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“Das Buch von Blanche und Marie” von Per Olov Enquist
Hat mich diesmal nicht vom Hocker gerissen!
Es fing ja so gut an, und es erinnerte mich direkt an das Buch „Und Nietzsche weinte“ von Yalom, in dem sich der Arzt Dr. Breuer fiktiv mit Nietzsche trifft und die Haupthandlung bestreiten. Im Buch von Enquist finden die Personen Marie Curie, die zweimalige Nobelpreisträgerin, mit Blanche Wittman, die bekannteste Patientin des Professors Charcot, fiktiv zusammen. Was diese Frauen verbindet, findet man sofort im ersten Satz:
„>Amor Omnia Vincit< - die Liebe überwindet alles - …“
Der Autor berichtet sehr eindrücklich aus dem Leben seiner Protagonistinnen. Er erzählt davon wie Blanche ins „Salpêtrière“ eingeliefert wird und den berühmten Arzt kennen lernt. Von der Antipathie ihm gegenüber, die sich in Liebe wandelt. Von der Freundschaft zwischen Blanche und Marie, den Amputationen und den Zerfall der Karriere Maries. All das hatte ganz großes Potential zu einem Lesehighlight …
Was mich jedoch direkt gestört hat, waren diese drei Notizbücher in der braunen Mappe. Das ließ mich direkt an Doris Lessings „Goldene Notizbuch“ denken, und es wird tatsächlich fast ähnlich aufgebaut, hier werden die Bücher zwar der Reihe nach abgearbeitet, aber dieses Sprunghafte, diese Eigenart wird verwendet. Der zerrissene Stil gibt diesem Werk aber nicht die Authentizität wie bei Yalom (man glaubt diesem Autor ja während der Lektüre alles), hier recherchiert man direkt. Man spürt sogleich, dass es keine wahre Begebenheit ist. Ein Durchschnittsbuch, durchaus lesenswert, aber keine besondere Empfehlung.
Heidi Hof
Hanser Verlag 2004, OT: Boken om Blanche och Marie, Übersetzung: Wolfgang Butt, Hardcover 19,90 € (TB 8,95 € ), 239 Seiten, ISBN: 3-446-20569-1



