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“Drachenläufer” von Khaled Hosseini
Diesmal war ich richtig hin und her gerissen vom Buch, denn einerseits kann man das Buch kaum aus der Hand legen, aber andererseits darf man über die konstruierten Handlungsstränge nicht lange nachdenken, weil dort die große Schwäche des Romans liegt.
Es ist die Geschichte der unerfüllten Gefühle und Sehnsüchte, die alleine aus alten Traditionen, und kulturelles Denken, nicht erlaubt sind. So buhlt beispielsweise Amir um die Liebe seines Babas (Vater), aber auch Hassan möchte seine Treue und Liebe “Für dich - tausendmal” von Amir erwidert wissen, und dazwischen stehen Welten, denn Paschtunen und Hazaras dürfen keine Freunde sein.
Die Figurenkonstellation ist dermaßen problemgeladen, alles steht im Konflikt zueinander, und der Leser erahnt, dass viele Geheimnisse dahinter stecken, aber auch, dass es sich fügen wird.
Und so kommt es zu dem Tag, der schon im ersten Satz erwähnt wird, an dem für Amirs Leben die Weichen gestellt werden. Der Tag des Drachenfliegens und der Drachenläufer …
Das Buch ist insgesamt sehr spannend geschrieben. Der erste Teil in Afghanistan zeigt wie die Figuren zueinander stehen, und in welchen Traditionen sie verfangen sind. Als die Russen in Afghanistan einmarschieren fliehen Baba und Amir nach Amerika, wo sie endlich zueinander finden. Der letzte Teil spielt dann wieder im Nahen Osten, denn alle Fäden finden dort ihr Ende, und wo sich die Ereignisse überschlagen.
Ein schillernder Unterhaltungsroman, ein Seitenfresser, der den Alltagsstress vergessen lässt, aber über dessen Handlungsgerüst man nicht lange nachdenken sollte.
Heidi Hof
Berlin Verlag, 2003, OT: The Kite Runner, Übersetzung: Angelika Naujokat + Michael Windgassen, Hardcover vergriffen, 376 Seiten, ISBN: 3-8270-0516-7




12.1.2008 bei 13:33
Im Wesentlichen war mein Eindruck ähnlich wie Deiner. Allerdings muss ich Deinem letzten Satz widersprechen: Nachdenken darf man über das Buch sehr wohl - vielleicht nicht an jeder Stelle über die innere Logik des Romans und seine Konstruktion. Sehr wohl aber über die moralischen Beweggründe der einzelnen Personen, darüber, wie die ethnische Zugehörigkeit, die politische Lage und Umschwünge Leben prägen und zerstören können.
Das Problem des Romans ist auch sein größter Vorteil - wie Du schon schreibst: es ist ein Seitenfresser. Leider trägt der Autor das oft auf dem Rücken der Personenzeichnung und Handlungsstruktur aus - hier dominieren Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die Charaktere überraschen und entwickeln sich wenig, Cliffhanger und Anspielung auf die weiter Handlung werden in dem actionreichen letzten Romandrittel zu einem Höhepunkt getrieben.
Trotzdem bleibt auch einiges Positive: die spannenden und unterhaltsamen Lesestunden, etwas über ein Land und eine Kultur erfahren zu haben, von dem ich wenig Ahnung hatte, nochmal sehr klar vor Augen geführt zu bekommen, was dort durch Kommunismus, Russen, Amerikaner und die Taliban zerstört worden ist.
Kerstin
12.1.2008 bei 14:33
Danke Kerstin für deinen Eindruck, es freut mich immer hier solche Kommentare zu lesen
Im Buch “Der Buchhändler aus Kabul”, welches ich erst kürzlich gelesen hatte, war die Geschichte Afghanistan noch deutlicher beschrieben, wenn auch sehr einseitig.
Aus den Nachrichten und vielen Dokus kennt man die Geschichte des Landes, deshalb stand es für mich nicht mehr im Vordergrund.
Dieses gestelzte Handlungsgerüst hat mich je auf die Palme gebracht. Wie jetzt schon wolves im Forum weiß, dass Amir den Sohn von Hassan adoptieren wird. Das ist doch traurig!
Ich kann so was nicht haben!
Aber durch seine Spannung, und das man sein eigenes Leben zwischenzeitlich vergessen kann, findet der Roman sicherlich seine Existenzberechtigung
12.1.2008 bei 19:21
Hi, da hab ich ja richtig spekuliert
12.1.2008 bei 19:42
Mensch Steffi, doch nicht schon vorher Rezis und Kommentare lesen
War aber auch nicht schwer zu erahnen!
12.1.2008 bei 19:51
Edit: Ich habe den letzten Satz geändert, so wie ich es eigentlich ausdrücken wollte: *Handlungsgerüst*, darüber sollte man nicht nachdenken
12.1.2008 bei 20:31
Ich gelobe Besserung und werde erst eine Rezi und ihre Kommentare dazu lesen, wenn ich das Buch auch zu Ende gelesen habe
Aber du hast recht, dass war wirklich nicht schwer zu erahnen.