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“Herr aller Dinge” von Andreas Eschbach
22.5.2012 von Krümel.
Bereits als 10-jähriger lernt Hiroshi Kato Charlotte Malroux kennen. Er ist der Sohn der Wäscherin der französischen Botschaft in Japan und lebt in sehr einfachen Verhältnissen. Sein Vater ist ein US-Amerikaner, weder Hiroshi noch seine Mutter haben Kontakt zu ihm, sie wissen nicht einmal, ob er noch am Leben ist. Charlotte lebt als Tochter des französischen Botschafters dagegen mit allen nur denkbaren Annehmlichkeiten. Trotz der großen Unterschiede in den Lebensverhältnissen und dem Widerstand der Eltern freunden sich beide an. Aber Hiroshi hat eine Vision, könnte er diese verwirklichen, wäre die Armut von der Erde verbannt. Sie lässt ihn nicht mehr los und von nun an arbeitet er ehrgeizig an der Realisierung seines Traums. Jahre später trifft er Charlotte wieder, vor allem ihr möchte er beweisen, dass sein Traum Wirklichkeit werden kann.
Der Roman beginnt mit der Kindheitsgeschichte von Hiroshi und Charlotte. Die Handlung plätscherte gemächlich dahin, gut zu lesen, ein Roman eben, der recht unterhaltsam ist. Andreas Eschbach ließ dem Leser viel Zeit, sich in der Welt seiner Protagonisten zurechtzufinden und ihnen zu nähern. Die Figuren und das Leben, dass sie führen, erscheinen realistisch und leicht nachzuvollziehen. Die Charaktere sind vielfältig, nicht unbedingte Sympathieträger oder Gutmenschen. Sie haben erkennbare Vorzüge und Schwächen. Hiroshi ist ein Einzelgänger und Charlotte findet ihren Platz im Leben nicht. Hiroshi wächst heran, beginnt dann irgendwann sein Studium und die ganze Geschichte erschien mir eigenartig einfach, ohne den Eschbach eigenen, besonderen Kick. Aber nach gut 300 Seiten kommt deutlich mehr Spannung in das Geschehen, spürbar verlagert der Autor den Schwerpunkt auf die Vision Hiroshis, die Armut zu besiegen. Damit führt er eine Vielzahl von Themen ein, die zu besprechen einerseits zu weit gehen würde und andererseits zu viel vorweg nehmen würde. Gleichzeitig löst sich Eschbach auf diese Weise vom Stil seiner bisherigen Bücher. Als Leser wird man in dem Sog der Handlung mitgerissen. Man erlebt die Helden als real agierende Wesen in Situationen und Umgebungen, die so kühn erdacht und beschrieben sind, dass sie schon wieder erschreckend deutlich vorstellbar werden. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Roman der schon offensichtlich zukunftsweisend ausgerichtet und mit so vielen wissenschaftlich-technischen Details behaftet ist, je so fesseln würde. „Herr aller Dinge“ ist ein sehr komplexes Werk, bei dem mich besonders die gut durchdachte Themenvielfalt begeistert hat. Keines der Themen stand abstrakt für sich, alle waren miteinander logisch verbunden und wurden schlüssig abgearbeitet. Auch die actionlastigen Szenen passten gut in das Gesamtkonzept des Buches. Vor allem konnte ich endlich von Andreas Eschbach einen Roman lesen, dessen Ende mich wirklich überzeugte, für mich wäre ein anderes undenkbar, allerdings kam das dann auch wieder ein wenig schnell, bedenkt man die vielen Seiten, die der Autor für die Einführung seiner Personen und Ideen nutzte.
Was wie ein Jugendbuch beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem rasanten, anspruchsvollen, genreübergreifenden Roman, wie ich ihn bisher noch nicht gelesen habe. Es ist kein Buch für zwischendurch. Man muss bereit sich auf diesen Roman einzulassen. Für mich war es ein Leseerlebnis der besonderen Art.
Autorenporträt (Quelle: buecher.de)
Andreas Eschbachs schriftstellerische Karriere begann mit einem Umweg: In Stuttgart studierte er Luft- und Raumfahrttechnik, wechselte dann ins EDV-Fach und arbeitete als Geschäftsführer einer IT-Beratungsfirma. Obwohl er schon früh mit dem Schreiben begonnen hatte, erschien sein erster Roman, „Die Haarteppichknüpfer“, erst 1995, als Eschbach bereits 36 Jahre alt war. Dann folgten moderne Klassiker wie „Solarstation“, „Das Jesus-Video“, „Kelwitts Stern“, „Das Marsprojekt“, „Quest“, „Eine Billion Dollar“, „Exponentialdrift“, „Der letzte seiner Art“, „Der Nobelpreis“ oder „Ausgebrannt“. Eschbach wurde mehrfach mit dem „Deutschen Science Fiction Preis“ ausgezeichnet sowie mit dem „Kurd-Laßwitz-Preis“. Auch international ist ihm inzwischen der Durchbruch gelungen, seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind auch in den USA erfolgreich. Eschbach lebt seit 2003 mit seiner Frau in der Bretagne.
Heike
Bastei Lübbe Verlag 2011, Hardcover 22 €, 688 Seiten, ISBN: 978-3785724293
Geschrieben in Krimi/Thriller, Heike | Keine Kommentare »
“Der Schwarm” von Frank Schätzing
1.5.2012 von Krümel.
In Peru und Argentinien verschwanden Fischer auf hoher See. Vor der mittelamerikanischen und australischen Küste sterben Menschen, weil sie in Kontakt mit in Massen auftretenden hochgiftigen Quallen kamen. In Frankreich platzten in einem Sterne-Restaurant Hummer, verbreiteten eine gallertartige Masse, Menschen starben. Gastanker explodierten, ein Forschungsschiff verschwand spurlos. Wale trafen verspätet auf ihren Wanderungen vor der kanadischen Westküste ein. Als sie dann doch endlich ankamen, waren sie aggressiv und griffen Menschen und Schiffe an. Im norwegischen Schelfgebiet vermehrten sich massenhaft Borstenwürmer, die sich von methanabbauenden Bakterien ernährten, die ihrerseits das eisförmige Methanhydrat in großen Mengen abbauten. Dadurch wurde der Kontinentalhang vor Norwegens Küste instabil, kam ins Rutschen und verursachte einen gewaltigen Tsunami, der die Küstenregionen Nordeuropas verwüstete. Der Golfstrom kam zum Erliegen. In der Tiefsee verlegte Glasfaserkabel wurden zerstört, eine Kommunikation zwischen den Kontinenten war nur noch eingeschränkt möglich. Das freigesetzte Methan beschleunigte den Treibhauseffekt. Vor der Ostküste der USA wanderten Krebse mit giftigen Bakterien besetzt an Land. Das Gift gelangte ins Abwasser, giftige Gase stiegen auf und töteten die Menschen in ihren Häusern. Vor den Kanaren droht die instabile Westflanke des Cumbre Vieja durch die methanfressenden Bakterien abzurutschen und einen Megatsunami zu verursachen. Die Menschheit ist in ihrer Existenz bedroht. Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Ländern, unter Federführung der USA, führen einen fieberhaften Kampf gegen die Bedrohung. Immer klarer wird, dass diese im Zusammenhang mit der überall gefundenen gallertartigen Masse, die von den Forschern Yrr genannt wurde, steht. Die Forschung läuft auf Hochtouren.
Die Menschen fliegen ins All, suchen nach intelligentem Leben außerhalb der Erde. Aber wie gut kennen sie den eigenen Planeten? Die Tiefsee ist mehr oder weniger unerforschtes Gebiet. Das nutzt Frank Schätzing in seinem Roman und siedelt eine unbekannte Lebensform mit kollektiver Intelligenz in den Tiefen der Ozeane an. Gekonnt verknüpft er verschiedene Wissenschaftsgebiete wie Meeresbiologie, Zoologie, Ökologie, Vulkanologie und Klimaforschung und erklärt die angerissenen Themen allgemeinverständlich. Außerdem werden philosophische und völkerkundliche Ansätze, religiöse Gedanken und ausführliche Informationen zu technischen Fragen der Ölförderung und der Tiefseeforschung nicht ausgelassen. Auch an Handlungsorten mangelt es in Schätzings „Der Schwarm“ nicht. Trotz der beeindruckenden Themenfülle und Schauplatzvielfalt wird der Leser nicht überfordert. Der Roman ist gut strukturiert, in 5 Teile, einen Prolog und einen Epilog untergliedert. Zwischenüberschriften geben dem Leser Auskunft über den Zeitverlauf und der Ort der Handlung. Ein Kritikpunkt sind die recht eindimensional gestalteten Charaktere, die schon so manch gängigem Klischee entsprechen und sich grob in gut und böse einordnen lassen, das wird durch die abwechslungsreiche Handlung aber gut kompensiert. Denn den Hauptprotagonisten an sich gibt es nicht. Es sind etwa ein Dutzend Personen, davon einige real existierende, die die Handlung maßgeblich vorantreiben. Aus einer umfangreichen Recherche schöpfend, die auch noch in „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ einflossen, schuf Frank Schätzing einen äußerst interessantern und spannungsgeladenen Thriller. Den ersten Teil, in dem die Welt zunächst mit unerklärlichen Erscheinungen konfrontiert wurde, fand ich nahezu genial. Als dann in der zweiten Hälfte der Existenzkampf der Menschheit geschildert wurde, konnte mich der Autor nicht mehr hundertprozentig packen. Da gab es Szenen, die mir zu konstruiert und zu hollywoodlike erschienen und damit einfach nicht ganz meinem Geschmack entsprachen. Das Buch ließ sich gut und flüssig lesen, die wissenschaftlichen Fakten erdrückten die Handlung nicht. Ich empfehle „Der Schwarm“ gern weiter.
Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Frank Schätzing, Jahrgang 1957, lebt gleich mehrere Leben. Als Kreativchef einer Werbeagentur, Musiker und Musikproduzent, begeisterter Hobbykoch und seit Mitte der Neunziger als Schriftsteller. Mit „Der Schwarm“ hat sich Schätzing, selber ausgebildeter Taucher, einen Traum erfüllt, nachdem er die Idee der Geschichte tatsächlich Jahre zuvor geträumt hatte. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln.
Heike
Kiepenheuer & Witsch Verlag 2004, Hardcover 24,95, 1000 Seiten, ISBN: 978-3462033748
Geschrieben in Krimi/Thriller, Heike | 1 Kommentar »
“Ich bin der Herr deiner Angst” von Stephan M. Rother
3.4.2012 von Krümel.
Im Mittelpunkt dieses in Hamburg angesiedelten Thrillers stehen die Ermittler Jörg Albrecht und Hannah Friedrichsen. Sie ermitteln in einer Serie äußerst bizarrer und grausamer Morde. Die ersten beiden Opfer sind Kollegen, Das dritte Opfer ist eine bekannte TV-Moderatorin, die für einen Privatsender als Berichterstatterin immer in erster Reihe stand. Die Ermittler stehen unter Druck, denn die Fälle haben die Öffentlichkeit wach gerüttelt, gab es doch zu Beginn von Jörg Albrechts Polizeikarriere ähnlich gelagerte Serienmorde. Der damalige Täter sitzt jedoch inzwischen in der Psychiatrie.
Der in 12 Kapitel gegliederte Thriller wird von einem Vorspiel eingeleitet, von mehreren Zwischenspielen unterbrochen und endet mit einem Nachspiel. Die Haupthandlung wird aus der Sicht der beiden Ermittler geschildert, dabei ist Hannah Friedrichsen die Ich-Erzählerin und die Sichtweise ihres Vorgesetzten, Jörg Albrecht, wird dem Leser in der dritten Person erzählt. Diese beiden Erzählperspektiven tun dem Roman sehr gut, der Blickwickel des Lesers wird dadurch scheinbar größer und der Einblick in die Ermittlertätigkeit lässt die Protagonisten in ihrem Tun überzeugender wirken. Auch wenn beide Ermittler nicht meine Sympathie erlangten, Albrecht kehrte für meine Begriffe zu oft den Bildungsbürger heraus, Friedrichsens Affäre mit dem Staranwalt war völlig unnötig, führten sie mich doch gekonnt zur Aufklärung dieser eigenwilligen Mordserie, bei der sich die Angst der Opfer immer in ihrem Tod widerspiegelte. Der Spannungsbogen wird von Beginn an ziemlich konstant gehalten. Sprachlich ist der Roman sehr ansprechend und flüssig zu lesen. Die Aufklärung der Morde ist intelligent konstruiert, wobei mir besonders die psychologische Komponente sehr gut gefiel.
Thrillerleser, die ihre Lektüre abseits der bluttriefenden Massenware suchen und ihr Augenmerk eher auf das Subtile richten, werden mit „Ich bin der Herr deiner Angst“ sicher angenehme, spannende und unterhaltsame Lesestunden verbringen können.
Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Stephan M. Rother wurde 1968 im niedersächsischen Wittingen geboren, ist studierter Historiker und war fünfzehn Jahre lang als Kabarettist unterwegs. Seit einem Jahrzehnt veröffentlicht er erfolgreich Romane, darüber hinaus ist er als Übersetzer tätig. Stephan M. Rother ist verheiratet und lebt in einem verwinkelten Haus voller Bücher und Katzen am Rande der Lüneburger Heide.
Heike
rororo Verlag 2012, Taschenbuch 9,99 €, 576 Seiten, ISBN: 978-3499258695
Geschrieben in Krimi/Thriller, Heike | Keine Kommentare »
“Torso” von Wolfram Fleischhauer
3.1.2012 von Krümel.
In einem Abrisshaus im Osten von Berlin findet die Polizei einen grausig mit Tierteilen dekorierten zur Schau gestellten Frauentorso. Hauptkommissar Zollanger hat so etwas in seiner langjährigen Laufbahn als Kripo-Beamter, sowohl in der ehemaligen DDR als auch im vereinten Deutschland, noch nicht gesehen. Während er mitten in den Ermittlungen steckt, kämpft Elin Hilger darum, die Ermittlungen um den als Selbstmord abgetanen Tod ihres Bruders Eric, er war IT-Spezialist, wieder aufrollen zu lassen. Dazu braucht sie Zellangers Unterstützung, er war mit diesem Fall betraut. Gleichzeitig verschwindet die Bankierstochter Inga Zieten, deren Vater unter allen Umständen die Polizei aus den Ermittlungen heraushalten will.
Wolfram Fleischhauers Genre-Palette ist weit gefächert. Mit „Torso“ gab er sein Debüt als Thriller-Autor. Mit viel Thrill begann er auch die Handlung, die um das Jahr 2002 in Berlin angesiedelt ist. Die Beschreibung des makaber in Szene gesetzten Torsos ist sicher nichts für Zartbesaitete und Leser mit schwachen Nerven, sie ist ungeschönt, grauenhaft und dabei sehr gut vorstellbar. Dann baut er um die drei Handlungsstränge eine intelligent konstruierte, vielschichtige und gleichzeitig komplexe Geschichte auf. So werden Machenschaften in der Finanzwelt, Korruption, organisiertes Verbrechen, Stasivergangenheit thematisiert, ohne den Thriller damit zu überladen. Im Mittelpunkt von „Torso“ steht nicht wie üblich die Ermittlungsarbeit der Polizei, sie wird zwar nie aus dem Auge verloren, es geht aber um mehr, es geht um Moral, Ethik und Verantwortung. So ist auch die auf den ersten Blick recht skurril erscheinende Elin Hilger für diesen Roman in ihrer Andersartigkeit ein Glücksgriff. Weitgehende Konsumverweigerung steht konträr zu der Skrupellosigkeit und der maßlosen Gier der Banker. Auch an anderen Stellen kommt Fleischhauer in seinem Thriller – ungewohnt für dieses Genre, aber deshalb um so bemerkenswerter – ins Philosophieren. Die Charakterisierung der Personen fand ich sehr gelungen. Alle wirkten in ihrem Auftreten ehrlich, echt und glaubwürdig, wenn auch mitunter kauzig, sonderbar und bizarr. Ein wenig vermisst habe ich diesem Thriller den von mir so geschätzten ausgefeilten Sprachstil des Autors, das ist aber wohl eher dem Genre anzulasten als der Schreibkunst Wolfram Fleischhauers. Mich hat dieser Thriller, einschließlich des Nachwortes, sehr gut unterhalten. Lediglich das Ende fand ich etwas zu konstruiert und auch etwas zu schnell herbeigeführt. Nicht alle Fragen wurden direkt geklärt, aber da sei es der Fantasie des Lesers überlassen, die eigenen Schlüsse zu ziehen.
Über den Autor (Quelle amazon.de)
Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, ist einer der wenigen deutschen Autoren, denen es gelingt, Anspruch und Spannung für ein großes Publikum zu verbinden. Nach vier Romanen über die Künste (”Die Purpurlinie”, “Die Frau mit den Regenhänden”, “Drei Minuten mit der Wirklichkeit”, “Das Buch, in dem die Welt verschwand”), dem Familienroman “Die Inderin” und dem Universitätsroman “Der gestohlene Abend” ist “Torso” sein erster literarischer Thriller. Mehr Informationen zum Autor unter: http://www.wolfram-fleischhauer.de
Heike
Droemer Verlag 2011, Hardcover 19,99 €, 432 Seiten, ISBN: 978-3426198537
Geschrieben in Krimi/Thriller, Heike | 1 Kommentar »
“Der Blütenstaubmörder” von Markus Ridder
16.8.2011 von Krümel.
Zwei Frauen werden ermordet. Zuerst trifft es die Künstlerin Lisa Huber und dann ist Helen Bachmann das nächste Opfer. Die Frauen werden entführt und nach einigen Tagen werden sie dann tot aufgefunden. Was mag dahinter stecken?
Die Polizei ermittelt fieberhaft, kommt aber nicht recht weiter. Hauptkommissar Heiko Plossila und sein Kollege Dollerschell tappen im Dunkel. Auch ihre neue Kollegin Jenny Biber kann nicht sehr viel zur Klärung des Falles beitragen. Noch neu im Geschäft wird sie eh von ihren beiden männlichen Kollegen nicht für voll genommen.
Wo ist die Verbindung zwischen den beiden Morden? Eine Gemeinsamkeit gibt es und die trägt den Namen Konrad Kister. Ein Krimischriftsteller der sich in aller Ruhe seinem nächsten Buch widmen möchte und sich dazu in der Pension zum „Alten Hasen“ einquartiert. Außerdem braucht er Abstand von seiner gescheiterten Beziehung zu Lisa Huber. Helen Bachmann lernt er als Teilnehmerin seines Kurses über „Kreatives Schreiben“ kennen. Die attraktive Frau ist sehr von Krister angetan und macht ihm klare Avancen.
Als Jenny Biber merkt, dass die Ermittlungen auf der Stelle treten meldet sie sich in Kristers Kurs an und schnell kommen sich die beiden näher. Doch dann verschwindet auch Jenny Biber. Niemand hatte sie etwas von ihren eigenmächtigen Ermittlungen erzählt und Plossila und Dollerschell sind in großer Sorge um die Kollegin. Wird sie das dritte Opfer des Blütenstaubmörders werden? Ist Krister etwa der gesuchte Blütenstaubmörder? Ein Mörder der seine Opfer immer mit einem ganz bestimmten Blütenstaub bestäubt.
Markus Ridder hat einen lesenswerten Krimi geschrieben, einen Krimi der sich hinter seinen deutschen „Buch-Kollegen“ nicht zu verstecken braucht. Zwar mag dem Leser das eine oder andere Klischee bekannt vorkommen, beispielsweise der Person des Hauptkommissars Plossila scheint man schon das eine oder andere Mal begegnet zu sein, geschieden und desillusioniert und immer mit einem leeren Kühlschrank, dazu eigenbrötlerisch und etwas depressiv. Aber das trübt das Lesevergnügen in keiner Weise. Die Handlung ist sehr ordentlich aufgebaut und das Buch liest sich sehr flüssig. Es ist doch immer wieder schön wenn man einen Autor trifft, der nicht wie betrunken durch die deutsche Sprache irrt. Markus Ridder kann ohne Frage schreiben und schafft es, seine Leser spannend zu unterhalten. Nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit.
Der Schluss des Buches ist dem Autor wirklich ordentlich gelungen. Er wirkt nicht wie ein Fremdkörper in der Geschichte sondern passt sehr gut in den Handlungsablauf. Markus Ridder verzichtet hier lobenswerterweise auf irgendwelche peinlich konstruierten Szenen, die den Gesamteindruck trüben könnten. Handlungsablauf einschließlich des Schlusses der Geschichte passen gut zusammen und bilden eine erzählerische Einheit.
Bei der „beamtenrechtlichen“ Recherche hätte man vielleicht etwas sorgfältiger arbeiten können. Der Vater des Hauptkommissars Plossila ist aus Finnland nach Deutschland eingewandert und dann Polizeibeamter geworden. Leider war das damals unmöglich. Beamter konnte nur der werden, der Deutscher war und dessen Eltern ebenfalls die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen. Es gab Ausnahmen, aber die bezogen sich auf Wissenschaftler, die auch als Ausländer Beamte werden konnten, aufgrund herausragender Leistungen. Aber das ist natürlich jetzt nur eine marginale Anmerkung meinerseits.
Ein lesenswerter Krimi und man darf auf weitere Bücher mit dem hier ermittelnden Trio gespannt sein. Dieser Krimi von Markus Ridder ist im Mittelfeld der ersten deutschen Krimiliga anzusiedeln. Wer dieses Buch kauft, tätig keinen Fehlkauf – so viel kann garantiert werden.
Jan
Pendragon Verlag 2011, Taschenbuch 12, 95 €, 368 Seiten, ISBN: 978-3865322555
Geschrieben in Krimi/Thriller, Jan | Keine Kommentare »
“Erebos” von Ursula Poznanski
28.4.2011 von Krümel.
Eigenartiges geschieht an einer Londoner Schule. Schüler kommen nicht mehr zum Unterricht, sie schwänzen das Basketball Training, sind ständig müde, Freundschaften drohen zu zerbrechen. Aber keiner spricht darüber. Hängt das mit der DVD zusammen, die unter der Hand weitergereicht wird? Nick Dunmore geht in die 9. Klasse und möchte unbedingt wissen was ES ist. Als Brynne ihm die DVD unter dem Mantel der Verschwiegenheit gibt, löst sich für ihn das Rätsel und endlich weiß er, es ist ein Spiel. EREBOS. Aber es hat strenge Regeln. Es darf mit keinem darüber gesprochen werden. Es muss allein gespielt werden. Man muss seine Aufgaben erfüllen, sonst ist man raus, endgültig, unwiderruflich. Schnell gerät Nick in den Sog des Spiels, er ist förmlich süchtig danach und schlägt alle Warnungen in den Wind. Aber Spiel und Realität vermischen sich immer mehr, bis Nick eines Tages erkennen muss, Erebos ist alles andere als ein harmloses Computerspiel.
Jugendbücher sind nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Als mir aber von verschiedenen Seiten Erebos empfohlen wurde, ging es mir allmählich wie Nick. Ich wollte es haben, wollte wissen, was es mit dem Buch auf sich hat, warum es meine Bekannten im gestandenen Erwachsenenalter so gefesselt hat. Ich war sehr skeptisch, denn Computerspiele interessieren mich überhaupt nicht. Aber dann war das Buch endlich da, zum Glück an einem Wochenende und ich begann zu lesen. Was dann mit mir geschah, ist der Kunstfertigkeit der Autorin zuzuschreiben. Für 24 Stunden tauchte ich in die Welt von Erebos ein. Ähnlich wie es Nick mit dem Spiel erging, erging es mir mit dem Buch. Schon nach kurzer Zeit war ich im Sog der Handlung, die recht ruhig beginnt, sich aber stetig steigert und ständig zwischen Spiel und Realität wechselt, um später in eine von mir unerwartete Richtung zu gehen. Bildlich sah die Spielebenen vor mir und wie Nick süchtig von Level zu Level hastete, las ich mich von Kapitel zu Kapitel. Für einen ganzen Tag erledigte ich nur die allernotwendigsten Arbeiten und war für meine Mitmenschen sicher eine Zumutung. Von der Spannung her kann dieses Jugendbuch problemlos mit den besten Thrillern mithalten. Die Charaktere der Protagonisten sind lebendig und nicht stereotyp, das Buch liest sich ungemein flüssig. Die Autorin hat es geschafft, mich in eine für mich unbekannte Welt zu locken, in der ich neben einem Computerspiel, das scheinbar mitdenken kann, auch noch Werwölfe, Vampire, Dunkelelfen und Trolle kennen lernte. Diese phantasievoll ausgestattete Welt hat mich gleichermaßen fasziniert und schockiert. Als besonderes Bonbon gibt es nicht nur durch den Titel kleine Fingerzeige hin zur griechischen Mythologie. Alles in allem legt Ursula Poznanski mit diesem Jugendbuch eine schlüssige, ausgezeichnet facettierte und vor allem authentisch wirkende Geschichte von ungeheurer Sogkraft vor, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt, trotzdem pädagogisch wirkt und sicher auch den einen oder anderen Wenig-Leser begeistern kann.
„Erebos“ ist eine fantastisch erzählte und äußerst spannende Geschichte für junge und jung gebliebene Leser. Die Altersangabe 12-13 Jahre, kann man ganz getrost mit dem Vorsatz „ab“ versehen. Es hat mich lange kein Buch mehr in einen solche Leserausch versetzt wie dieses.
Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie ist als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Ihre Bücher zeichnen sich durch sprühenden Witz und Ideenreichtum aus.
Heike
Loewe Verlag 2010, Taschenbuch 14,90 €, 485 Seiten, ISBN: 978-3785569573
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“Headhunter” von Jo Nesbø
26.11.2010 von Krümel.
Als Headhunter ist Roger Brown eine Berühmtheit. Seine Kunden vertrauen ihm blind. Seiner Frau finanziert er eine Galerie und sein extravaganter Lebensstil übersteigt seine Einkünfte bei weitem. Lebensart ist für ihn wichtig, er braucht sie, um seine recht geringe Körpergröße zu kompensieren. Geschickt nutzt er die Gespräche mit den Bewerbern, um in Erfahrung zu bringen, ob diese Kunstgegenstände besitzen. Dieses Wissen nutzt er dann für sein „Hobby“ – Kunstraub. Nur durch diesen Nebenverdienst schafft er es, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Als er einem Rubensgemälde auf der Spur ist, laufen die Dinge allerdings nicht so wie geplant.
Jo Nesbø ist für mich ein Synonym für spannende Unterhaltung mit dem Kommissar Harry Hole. In diesem Thriller steht der Täter im Mittelpunkt des Geschehens. Der Leser begleitet den Ich-Erzähler Roger Brown und hat somit einen ganz anderen als den von Nesbø sonst verwendeten Zugang zu dem Geschehen. Da dieser Thriller sich so von den bisherigen des Autors unterscheidet, verbietet sich ein Vergleich mit den Harry-Hole-Fällen von allein. Aber nichts desto trotz ist auch Headhunter ein spannender und rasanter Thriller, den man gern und schnell liest. Unverhoffte Wendungen, ausdrucksvolle Charaktere und versteckte Hinweise auf das wirkliche Geschehen machen den Unterhaltungswert dieses Thrillers aus. Allerdings wirkt die Handlung stellenweise ein wenig unglaubwürdig. Die Headhunter-Szene bildet einen interessanten Hintergrund für diesen Kriminalfall. Die Auflösung des Falles lies mich zwar schmunzeln, irgendwie hatte Nesbø es doch geschafft mich auf die Seite von Brown zu ziehen, trotzdem fand ich sie fast etwas einfallslos.
Mein Fazit: „Headhunter“ ist ein gut zu lesender, aber kein überragender Thriller, der den Leser schnell in den Bann zieht. Mir hat er, bis auf das Ende, recht gut gefallen. Wer spannende Unterhaltung sucht, ist bei diesem Nesbø sicher nicht gänzlich falsch.
Über den Autor
Jo Nesbø, geb. 1960, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er ist der erfolgreichste Autor Norwegens, in 17 Ländern mit seinen Büchern vertreten, darunter die USA und England.
Heike
Ullstein Verlag 2010, Übersetzung: Günther Frauenlob, Broschiert 14,95 €, 301 Seiten, ISBN: 978-3548280455
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“Goldfasan” von Jan Zweyer
12.11.2010 von Krümel.
2. Teil der Reihe um den Kriminalkommissar Peter Goldstein/Golsten
1943 im Ruhrgebiet. Der Kriminalkommissar Peter Goldstein, bekannt aus dem Krimi „Franzosenliebchen“ hat in Anbetracht der Zeiten seinen Nachnamen in Golsten geändert und ist inzwischen Mitglied der NSDAP und der SS. Das alles natürlich nur, weil er Karriere machen will, Kriminalrat zu werden, ist sein ehrgeiziges Ziel.
Der stellvertretende Kreisleiter Walter Munder, aufgrund der Farbe seiner Uniform der Goldfasan genannt, meldet das Verschwinden seiner polnischen Fremdarbeiterin mit zwei Tagen Verspätung. Golsten übernimmt den Fall und stößt bei seinen Ermittlungen schon bald auf Ungereimtheiten und Widersprüche. Die Vermisstensache Maria Slowacki ist alles andere als ein Routinefall.
War mir der Kommissar Peter Goldstein in „Franzosenliebchen“ recht sympathisch, so hegte ich für Peter Golsten deutlich weniger Sympathien. Hat er sich doch zu einem ausgemachten Opportunisten gemausert, der für die Karriere auch bereit ist, Überzeugungen aufzugeben. Mit dieser Figur hat der Autor einen recht häufig in der damaligen Zeit vorkommenden Zeitgenossen in Szene gesetzt. In seiner Familie stößt Peter Golsten mit seinem Handeln nicht auf Gegenliebe, denn sein Schwiegervater ist aktiv im Widerstand tätig, er versteckt einen Juden. Sehr gut hat der Autor gezeigt, wie die Nazibonzen sich gegenseitig aus der Patsche helfen, eine Hand wäscht schließlich die andere und so hat es der eifrige Ermittler, für die Nazigrößen ist er schon zu dienstbeflissen, schwer. Aber er hat auch beschrieben, was geschieht, wenn Parteigenossen unbequem werden.
Auch „Goldfasan“ ist ein sehr gut recherchierter Kriminalroman, der sich leicht und flüssig liest. Die Kriminalhandlung ist wie auch im Vorgängerroman unaufdringlich in die Schilderung der Zeit und des Lebens im Nationalsozialismus in Herne eingebettet. Besonders haben mir die Charaktere gefallen, die Jan Zweyer regelrecht mit Leben erfüllt. Sie haben in meiner Fantasie alle ein Gesicht und ein menschliches Wesen bekommen. Aber Zweyer wertet oder moralisiert nicht. Und so bekommt man als Leser den Eindruck, an einer realen Geschichte teilhaben zu dürfen. Sein Kriminalroman ist einer der ruhigeren Art, ohne wilde Verfolgungsjagden und großes Blutvergießen.
„Goldfasan“ ist die gelungene Fortsetzung der Peter-Golstein-Reihe. Ich freue mich schon auf den hoffentlich bald erscheinenden dritten Teil.
Über den Autor
Jan Zweyer, geboren 1953 in Frankfurt am Main, lebt schon seit vielen Jahren in Herne. Sein halbes Leben war er in unterschiedlichen Funktionen bei verschiedenen Industrieunternehmen beschäftigt, heute ist Zweyer freier Schriftsteller. Nach zahlreichen zeitgenössischen Kriminalromanen und -kurzgeschichten erschien 2007 das erste Buch der geplanten Trilogie um Peter Goldstein, das zur Zeit der Weimarer Republik spielt: Franzosenliebchen. Mit Goldfasan erscheint nun der zweite Band, der sich mit der Nazizeit auseinandersetzt.
Heike
Grafit Verlag 2009, broschiert 11 €, 352 Seiten, ISBN: 978-3894256111
Geschrieben in Krimi/Thriller, Heike | Keine Kommentare »
“Franzosenliebchen” von Jan Zweyer (Teil 1)
31.10.2010 von Krümel.
1923 im Ruhrgebiet. Noch nicht einmal zwei Wochen ist es her als das Ruhrgebiet von französischen Truppen besetzt wurde. Agnes Treppmann hatte ein Anstellung als Dienstmädchen. Erst sehr spät kann sie ihre Arbeitsstelle verlassen. Zu Hause kommt sie nie an. Als man ihre Leiche entdeckt, liegt daneben ein Koppel einer französischen Uniform. Für die deutsche Polizei ist der Fall schnell klar. Aber die Besatzer übernehmen den Fall, umgehend kommt es zum Gerichtsverfahren, in dem die beiden verdächtigen französischen Soldaten freigesprochen werden. In der Berliner Polizeizentrale schenkt man den Untersuchungen kein Vertrauen und schickt den Kriminalkommissar Peter Goldstein ins Ruhrgebiet. Er ist für diesen Auftrag aufgrund seiner Zweisprachigkeit prädestiniert und soll dort verdeckt ermitteln. Das ist ein nicht ungefährlicher Auftrag. Denn nicht nur von Seiten der Besatzer gehen für ihn Gefahren aus.
„Franzosenliebchen“ ist ein Kriminalroman, dessen Handlung in einer Zeit angesiedelt ist, über die man nicht so häufig liest. Dem Roman ist deutlich anzumerken, wie intensiv sich der Autor mit dieser noch relativ jungen Geschichte auseinandergesetzt hat. Überzeugend weiß er vom Widerstand der Bergleute zu berichten, ebenso von der Behandlung der Frauen, die den Besatzern zu freundlich gesinnt waren. So schafft er es, ein authentisch wirkenden Bild der Bergarbeiterkolonie Teutoburgia zu zeichnen. Seine Charaktere sind Menschen, die mit ihren Moral- und Wertvorstellungen wunderbar in das damalige Zeitbild passen. So tritt die kriminalistische Handlung zeitweise zu Gunsten der historischen Handlung in den Hintergrund. Das ist der Geschichte aber keinesfalls abträglich. Der Roman wirkt authentisch und der Spannungsbogen ist fast durchgehend erhalten. Die kleinen Längen innerhalb des Kriminalfalles werden aber durch die Realitätsnähe der Handlung voll kompensiert.
„Franzosenliebchen“ ist der 1. Teil einer auf 3 Teile angelegten Serie um den Kriminalkommissar Peter Goldstein.
Jan Zweyer, geb. 1953 in Frankfurt am Main, lebt schon seit vielen Jahre in Herne. Sein halbes Leben war er in unterschiedlichen Funktionen bei verschiedenen Industrieunternehmen beschäftigt, heute ist er freier Schriftsteller. Nach zahlreichen zeitgenössischen Kriminalromanen erschien 2007 das erste Buch der geplanten Trilogie um Peter Goldstein, das zur Zeit der Weimarer Republik spielt: Franzosenliebchen. Mit Goldfasan erscheint nun der zweite Band, der sich mit der NS-Zeit auseinandersetzt.
Grafit Verlag 2007, Broschiert 11 €, 416 Seiten, ISBN: 978-3894256050
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“Katzengold: Serrano ermittelt” von Christine Anlauff
29.9.2010 von Krümel.
In Potsdam begegnet Komissar Liebermann, als er auf seine Tochter aufpasst, der Journalistin Charlotte Oblinghaus und verliebt sich direkt in sie.
Als er ihr jedoch das nächste Mal begegnet, verläuft dieses Wiedersehen anders als erhofft: die Journalistin lächelt ihn von einer Vermisstenanzeige an…
Zur gleichen Zeit wird Kater Serrano wahnsinnig: seine Aurelia ist verschwunden. Und nicht nur sie, sondern auch andere Katzen verschwinden plötzlich im Viertel…ein Katzenfänger scheint unterwegs zu sein und Serrrano will diesen das Handwerk legen.
Und so geschieht es, dass gleich zwei außergewöhnliche Ermittler Potsdam unsicher machen…
Katzengold ist der Auftakt zu einer Serie rund um das außergewöhnliche Ermittlerpaar Serrano und Liebermann.
Die beiden werden wohl nie enge Freunde, dafür begegnen sie sich mit zu viel Misstrauen, aber sie bringen sich gegenseitig auf die richtigen Fährten…
Die Autorin entführt den Leser in ein Potsdamer Viertel, dass sowas wie eine eigene kleine Welt ist, die den Einflüssen von außen strotzt.
Und in genau diese abgeschottete Welt gerät Komissar Liebermann, der beim Vermisstendezernat arbeitet.
Als ein Verbrechen in genau dieser Welt stattfindet, wühlt er sich durch die Fährten und Spuren und versucht aus allem einen großen Zusammenhang werden zu lassen.
Das Verbrechen selbst ist wirklich spannend und bleibt es auch bis zum Schluß. Zwar gibt es jede Menge hinweise, aber ich wette, dass nur sehr wenige Leser auf die Lösung des Falles kommen. Die Autorin versteht es sehr gut, den Leser mit Hinweisen zu füttern, ohne ihm zu viel zu verraten.
Besonderes Highlight sind die Katzen, allen voran Serrano.
Die Autorin schafft es, sich in die Katzen hineinzuversetzen und diese absolut sympathisch und authentisch wirken zu lassen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Katzen wirklich so denken, wie Serrano.
Schade ist nur, dass die Katzen vor allem zum Schluss hin immer mehr ihre Rolle verlieren und dann letzten Endes sogar ganz aus der Geschichte verschwinden. Dies rechne ich aber dem Umstand an, dass sie nachträglich in der Geschichte ihren Platz bekamen.
Im zweiten Teil, den die Autorin grade schreibt, wird dies wohl anders aussehen.
Katzengold ist ein spannender, charmanter Roman, der dazu zum Lesen und miträtseln einlädt. Eine absolute Empfehlung!
Rebecca
Gustav Kiepenheuer Verlag 2010, Hardcover 14,95€, 408 Seiten, ISBN: 978-3378006973
Geschrieben in Rebecca, Krimi/Thriller | Keine Kommentare »

