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Archiv der Kategorie Lesung
Lesung “Verfall” 28.08.2008
29.8.2008 von Krümel.
Meine Premiere! Und direkt so eine gelungene Veranstaltung, wunderbar!

Der Autor Vladimir Zarev erschien in unserer Stadtbücherei mit seinem Übersetzer Thomas Frahm, beide mit Halbglatze und sehr sympathisch erscheinend.
Zarev hat die Lesung begonnen in dem er ca. eine Seite auf bulgarisch vorlas. Vom Rhythmus und von der Melodik hörte sich das sehr schön an. Danach hat Thomas Frahm den gleichen Abschnitt in deutsch vorgelesen, so konnte sich der Leser einfach mal vom Tonfall und von der Melodie her ein Bild machen, das fand ich ausgesprochen interessant. Das Problem der Übersetzung aus dem slawischen Raum ist es, dass Pathos dort großgeschrieben wird, die Bulgaren sind sehr gefühlsbetont, dieses 1:1 ins Deutsche zu übertragen würde sich verkitscht anhören. Es ist also eine Gradwanderung den richtigen Ton zu treffen, so dass es für uns deutsche Leseohren angenehm klingt.
Das Buch handelt über Bulgarien nach der Wende, das Aufkommen der Mafia, die dort ganz offen agiert und das Volk in Angst und Schrecken versetzt. Dass 1995 bis 1997 eine ganz hohe Sterbequote in Bulgarien herrschte, weil sich die Menschen nicht mehr mit den lebensnotwendigen Dingen versorgen konnten, Nahrung und auch im Winter heizen. Dass es eine enorm hohe Scheidungsquote gab, und dass, wie der Protagonist im Buch, der kulturelle Bereich einbrach, hier ein Literat. Bücher konnte sich keiner mehr leisten, und von 100 auf 0 wurden alle Autoren arbeitslos.
Die Situation in Bulgarien hat sich mittlerweile ein wenig geändert, erst kürzlich muss es eine Demo von Lehrern gegeben haben …
Das Buch ist mit sehr viel Witz und Selbstironie geschrieben (Frahm hat lange daraus vorgelesen); und so sind auch Beide aufgetreten: Sie haben sich kameradschaftlich über ihre Glatzen gestrichen und ein sehr unterhaltsames Programm geliefert.
Es war ein schöner Abend, und natürlich ist das Buch signiert mit nach Hause gegangen

Über den Autor
Vladimir Zarev, geboren 1947 in Sofia, Herausgeber der literarischen Vierteljahreszeitschrift »Zeitgenosse« (Sewremennik), Autor von insgesamt 15 Romanen, Erzählbänden und Sachbüchern. 2003 erschien »Verfall« und machte ihn über Nacht zum Superstar der bulgarischen Literaturszene.
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Lesung: Pascal Mercier mit “Lea”
14.11.2007 von Krümel.
Veranstaltungsort:
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, großer Hörsaal
20. November 2007 um 20:00 Uhr
Mehr dazu: Hier!
Geschrieben in Lesung | Keine Kommentare »
Marcel Magis in Hamburg
15.8.2007 von Krümel.
Unser Jan war vor Ort!
Über den Autor:
Marcel Magis wurde 1965 in St. Gallen (Schweiz) geboren, um später von seinen Eltern über die Grenze nach München geschmuggelt zu werden.
Nach einiger Zeit der rechtlichen Nichtexistenz konnte doch noch ein Standesbeamter zur Anmeldung bewegt werden. Nach München folgten Hannover, die Byteburg in Bad Breisig am Rhein, sehr kurz Paris, um in einer sehr seltsamen Bar einen Pinguin zu finden, und endlich Berlin.
Marcel Magis lebt inzwischen vom Schreiben. Unter anderem erscheint unter dem Namen „Marc Maus“ eine monatliche Kolumne mit kleinen verrückten Liebesgeschichten in einer Computerzeitschrift.
Jan berichtet:
Kein aufwendiges Equipment, keine irre Lightshow, keine ausflippende Teenies und Jungreise – das alles gab es am gestrigen Abend nicht. Und seien wir ehrlich, gepasst hätte es auch nicht.
Marcel Magis zu Gast in Hamburg.
Das war Literatur zum Anfassen, Literatur zum Zurücklehnen, Literatur zum Genießen und Literatur zum „um sich daran zu erfreuen“.
Das Literaturcafé Mathilde in Hamburg begrüßt den Eintretenden freundlich durch ein liebevoll zusammengesuchtes Mobiliar, bequeme Sitzmöbel wechseln sich mit unbequemen Holzstühlen ab. Und man findet in diesem Café auch die von vielen so geschätzte „literarische Enge“, und wenn drinnen gelesen wird, dann muss man halt schon mal sehr dicht zusammenrücken.
Glücklicherweise aber war dieser Abend angenehm mild und so konnte Marcel auf der etwa 30 cm hohen Holzterrasse (wirkte wie eine kleine Bühne) uns etwas vorlesen. Wunderbar der „Bühnenaufbau“. Vor dem Lesesessel ein kleiner Beistelltisch, eigentlich zu klein, um darauf wirklich etwas lagern zu können. Das notwendige Leselicht spendete eine Wohnzimmerstehlampe aus den Fünfzigern (?), die flugs aus dem Gastraum auf die Bühne gestellt worden war.
Nach meiner Zählung hatten sich 47 Zuhörer eingefunden. Die saßen auf einem kleinen Areal (auch von einigen Garten genannt) vor der Bühne und schauten erwartungsvoll auf den Autor.
Im ersten Teil seiner Lesung las Marcel Magis aus „Mein Leben mit Mitsu“, einer Geschichte von Liebe, Sehnsucht und Nudelsuppe. Kaum waren die ersten Sätze gelesen, fand man sich in einer anderen Welt wieder. Die Sätze begannen irgendwie „zu leben“, sie wurden zu Bildern. Lesen ist halt nicht gleich lesen!
Dieses hat Marcel Magis eindrucksvoll unterstrichen.
Er schaffte es, eine ganz besondere Atmosphäre herzustellen. Offenbar hat er dieses Buch zu seiner Lesestimme geschrieben. Vielleicht sollte man manche Bücher nicht allein lesen, sondern sie sich vorlesen lassen.
Marcel liest mit einem ganz leichten Augenzwinkern das auch von kleinen Traurigkeiten nicht wegzuwischen ist, dazu kommt eine Stimme, von der man sich wirklich gern durch das Buch führen lässt. Das er zudem ein unheimlich sympathischer Kerl ist, versteht sich fast von allein.
Dann kleine Pause, Gelegenheit sich mit dem fürchterlichen ASTRA einzudecken und sich auf den zweiten Teil der Lesung zu freuen.
Und hier erlebte man fast so etwas wie einen „anderen“ Marcel Magis. Er war nach wie vor unheimlich sympathisch, das ist jetzt auch nicht das Ding.
Nun begann er nämlich uns aus seinen Kolumnen vorzulesen.
Junge, Junge hat dieser Mensch Humor!
Aus dem Schmunzeln wurde so manches Mal ein lautes Lachen. Welche Fülle an lustigen und tragikkomischen Einfällen. Kein Slapstick aber wirklich wunderbare Situationskomik. So zu schreiben kann man wahrscheinlich auch gar nicht lernen – entweder man kann es oder man kann es nicht.
Und dazu dieser wirklich verschmitzte Gesichtsausdruck des Vorlesers. Da passte wirklich alles.
Übrigens, erst nach drei Zugaben dürfte Marcel Magis (in eingeweihten Kreisen auch als Nudelsuppe bekannt) seinen Lesesessel verlassen.
Es war ein anregender und erregender Abend. Es war eine Lesung die wohl keine Wünsche offen ließ, allenfalls vielleicht den, dass man noch bestimmt viel mehr hätten hören wollen. Rund 1.787.998 Hamburgerinnen und Hamburger werden sich in den Hintern beißen, weil sie diese Lesung verpasst haben – allerdings, wäre auch sie gekommen, hätte es vielleicht ein kleines Platz- und Stuhlproblem gegeben.
Natürlich nimmt man aus einem solchen Abend auch etwas mit. Ich habe für mich mitgenommen:
Wenn Marcel Magis irgendwo liest, dann sollte man alles stehen und liegen lassen, auch weite Wege nicht scheuen um ihm zuzuhören. Es lohnt sich! Meine Hand drauf!
Herzlichen Dank lieber Marcel für einen wirklich wunderbaren Abend!
Jan
Geschrieben in Lesung, Kurzportrait, Jan | 1 Kommentar »

