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“Die Jesuitin von Lissabon” von Titus Müller

Lissabon im Jahre 1755: Jahrelang war der ehemalige Jesuiten-Schüler Antero auf der Flucht vor seiner Vergangenheit. Er glaubte, ihr nach all den Jahren entkommen zu sein. Doch als er die Stadt wieder betritt, tritt auch die Vergangenheit wieder in sein Leben und er flieht erneut vor dem Jesuiten Gabriel Malagrida. Dieser beherrscht den Orden in Lissabon und war früher Anteros Lehrer.
Während Antero überlegt, wie er wieder aus der Stadt kommt, mehren sich die Anzeichen und schon bald liegt die einst so glorreiche, reiche Handelsstadt Lissabon in Schutt und Asche…

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch den Klappentext und den Titel. Die beide meiner Meinung nach nicht wirklich halten, was sie versprechen.
Der Klappentext lässt vermuten, dass der Schwerpunkt auf einer Liebesgeschichte liegen wird.
Daher war ich sehr überrascht, dass genau dies nicht der Fall war.

Die mögliche Liebesgeschichte spielt nur eine hintergründige Rolle. Denn was der Autor hier dem Leser bietet ist ein Stück lebendige Geschichte.
Mit anschaulichen Worten beschreibt Titus Müller die Katastrophe von 1755, die Lissabon grundlegend veränderte. So beschreibt der Autor anschaulich und lebendig, was alles geschah, als Lissabon dem Erdboden gleich gemacht wurde. Dabei wird alles so genau und anschaulich geschildert, dass man als Leser meint, selbst zu spüren, wie die Erde wackelt und man sieht sich selbst neben den Einwohnern Lissabons durch die Gassen der Stadt rennen.
Nach der Katastrophe spielt der Wiederaufbau der Stadt eine wichtige Rolle.

Doch nicht nur die Schilderung des Erdbebens liegen dem Autor am Herzen. In all den Wirren spielt die Erforschung eben jenen Naturphänomens eine große Rolle. In dem Zusammenhang erfährt man viel über die damals aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Erdbeben.
Dabei spürt man mit jedem Wort die Faszination und Leidenschaft des Autors für dieses Thema. Obwohl er einem mit seinem Wissen versorgt, wirkt er nie belehrend dabei, sondern lädt eher ein, sich auf das Thema einzulassen und ebenfalls dafür zu begeistern.
Dies trifft in gleichem Maß auch auf die Vermittlung der angespannten politischen Situation der Stadt zu. Ohne Zeigefinger zeigt der Autor, welche Rolle die Societas Jesu in Lissabon spielten. Dabei vergisst er nicht in gleichem Maß ihre Verfehlungen wie ihre positiven Errungenschaften zu erwähnen.

All diese historischen Fakten verbindet der Autor gekonnt mit der Fiktion. Und in dieser müssen die Protagonisten Antero und Leonor lernen, mit der neuen Welt zu leben und ihr eigenes zu ordnen und zu verändern. Beide Charaktere sind unglaublich interessant, glaubwürdig und vielschichtig.

Vor allem der Schreibstil des Autors hat mich beeindruckt: Titus Müller hat ein unglaubliches Talent sich in die Gedanken anderer hinein zu versetzen und diese in Worte zu kleiden. Auch seine Beschreibungen sind präzise und bildhaft.
Es gab viele Sätze und Passagen, die ich hätte anstreichen können.

Alles in allem ist Die Jesuitin von Lissabon ein fesselnder und facettenreicher Roman und er wird sicherlich nicht mein letzter von Titus Müller gewesen sein. Ihm ist es mühelos gelungen historische Fakten und Fiktion zu einem Ganzen zusammen zu fügen.

Rebecca

Rütten & Loening Verlag 2010, Hardcover 19,95 €, 453 Seiten, ISBN: 978-3352007828

“Rache. Der verwaiste Thron” von Claudia Kern

Nachdem die Nachtschatten eine Stadt nach der anderen niedergebrannt haben, steht die Welt nun vor den Trümmern.
Die Nachtschatten wollen die Menschen vernichten, während diese versuchen eben jene Geschöpfe in ihre Schranken zu weisen.
In all diesen Wirren ist Ana Somerstorm, rechtmäßige Fürstin Somerstorms, immer noch unterwegs und hofft, ihr Reich zurück erobern zu können.

Rache ist der abschließende Teil der Trilogie Der verwaiste Thron von Claudia Kern.

Die ersten beiden Teile der Trilogie waren für mich nett zu lesen und brachten ein paar Stunden Zerstreuung. Ich fand es vor allem schade, dass die Autorin in den ersten beiden Teile so viel Potenzial verschenkte, denn Idee – und auch gute Ideen – hat Claudia Kern.

Als ich dann Rache begann fürchtete ich fast, auf das selbe Bild zu stoßen: Charaktere, die ihr Potenzial verschenken, eine Handlung, die immer auf der einen Seite nur Andeutungen macht, aber auf der anderen Seite irgendwie nicht voran kommt.
Doch schon auf den ersten 50 Seiten diesen Teils wurde ich überrascht: endlich bekommen die Figuren für mich greifbare Konturen und auch die Handlung ist nicht mehr nur eine Ansammlung von lose nebeneinander herlaufenden Handlungssträngen.
Alles ergibt mit einemal ein großes Ganzes. Und so habe ich gebannt Seite um Seite verschlungen.

Und plötzlich war ich 40 Seiten vor Schluss: der machte mir ein bis dahin wirklich gelungenes Buch ein wenig madig. Zwar ist das Ergebnis am Ende sehr erfreulich, weil es einfach zu der Geschichte passt und diese auch in dem Sinne abrundet. Allerdings erscheinen 40 Seiten für das Ende irgendwie sehr wenig, wenn man bedenkt, dass ich mich vorher durch ca. 1100 Seiten gelesen habe.

Unterm Strich ist Der verwaiste Thron eine Serie, die sowohl ihre Stärken, als auch ihre Schwächen hat. Jedoch macht sie, wenn man sich darauf einlässt, viel Spaß. Rache ist dabei auch meiner Sicht der stärkste Teil der Serie.
Die Autorin hat gezeigt, dass sie sehr kreativ sein kann und auch ist. Daher würde ich mir wünschen, dass von Claudia Kern irgendwann noch mal ein Roman erscheint.

Rebecca

Blanvalet Verlag 2009, Taschenbuch 13 €, 384 Seiten, ISBN: 978-3442244225

“Das Krähenweib” von Corina Bomann

Annalena hat es in ihrem Leben alles andere als leicht und doch sehnt sie sich nur nach einem: ein wenig Glück in ihrem Leben.
Dieses Glück scheint endlich in greifbarer Nähe, als sie den jungen Apothekerlehring Johann Böttger kennenlernt.
Die beiden verlieben sich ineinander. Doch schon bald droht Böttgers zweite Liebe, das Gold, die beiden zu entzweien…

Das Krähenweib war mein erster Roman der Autorin, wird aber garantiert nicht mein letzter bleiben.

Mit Annalena hat Corina Bomann eine sympathische Protagonistin geschaffen, die gegen die Zwänge ihres Standes kämpft und dabei für ihr Glück kämpft. Annalena ist eine interessante Persönlichkeit, die im Verlauf der Geschichte durchaus zu überraschen weiß und den Leser für sich einnimmt.
Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Protagonisten: Johann Böttger. Zwar möchte man ihn zwischendurch mächtig gegen die Wand klatschen, wenn man manchmal auf seine scheinbar bodenlose Naivität trifft, aber er ist dabei so charmant und liebenswert, dass man ihm nie lange böse sein kann.

Die Geschichte selbst ist rasant und hält einige Überraschungen bereit und der flüssige Schreibstil lassen ein Kopfkino entstehen, dass einen für ein paar Stunden vom stressigen Alltag ablenken kann und einen in das Jahr 1701 entführt.
Vor allem gut gelungen ist der Mix auf Fiktion und historischen Fakten, die sich in einanderfügen und ein Ganzes ergeben.

Besonders gelungen ist das Motiv der Krähe. Das Tier ziert nicht nur Buchunterschriften, sondern zieht sich auch als Motiv durch das ganze Buch. Der Vogel ist allgegenwärtig.

Das Krähenweib ist ein spannender, farbenreicher Roman, den ich wirklich nur empfehlen kann!

Rebecca

Knaur Verlag 2010, Hardcover 16,95 €, 523 Seiten, ISBN:  978-3426663158

“Das genähte Herz” von Carole Martinez

Frasquita lebt in einem kleinen, abgeschiedenen andalusischen Dorf. Von ihrer Mutter erhält sie ein Nähkästchen und damit eine unglaubliche Gabe: von nun an näht sie mit leuchtenden Farben und einem ungeheuren Geschick die schönsten Kleider.
Doch die Dorfbewohner sind misstrauisch und gönnen der jungen Frau ihr Talent nicht.
Frasquita verblüht beinah in dem kleinen Dorf, als sie plötzlich beschließt eben jenes zu verlassen…

Fast ein Jahr verharrte Das genähte Herz von Carole Martinez auf meinem Wunschzettel, bevor ich es dieses Jahr endlich in meinem Osterkörbchen liegen hatte.
Und was soll ich sagen? Mir fehlen einfach immer noch die Worte, um dieses Buch adäquat zu beschreiben.

Die Geschichte beginnt mit Soledad. Sie widmet sich einer Aufgabe: die Geschichte ihrer Mutter Frasquita Carascos und den Geschwistern zu erzählen. Und diese beginnt in der Jugend Frasquitas, ihrem Leben bei den Eltern und wie sie zu ihrer Gabe kommt.
Bereits der Einstieg, also der Prolog der sich mit Soledad beschäftigt, fesselt einen regelrecht an das Buch. Die Autorin versteht es, einen honigsüßen Kleber aus Worten auszulegen und man ist sich bereits im Prolog sicher, dass man eine besondere Geschichte in der Hand hält. Der Einstieg in die Geschichte fällt so sehr leicht und man hat sehr schnell einige Seiten gelesen und befindet sich, ehe man es merkt, mitten in der Geschichte.

Die Sprache selbst lässt sich mit der Gabe Frasquitas vergleichen: ebenso geschickt wie überwältigend reiht Martinez die Worte aneinander wie eine Stickerei. Sie ist präzise, kraftvoll, mythisch und poetisch. Jeder einzelne Satz fließt nur so dahin und geht ohne große Brüche in den nächsten über. Das unterstützt natürlich einen angenehmen Lesefluss.
Die Atmosphäre des Romans ist unglaublich dicht: man fühlt beinah die Hitze und Trockenheit Spaniens auf der eigenen Haut, beinah reißen einem selbst die Lippen ein. Man fühlt die Blicke derjenigen auf sich, die noch in einer alten Ordnung gefangen sind und sich gegen alles Neue sperren.

Die Geschichte selbst wimmelt nur so vor Überraschungen. Denn das was die Autorin hier präsentiert ist ein Märchen, in dem es fast an Zauberei grenzende Vorfälle geben kann.
Auffallend sind vor allem die Charaktere: die Autorin schafft es diese so zeichnen, dass sie einem ans Herz wachsen, aber das man sie gleichzeitig mit einer gewissen Distanz betrachtet.

Ich bin restlos begeistert von dem Buch und würde es am liebsten jedem einfach in die Hand drücken, der wirklich gute Literatur lesen will.
Andererseits muss ich eingestehen, dass dieses Buch vielleicht doch ein wenig speziell ist. Man muss sich öffnen für dieses Buch und es an sich heran lassen.

Dennoch hoffe ich, dass es viele Leser finden wird, die ähnlich begeistert sein werden wie ich. Das genähte Herz hat am Thron meines All-Time-Favourites gerüttelt an den lange, lange kein anderes Buch herranreichen konnte und stellt sich jetzt neben Patrick Süskinds „Parfum“ auf den Thron.

Rebecca

Piper Verlag 2009, Übersetzung: Helene Greubel,  Hardcover 22,95 €, 429 Seiten, ISBN: 978-3492052009

“Das Leonardo-Papier” von Susanne Goga

Die Geologie steckt 1821 noch in den Kinderschuhen, als die junge Georgina zwei Truhen mit Steinen und ein Notizbuch von einem gewissen Joshua Hart vermacht bekommt.
In eben jenem Notizbuch findet Georgina eine Seite, die von keinem geringeren als Leonardo da Vinci verfasst wurde. Die junge Frau versucht zusammen mit dem Reiseschriftsteller Justus von Arnau dieser Schrift auf die Spur zu kommen und lernt gleichzeitig vieles über ihre eigene Herkunft…

Das Leonardo-Papier ist mittlerweile der dritte Roman der aus Mönchengladbach stammenden Autorin Susanne Goga.
In diesem entführt sie den Leser in eine Welt, die zwischen der aufstrebenden Wissenschaft und dem christlichen Glauben gefangen ist.
Ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte ist ein Teil von da Vincis Aufzeichnungen, die sich mit dem Alter der Erde, der Sintflut und der Geologie beschäftigt. Dieser fällt der jungen Georgina zu, die über dieses Schriftstück nicht nur an der Wissenschaft teilhaben kann, sondern auch einiges über ihre Eltern, die noch vor ihrer Geburt starben, erfährt.

Dabei schafft es die Autorin auf jeder Seite ihrer Begeisterung für die Geologie Ausdruck zu verleihen und den Leser mit dieser regelrecht an zustecken. Bildhaft und für jeden verständlich entführt sie in die Welt der Steine und in die Anfänge einer faszinierenden Wissenschaft.

Begleitet wird dies von der Lebensgeschichte Georginas, mit der Susanne Goga eine absolut sympathische Hauptfigur geschaffen hat.
Doch auch die anderen Figuren haben ihren Reiz und so verteilt man schnell Sympathien und fiebert mit den Figuren mit.

Die Geschichte selbst ist abwechslungsreich und bietet alles, was man sich nur wünschen kann: sie vermitteln Wissen, beschäftigt sich mit der Liebe, der Entscheidungsfreiheit und Freundschaft. So wird es nie langweilig, man hat als Leser immer etwas zu entdecken.

In Das Leonardo-Papier lässt Susanne Goga eine hoch interessante Epoche aufleben und macht sie für den Leser erfahrbar. Spannend und authentisch erzählt sie eine Geschichte, die definitiv großes Kopfkino ist!
Ich freue mich schon auf weitere Romane der Autorin!

Rebecca

Diana Verlag 2009, Taschenbuch 9,95 €, 512 Seiten, ISBN: 978-3453352988

“König der Marionetten” von Joanne Owen

Prag Ende des 19.Jahrhunderts: Milenas Vater hatte bis zu seinem Tod ein Marionettentheater. Die Liebe zu den Puppen teilt sie mit ihm.
Als der „Meister der Marionetten“ ins winterliche Prag kommt, ist Milena ganz aufgeregt und ahnt noch nicht, dass besagter Meister ihr Leben grundlegend ändern wird..

König der Marionetten ist ein unglaubliches Romandebüt der aus England stammenden Autorin.

Die Geschichte entführt nach Prag und macht die Stadt selbst beinah zum Protagonisten. Joanne Owen schafft es, die Stadt trotz der Kürze des Romans so eindringlich zu schildern, dass die Stadt vor dem geistigen Auge Konturen annimmt und man meint, selbst durch die Straßen zu gehen.

Vor allem die düstere und verheißungsvolle Atmosphäre zieht einen schnell in den Bann und man möchte gar nicht mehr aufhören zu Lesen, bis man auch das letzte Geheimnis gelüftet hat.
Diese Atmosphäre ist Wegbereiter für eine schaurige Geschichte, die die Autorin durch Figuren wie den Zwillingen Zendko und Zendka wunderbar unterstreicht.

Vor allem begeistern konnten mich die Illustrationen und die Legenden und Geschichten rund um die Gründung und Gründer der Stadt Prag, die wunderbar in die Geschichte eingeflochten wurden und ihr so einen ganz eigenen Charme verleihen.

Einziges Manko: auf Grund der Länge (214 Seiten im Original und nur ein paar mehr in der deutschen Übersetzung) kommt einiges gerade die Handlung betreffend zu kurz und ich hätte mir gewünscht, dass vieles etwas ausführlicher beschrieben worden wäre. Das hätte das Buch sicherlich runder wirken lassen.

Das Ende ist in sich abgeschlossen und doch offen genug, dass man durchaus zu einer weiteren Geschichte über Milena ansetzten könnte. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, mehr über das Mädchen und seine Marionetten zu lesen.
Bis dahin jedoch warte ich auf Owens neuen Roman, der im Mai auf Englisch erscheinen wird.

Rebecca

Loewe Verlag 2009, 210 Seiten, Gebundene Ausgabe, ISBN-13: 978-3785568255

“Der schwarze Papst” von Eric Walz

Rom, im Jahre des Herrn 1552: die Jesuiten wollen ein Kolleg eröffnen, das Collegium Germanicum. Dies wird natürlich gefeiert, doch es kommt zu einem Zwischenfall: einer der Schüler erleidet einen Krampfanfall und stirbt. Sandro Carissimi, Visitator des Papstes, ist dabei und weiß sofort: hier ist ein Verbrechen geschehen, das dringend aufgeklärt werden muss.

Der schwarze Papst ist der dritte und letzte Band um die Glasmalerin Antonia Bender und dem Jesuiten Sandro Carissimi.

Diesmal steht im Gegensatz zu den anderen Romanen der Kriminalfall sehr im Vordergrund. Natürlich, wir lesen hier einen historischen Kriminalroman, aber für mich war es dann doch zwischenzeitlich ein wenig zu viel, denn ich wollte eher noch mehr über Sandro und Antonia erfahren, die mir in den Vorgängerbänden so sehr ans Herz gewachsen sind. Vor allem Antonia kommt ein wenig zu kurz, während man Sandro weiterhin bei seinen Ermittlungen erleben darf.
Diese Verlagerung auf den Kriminalfall ist schade, da man gerade in den Vorgängerbänden viel mehr mit den Charakteren an sich zu tun hatte.

Der Fall selbst ist wie auch schon in den Vorgängern sehr gut durchdacht und bot für mich doch zum Schluss eine Überraschung, denn mit diesem Täter hätte ich nie gerechnet. Bis zum Schluss hatte ich viele Verdächtige, die alle ein Motiv gehabt hätten. Eric Walz legt somit viele verschiedene Spuren, die man als Leser eifrig verfolgt.

Der Schluss des Romans gefällt mir, obwohl es mir wirklich schwer fällt zu akzeptieren, dass dies der letzte Band ist, denn er ist relativ offen gehalten und so kann man entweder darauf hoffen, dass der Autor doch noch einen Band schreibt oder man spinnt sich die Zukunft der Charaktere selbst nach eigenen Vorstellungen weiter.

Unterm Strich bin ich mit Der schwarze Papst sehr zufrieden und finde, dass es ein würdiger Abschluss der Glasmalerin-Trilogie ist. Der Roman hat mich von seiner ersten bis zu seiner letzten Seite in seinen Bann gezogen und ich musste in jeder freien Minute lesen.
Wieder nur sehr zu empfehlen!

Rebecca

Blanvalet Taschenbuch Verlag 2009, TB 12 €, 448 Seiten, ISBN: 978-3442372690

“Kaltschäuzig” von J. F. Englert

Randolph ist ein Labrador und ein ziemlich cleverer noch dazu.
Er lebt mit seinem Herrchen Harry zusammen und beide müssen einen tiefen Schicksalsschlag verwinden: das Verschwinden von Imogen, Randolphs Frauchen und Harrys großer Liebe.
Als bei einer Leiche Fotos von Imogen gefunden werden und diese unter Mordverdacht gerät, gerät auch das Leben der beiden aus den Fugen…

Als ich das Buch in den Händen hielt, war mein erster Gedanke und Wunsch, dass dies bitte kein billiger Abklatsch von „Glennkill“ wird, dass vor einiger Zeit für richtig Furore sorgte.
Meine Angst hat sich nicht bestätigt. Dem Autor ist es gelungen mit Labrador Randolph einen netten, liebenswerten Schnüffler zu erschaffen.

Und es scheint leider so, dass sich Englert genau auf diesen verlässt, statt auf seinen Plot: Randolph erklärt dem Leser ganz genau, wie das Leben eines Hundes aussieht und was wir Menschen alles nicht an Hunden bemerken und zu schätzen wissen.
Immer wieder schmeißt der literaturbegeisterte Hund mit Zitaten aus literarischen Werken um sich und wirkt so nicht selten altklug. Vor allem, weil die Zitate zwar immer etwas mit dem Kontext zu tun haben, aber dennoch nicht in die Geschichte passen.

Es wirkt fast so, dass der Autor seiner eigenen Geschichte nicht traut und den Hund vorschickt, um dies zu kaschieren.

Dabei müsste er das gar nicht.
Leider kommt die Geschichte erst nach ca. 130 Seiten in Fahrt, was in Anbetracht der Lage, dass das Buch gerade mal 285 Seiten hat, ziemlich spät ist.
Doch der Autor beweist, als er sich ein wenig von Randolph löst, dass er durchaus in der Lage ist, eine spannende und logische Geschichte zu erzählen. So habe ich das Buch dann gespannt gelesen, weil ich wissen wollte, wer denn nun für alles verantwortlich ist.
Jedoch ist die Geschichte nach dem längeren Vorlauf auch schnell wieder vorbei.
Dabei verpasst der Autor es aber nicht, den Grundstein für ein drittes Abenteuer zu legen.

Kaltschnäuzig ist ein durchaus netter Roman, der einem für ein paar Stunden gut unterhalten kann. Das Buch ist guter Durchschnitt, leider nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Rebecca

Goldmann Verlag 2010, Übersetzung: Tina Hohl, Taschenbuch 7,95 €, 288 Seiten, ISBN: 978-3442470235

“Die Gabe der Jungfrau” von Deana Zinßmeister

Zu Beginn des 16.Jahrhunderts brodelt es in Deutschland: Viele Bauern laufen gegen Die Obrigkeit Sturm und fordern mehr Rechte für ihren Stand ein.
In diesen Wirren lebt die junge Anna Maria. Ihr Brüder sind vom Vater in diesen Krieg um mehr Gerechtigkeit geschickt worden. Als die junge Frau einen bösen Traum hat, macht sie sich auf den Weg, um ihre Brüder zu suchen und nach Hause zu bringen, denn sie befürchtet, die beiden sonst nie wieder lebend zu sehen….

Mit Die Gabe der Jungfrau hat Deana Zinßmeister ihren insgesamt vierten Roman veröffentlicht und lange habe ich diesem entgegen gefiebert.
In gerade mal 1 ½ Tagen habe ich den Roman verschlungen und kann eigentlich nur sagen, dass ich absolut begeistert bin und dieser bis jetzt mein absoluter Liebling der Autorin ist.

Auf eine spannende und erfrischende Weise erzählt die Autorin eine Geschichte, die vor Abenteuern nur so wimmelt. Deana Zinßmeister entführt in ein Deutschland, dass gerade im Umbruch ist und schafft es, die Unzufriedenheit, die Unsicherheit und Angst der Menschen einzufangen.
Stellvertretend für diese stehen Anna Maria und ihre Brüder, die in dieser turbulenten Zeit ihren Weg finden müssen.
Mit diesen Charakteren hat die Autorin sympathische Figuren geschaffen, die dafür sorgen, dass man mit ihnen fiebert und ihre Hoffnungen und Ängste teilt.

Die Handlung selbst teilt sich in mehrere Handlungsstränge auf, die am Ende zu einem einzigen zusammen laufen. Im Vergleich zu „Das Hexenmal“ ist es der Autorin gelungen diese Handlungsstränge ‘weicher’ zu gestalten und so enden einzelne Episoden nicht so abrupt, wie es beim Vorgänger der Fall war. Das hilft dabei, einen gleichmäßigen und schnellen Lesefluss beizubehalten.
Neben mehreren Handlungssträngen, wartet der Plot auch mit einigen Überraschungen auf, die dafür sorgen, dass es nie langweilig wird.

Zum Schluss führt die Autorin in einem Nachwort auf, welche Figuren der Realität entsprechen und welche nicht.

Insgesamt fällt es mir schwer das Buch genauer auseinander zu pflücken und zu analysieren, denn ich bin einfach bodenlos begeistert. Es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Die Gabe der Jungfrau ist ein eindrucksvoller Roman, dem ich jeden Liebhaber von anspruchsvollen historischen Roman nur empfehlen kann.

Rebecca

Goldmann Verlag 2010, Taschenbuch 9,95 €, 512 Seiten, ISBN: 978-3442470365

“Die Ballonfahrerin des Königs” von Tania Douglas

Frankreich, kurz nach der Revolution: der Sohn von Marie Antoinette sitzt in Einzelhaft im Temple und die Bedingungen sind alles andere als Kindgerecht.
Marie-Provence, die als Adelige selbst als vogelfrei gilt, möchte nur eines: den kleinen Charles aus dem Temple holen.
Als Marie-Provence den jungen André kennen lernt, kommt Marie ein Gedanke, der vielleicht in der Tat die Rettung des Jungen bedeuten könnte: eine Ballon.

Es ist eine grausame Zeit, in der die Autorin Tania Douglas ihren Roman Die Ballonfahrerin des Königs spielen lässt: Es ist kurz nach der Französischen Revolution und die Machtverhältnisse sind immer noch nicht ganz geklärt und das Leben kann schneller unter einer Guillotine enden, wie einem lieb sein kann.

In genau dieser Zeit kann der Leser die junge Marie-Provence auf ihren Abenteuern begleiten. Die junge Frau ist als Adelige auch Opfer von Robespierres Terrorherrschaft und lebt in der ständigen Gefahr, festgenommen zu werden.
Doch sie stellt sich dieser Gefahr und entführt in eine unglaubliche Welt: Der Leser lernt eine zweigeteiltes Frankreich kennen. Auf der einen Seite die Angst, vor den Revolutionären und auf der anderen Seite, das Bedürfnis nach Leben und Unbeschwertheit und dem Aufstreben der Wissenschaft. Die Autorin schafft es, diese Zerrissenheit wunderbar einzufangen und so für den Leser nachvollziehbar zu machen.

Doch nicht nur die Atmosphäre des Romans überzeugt: auch die Charaktere wissen, wie sie jemanden für sich begeistern können. Ihr Hauptargument ist dabei ihre Authentizität. Tania Douglas ist es gelungen, Figuren zu schaffen, die sich in kein Schwarz – Weiß – Schema pressen lassen. Keine der Figuren ist ein Superheld, sondern jede Figur hat ihre Stärken und Schwächen und zweifelt oft auch an sich selbst. So ist es eine absolute Freude zu beobachten, wie sich diese entwickeln.

Die Handlung selbst wartet mit einer Liebesgeschichte, Intrigen, Abenteuern und Geschichtsunterricht auf. Es ist der Autorin gelungen all diese Faktoren in ein wunderbares Gleichgewicht zu bringen und so nimmt kein Aspekt einem anderen unnötig Platz weg.

In Kombination mit dem leichten, spannenden Schreibstil ist Die Ballonfahrerin des Königs ein Roman, für den man sich unbedingt Zeit nehmen muss, denn es fällt schwer das Buch aus der Hand zu legen.

Abgerundet wird das Buch durch seine Aufmachung: Das Cover fängt wunderbar die Stimmung des Romans auf und hebt sich erfrischend von anderen Roman in diesem Genre ab.
Zusätzlich gibt es ein Personenverzeichnis, ein Glossar und Karten.

Eine absolute Empfehlung!

Rebecca

rororo Verlag 2009, Taschenbuch 9,95 €, 592 Seiten, ISBN: 978-3499252525