, und aus einer anderen Sicht heraus bearbeitet und beleuchtet wird. Das ist das Besondere an diesem Buch. Ein Thema wird behandelt, das auch bereits von anderen Schriftstellern beschrieben wurde, aber statt abzukupfern fügt Matthias Ramtke eine ganz neue Variante hinzu. Das gilt es lobend festzuhalten.
Die anfängliche Skepsis war schnell verflogen und ich wurde für einige Stunden wirklich sehr angenehm unterhalten. Mal schauen was wir in der Zukunft von diesem jungen Autoren zu lesen bekommen. Ich bin gespannt.
Jan
edition fischer Verlag, 2008, TB 15,80 €, 296 Seiten, ISBN: 978-3899503579
Geschrieben in Krimi/Thriller, Jan | Keine Kommentare »

