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“Der Fernsehgast” von Kurt Oesterle
Nur wenige Kapitel haben mich wirklich erreicht.
In einem kleinen Dorf in Süddeutschland zieht der Fernseher ein. Kaum vorzustellen auch das Telefon, der Mähdrescher, die Melkmaschine, der Kühlschrank und sogar ein Zahnarzt brachte die „neue“ Zeit ins Dorf. Allerdings weiß der Autor nicht recht mit welcher Haltung er seine Geschichte erzählen soll, ironisch, aufgesetzt lustig oder unter vorgehaltener Hand, strafend …
„ … das Fernsehen … schade nur den Augen, sagten meine Eltern. Wer dann aber immer noch nicht von ihm lasse, dem hitze es allmählich die Seele auf …“ Seite 7
Oder einfach aus der naiven Sicht des Protagonisten, einem Junge von ca. acht Jahren. Der Fernsehgast, dessen Eltern ihm das Fernsehen verbieten, und auch keinen Fernseher kaufen, denn sie sitzen abends lieber im Dunklen und schweigen, zieht durchs Dorf und quartiert sich überall, wo eine Antenne auf dem Dach angebracht ist, selber ein und schaut mit den Fernsehbesitzern fern. Nur wenn er mit seinem Großvater wandern geht, ohne Verpflegung und sie in eine Gastwirtschaft einkehren, oder wenn er in seinem Bubenzimmer nicht einschlafen kann, dann wird die Erzählung lebendig.
Oesterle hätte sich ganz einfach zu einer Haltung entschließen sollen, so ist es mir ein Wechselbad aus altbacken, infantil und ein bisschen witzig, nichts Halbes oder gar Ganzes.
Kurt Oesterle wurde 1955 in Oberrot geboren, und studierte Literatur, Geschichte und Philosophie. Seit 1988 ist er freier Autor und Journalist. Er veröffentlichte schon verschiedene Monographien und Essays und wurde 1997 mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Für seinen Debut-Roman „Der Fernsehgast“ wurde ihm der Berthold Auerbach-Literaturpreis verliehen.
Heidi Hof
Büchergilde Gutenberg Verlag 2002, Leinen Hardcover vergriffen, 192 Seiten, ISBN: 3-7632-5333-5



