Infos

Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Das Literaturblog für Dezember, 2009.

Calendar
Dezember 2009
M D M D F S S
« Nov   Jan »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  
Kategorien

Archive für Dezember 2009

“Der dritte Polizist” von Flann O’Brien

Die Schriften des Wissenschaftlers und Theoretikers de Selby beanspruchen Muße und Aufmerksamkeit, die unserem Ich-Erzähler über Jahre davon abhalten, sein Zimmer zu verlassen. Er überträgt die Verwaltung seines ererbten Anwesens dem ungehobelten Divney. Weil Letzterer bei der Instandhaltung schlampig haushält, beschließen Beide, einem wohlhabenden Zeitgenossen durch einen Raubmord um dessen Geldkassette zu erleichtern. Nach dreijährigem gegenseitigem Misstrauen wollen sie endlich die Beute teilen. Der Erzähler wird in das Haus des Ermordeten geführt und … was dort passiert, kann an dieser Stelle nicht verraten werden, denn als er das Anwesen wieder verlässt, kann er sich nicht einmal mehr an seinen Namen erinnern.

Die Geschichte erinnert an Alice im Wunderland, wo ihr nach dem langen Fall langsam dämmert, in eine verdrehte Welt gelandet zu sein. Die nachfolgenden Kapitel sind absurdes Theater à la Beckett, eine auf naturwissenschaftlichen Theorien basierende Konstruktion einer Welt, die eine neue Logik aufdeckt und erfordert. Der unglücklich gestrandete Held stützt sich bei seinen Beobachtungen auf seine Studien zu de Selby. Sie helfen zu begreifen, zumindest dem Leser. In ausführlichen Fußnoten definiert de Selby den Schlaf als eine Folge von Ohnmachtsanfällen, die Nacht als Verschmutzung der Atmosphäre und die Besessenheit zu Spiegeln führen zu der Behauptung, die Welt befinde sich eingeengt zwischen hölzernen Rahmen. Als Leser fragt man sich, ob es diesen Theoretiker wirklich gab, weil die Fußnoten sehr überzeugend zu Sekundärliteratur hinweisen, wo Zitate in Originalsprache wiedergegeben werden und wo selbst Streitgespräche unter Intellektuellen vermerkt sind – meist mit dem Hinweis angereichert, dass angegebene Manuskripte und Beweismittel nicht mehr aufzutreiben sind. Man kann sie als Verständnishilfe zum übrigen Text begreifen oder als wahnwitzige Satire auf den Wissenschaftsbetrieb.

Der gesamte Roman befindet sich auf einer abstrakten, schwebenden Ebene, die weder Realität noch Traum zu sein scheint. Eine Parallelwelt vielleicht, ein Bestrafungsritual für Verbrecher, Verdammung bis in Ewigkeit. Da ist von der Atomtheorie die Rede, bei der sich die Atome von Gegenständen bei kräftigen Erschütterungen vermischen. Ein Polizist auf seinem Fahrrad wird mit den Berufsjahren selbst zum Fahrrad – stützt sein Ellbogen gegen die Wand, um Halt zu finden, während das Fahrrad sich vermenschlicht und eingesperrt werden muss, damit es nicht verschwindet. Oder er berichtet von Handarbeiten des Polizisten, die nicht mehr im Bereich des Sichtbaren liegen. Die einzig rationell agierende Figur ist die reflektierende Seele des Erzählers. Dennoch führt kein Ausweg aus diesem verschachtelten Labyrinth heraus, denn ohne Name existiert er nicht, ohne Verständnis findet er keinen Halt in dieser Umgebung. Und er bleibt auf der Flucht vor seiner Verurteilung, auf ewig. Ein großer Spaß, dieses Buch zu lesen, wenn man sich auf in sich schlüssige, letzten Endes doch haltlose Thesen einlassen will.

Heyne, kartoniert 2007, 272 Seiten, 8,95€ ISBN: 978-3453811041

“Rabbit in Ruhe” von John Updike

rabbit.jpgEs geht weiter mit unserem Helden, der nun in den Achtzigern Mitte fünfzig ist.

Harry und Janice verleben die Hälfte des Jahres mittlerweile in Florida, wo er mit ein paar alten Juden Golf spielt und sie sich die Zeit mit Tennis vertreibt. Am Ende eines Jahres kommen dann Nelson und Prue mit den Kindern zu Besuch, womit dann dieser Teil beginnt.
Direkt kommt es wieder zu wilden Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn, und Janice versucht zu schlichten. Dabei lässt sie nach wie vor Nelson zu viel durchgehen und ist inkonsequent, was Rabbit auf die Palme bringt.
Und dann erleidet Harry auf einem Boot einen Herzinfarkt, den er nur knapp überlebt. Er muss weitere Untersuchungen über sich ergehen lassen, sowie die Vorschrift beachten: abnehmen, abnehmen und nochmals abnehmen, und ferner steht eine OP im Raum.
In dieser Zeit erfährt Janice, dass Nelson drogenabhängig ist und total verschuldet. Doch das verschweigt sie vor Rabbit. Als dann das Ehepaar im Frühjahr nach Brewer fährt, kommt Harry diesem Geheimnis auf die Schliche.

All das bildet nun den vierten Teil der Rabbit-Reihe, ganz genau wie die anderen Bände, wenn da nicht diese melodramatische Stimmung wäre, die völlig neu ist und mir nicht gefallen hat. Immer wieder trifft Harry alte Bekannte, es wird viel über das Ende und über Krankheiten geredet, nach 150 Seiten ist es eigentlich eindeutig was hier im vierten Teil geschieht.
Rabbit gibt auf! Lässt seine Frau, seinen Sohn vorüberziehen, wird nochmals kurz von Prue aufgehalten und begibt sich damit dann ins endliche Abseits …

Zu oberflächlich war mir dieser Teil, vieles wurde nur mal kurz angerissen was Tatbestand in den Achtzigern war, z. B. Aids, Drogen, Homosexualität.
Und dieses gelangweilte Gefühl konnte ich nicht abstellen, ich fand diesen Teil nur fad wie im Traum an mir vorüberziehend. Im Stillen hoffe ich, dass das mal bloß nicht die Wahrheit übers Altern ist, wo jeglicher Widerstand verloren geht.

John Updike (* 18. März 1932 in Reading, Pennsylvania; † 27. Januar 2009 in Beverly, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Updike hat mehr als 20 bedeutende Romane und Sammlungen von Kurzgeschichten veröffentlicht, daneben mehrere Sammlungen von Essays und Gedichtbänden. Er hat zahlreiche amerikanische Literaturpreise und -auszeichnungen erhalten und zählte viele Jahre lang zu den Anwärtern auf den Literatur-Nobelpreis. Wiki

Heidi Hof

Büchergilde Gutenberg 1992, OT: Rabbit at Rest, Übersetzung: Maria Carlsson, Hardcover vergriffen, 656 Seiten, ISBN: 3-7632-4246-5

Frohe Weihnacht …

… wünscht das Team allen Literaturblog Lesern!

Liebe Grüße

Heidi

Neuerscheinungen im Januar 2010

Habe noch zwei Bücher gefunden, aber vielleicht sind sie auch sehr speziell/persönlich ;-)

1.  Tschechow lesen: Eine literarische Reise von Janet Malcolm

Klappentext:

Janet Malcolms Reise auf den Spuren Anton Tschechows beginnt mit einem Desaster: Am ukrainischen Flughafen von Simferopol verschwindet ihr Koffer mit einem Unbekannten. Als sie sich anschließend von einer Fremdenführerin zu jener Bank begleiten lässt, von der die beiden Liebenden in Tschechows Erzählung “Die Dame mit dem Hündchen” auf Jalta blicken, wird ihr klar, dass die Aussicht nicht im Entferntesten so hübsch ist wie erwartet. Aber so schnell gibt Janet Malcolm nicht auf. Sie reist nach St. Petersburg, Jalta und Moskau, die Orte in Tschechows Leben, recherchiert über seine Kindheit, seine Beziehungen, die frühen Triumphe, seine literarischen Figuren und Themen -in einerunwiderstehlichen Mischung aus Essay, Reportage und Reisebericht. Auf superbem Niveau verwebt sie Leben und Werk und beantwortet die einfachsten und zugleich kompliziertesten Fragen: Warum gestehen sich Tschechows Figuren ihre Liebe meist in verwunschenen Gärten? Warum mochte Tschechow keine Hochzeiten? Und wasist die Wahrheit hinter dem Mythos seines Todes, den er angeblich mit einem Glas Champagner in der Hand erwartet hat? Man kann alles über Tschechow wissen - oder nichts. So oder so wird man Janet Malcolm für dieses Buch lieben.

2. Hoch oben in der guten Luft: Die literarische Bohème in Davos von Unda Hörner

Hier weiß ich absolut nicht, ob das ein Fehler bei Amazon ist, dass dies Büchlein neu erscheint. Allerdings kann man es bei ExLibris auch vorbestellen … Falls alle Stricke reißen, kauft man es sich antiquarisch ;-)

“Der Katalane” von Noah Gordon

„Eine mitreißende Mischung aus Spannungsroman, Familiengeschichte, Liebesdrama und Historienepos”

Vier lange Jahre war Josep Àlvarez im fernen Languedoc, um die große Kunst des Weinmachens zu erlernen – und um sich vor den Schergen zu verstecken, die den Grafen von Reus des Nächtens in Madrid kaltblütig ermordet hatten. Nun, zurück in seinem Heimatdorf, hofft Josep, dass er sich seinen Lebenstraum erfüllen kann. Vollmundigen Wein möchte er auf dem Gut seiner Väter kultivieren. Doch die Reben sind vertrocknet, die Geldforderungen seines Bruders für den Erbhof horrend. Tapfer nimmt Josep zusammen mit seiner Geliebten den Kampf ums Überleben auf, bis ihn die Vergangenheit einholt …

Katalonien 1870. Josep erstarrt, als die Schüsse fallen. Der Mann sollte eigentlich nur verhaftet werden. Aus Angst vor den Schergen, die das Leben des Grafen von Reus Juan Prim auf dem Gewissen haben, flieht Josep über die Grenze ins Languedoc. Im französischen Exil entdeckt er seine Leidenschaft für Wein – und träumt schon bald davon, die Kunst des Weinmachens in seine Heimat zu bringen. Als ihn eines Tages die Nachricht vom Tod seines Vaters ereilt, kehrt Josep zurück. Doch ob es ihm gelingen wird, in einer Region, in der Winzer wie sein Vater bisher nur Essig erzeugen konnten, süffigen Wein zu keltern? Außerdem ist das Familiengut heruntergekommen, die Rebstöcke tragen kaum Frucht. Und sein Bruder, der rechtmäßige Erbe des Hofs, presst aus Josep auch noch den letzten cèntim. Josep beginnt gerade, alle Schwierigkeiten zu meistern, er hat eine Frau gefunden, die seinen Traum teilt, da taucht jener Mann im Dorf auf, der weiß, dass Josep als Einziger den Mord an Juan Prim bezeugen kann. Bleibt Josep wieder nur die Flucht?“

Dieses Buch kam als Geschenk zu mir, gemeinsam mit einer wirklich guten Flasche Rotwein. Der Wein war längst getrunken, nur das Buch stand ungelesen im Regal. Mein Unterbewusstsein muss mir wohl geflüstert haben, dass es mit der Lektüre nicht so eilt. Zunächst ging in voller Vorfreude an „Der Katalane“. Zumindest „Der Medicus“ vom gleichen Autor hatte mich vor Jahren begeistert. Aber dieses Buch war eine einzige Enttäuschung. Obwohl mich der Handlungsort und auch das Thema Weinanbau interessieren, wurde ich von Beginn an nicht warm mit diesem Roman. Die Handlung war banal und über den Wein wurde zwar geschrieben, aber nicht viel vermittelt. Die Sprache war äußerst einfach gehalten und so ließ sich „Der Katalane“ ohne große Höhepunkte flott weglesen. Er wirkte auf mich wie ein schnell und lieblos aufs Papier gebrachtes Erzählwerk. Ein bisschen Historienepos, ein wenig Spannungsroman (wo war eigentlich die Spannung?), etwas Familiengeschichte und eine Spur Liebe machen eben doch keinen vollkommenen Schmöker aus. Schade. Von diesem Buch war ich sehr enttäuscht. Der Wein dagegen war sehr gut.

Noah Gordon, 1926 in Worcester, Massachusetts, geboren, arbeitete lange Jahre als Journalist beim „Boston Herald“. Mit ‘Der Medicus’ gelang ihm ein Weltbestseller, der in Deutschland viele Monate auf der Bestsellerliste stand. Auch seine nachfolgenden Romane wurden sensationelle Erfolge. Zuletzt, vor neun Jahren, erschien bei Blessing ‘Der Medicus von Saragossa’. Noah Gordon hat drei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in Boston.

Heike

Karl Blessing Verlag 2008, Übersetzung: Klaus Berr, Hardcover 19,95 €, 496 Seiten, ISBN: 978-3896673671

“Das periodische System” von Primo Levi

Sein turbulentes Leben hat Primo Levi in mehreren Büchern festgehalten. In „Ist das ein Mensch?“ zeichnet er seine Erfahrungen im KZ-Ausschwitz auf, in „Atempause“ berichtet er von der erschwerten Rückkehr nach Italien. „Das periodische System“ schließlich beleuchtet seine Tätigkeit als Chemiker, von einem Beruf und seinen Misserfolgen, seinen Siegen und seiner Not, eine Geschichte, die jeder erzählen möchte, wenn er fühlt, dass seine Laufbahn sich dem Ende zuneigt und die Kunst aufhört, endlos lang zu sein. Viele kleine Szenerien seiner Laufbahn greift er heraus und setzt sie lose nebeneinander zu einer Art Erzählband, berichtet über sein Heimatort, sein Studium, diversen Jobs vor, während und nach dem Krieg. Sein Leben und die Schwierigkeiten als Jude im faschistischen Italien werden nur angedeutet, doch reichen diese Einsprengsel aus, um ein beklemmendes Bild abzuliefern. Er selbst hingegen bleibt überraschend emotionslos, versucht sich einer objektiven Wahrnehmung, selbst, als er nach Jahren seinem früheren KZ-Aufseher über dem Weg läuft. Die Zeit der Gefangenschaft lässt er offen und verweist an der Stelle auf seine autobiographischen Schriften.

Jede Erzählung kreist um ein chemisches Element - sei es Argon, das träge Edelgas, welches keine Verbindung zu anderen Molekülen eingeht und er diese Charaktereigenschaft nutzt, um seine Familie zu beschreiben; sei es das Nickel, deren Abbau er als verdeckter Jude annimmt, ohne zu ahnen, dass er dem Krieg zur Aufrüstung verhilft; oder Cer, das ihn im KZ hat überleben lassen. Kleine Einführungen in seinem Beruf vermittelt er recht kurzweilig, er berichtet von Pannen und Erfolgen, von Reaktionen bestimmter Materialien und von der Ehrfurcht vor Rezepten, die nutzlose Zutaten enthalten. Neben den Geschichten seines Lebens gibt er noch einige Anekdoten aus seinem Bekanntenkreis zum Besten.
Primo Levi ist eine faszinierende Gestalt, die trotz Menschen verachtender Erfahrungen überhaupt kein schlechtes Wort über irgendjemanden verliert, als ob die Hoffnung an bessere Zeiten niemals ausgeschöpft wurde. Ein Buch, das mit seiner erfrischend angenehmen Sprache Lust auf mehr macht.

SZ-Bibliothek, gebunden 2005, 264 Seiten, vergriffen ISBN: 978-3937793474

“Die Hure von Rom” von Eric Walz

Rom 1552: Maddalena Nera, geliebte des Papstes wird tot in ihrer Villa aufgefunden.
Der Papst, der auf Rache aus ist, betraut seinen Visitator, Sandro Carissimi, mit den Ermittlungen.
Doch schon wie in Trient muss Sandro nicht alleine auf Verbrecherjagd gehen. Auch diesmal hilft ihm die Glasmalerin Antonia Bender, die ehemalige Hure Carlotta da Rimini und Hauptmann Forli.
Und auch diesmal taucht Sandro ein in eine Welt voller Intrigen, Hass, Sehnsüchten und Gier.

Vor genau zwei Jahren, im November 2007, habe ich den ersten Teil Die Glasmalerin gelesen.
Und obwohl ich dachte, dass ich doch in dieser relativ langen Zeit vieles vergessen habe, war es aber beim Lesen der ersten Seiten von Die Hure von Rom beinahe so, als hätte ich den Vorgängerband gerade erst beendet. Obwohl zwischen beiden Teilen einige Zeit liegt, ist es fast so, als ob beide nahtlos in einander übergehen.

Der Kriminalfall ist diesmal komplexer und ausgetüftelter als im ersten Band und es wirkt fast so, als hätte der Autor nie etwas anderes getan, wie Kriminalromane zu schreiben.
Das Ermittlerduo Sandro Carissimi und Hauptmann Forli stellt dabei fast das Highlight des ganzen Romans dar: Sandro, der selber nicht nur unglücklich in die Glasmalerin Antonia Bender verliebt ist, sondern auch mit sich selbst im Allgemeinen im unreinen ist, hat Alkoholprobleme und ist somit nicht gerade ein vorbildlicher Ermittler. Doch auch Hauptmann Forli, der darauf aus ist, nach einer erfolgreichen Ermittlung befördert zu werden, hat so seine Probleme.
Zusammen ergeben die beiden ein ungewöhnliches, aber absolut liebenswertes Ermittlerduo.

Während es mir beim 1.Teil schwer fiel, zu sagen, wen ich besonders mochte und wen nicht, konnte ich diesmal meine Sympathien sofort verteilen.
Sandro avancierte bereits auf den ersten 20 Seiten zu meinem absoluten Liebling, was nicht zuletzt daran liegt, dass das Buch zu einem nicht unerheblichen Teil aus Sandros Sicht geschildert wird. Walz verleiht vor allem ihm eine unglaubliche Tiefe und Glaubwürdigkeit, die mir z.B. gerade bei Antonia irgendwie fehlte.
Mit dem päpstlichen Kammerdiener Massa wiederum, hat Walz ein echtes Ekel geschaffen, von dem ich immer noch hoffe, dass er seine gerechte Strafe noch bekommt.

Unterm Strich ist Die Hure von Rom wesentlich stärker als sein Vorgänger. Einziger Nachteil: das Buch endet mit einem Cliffhanger, der eigentlich verlangt, dass man sofort zum dritten und letzten Band greift.

Rebecca

Blanvalet-Verlag, broschiert 2008, 448 Seiten,  12€, ISBN: 978-3442367191

Neuerscheinungen im Dezember 2009

Teil 2/2

1. Drei Dollar von Elliot Perlman

Voller Mitgefühl, doch nie ohne ein Augenzwinkern erzählt Elliot Perlman die Geschichte eines Idealisten, der sich weigert, seine Seele an den Teufel zu verkaufen. Drei Dollar ist ein mit ironischer Schärfe gezeichnetes Porträt unserer Zeit, in der Geld das Leben regiert.

2. Die zitternde Frau, Eine Geschichte meiner Nerven von Siri Hustvedt

Mehr dazu: hier!


“Er” von Erika Pluhar

er.jpgEmil Windhackers Körper hat nie Probleme bereitet. Auf ihn war Emil immer besonders stolz – und nun dieser Laborbefund. Von heute auf morgen schaut er dem Tod ins Auge. Emil Windhacker wäre aber nicht er selbst, wenn er die ihm verbleibende Zeit ungenutzt verstreichen ließe. Er beendet die Beziehung zu seiner Freundin Constanze und lernt zeitgleich die Schauspielerin Marie kennen. Sie verbindet nicht nur die gleiche Krankheit – Leukämie. Aber das Schicksal hält für Emil noch eine weitere Überraschung bereit.

„Er“ war das erste Buch, das ich von Erika Pluhar gelesen habe. Es war schnell gelesen, dazu trug nicht nur die recht große Schrift bei. Erika Pluhar erzählt die Geschichte eines Mannes über 50, egoistisch, gefühllos, kalt, kultiviert, erfolgreich im Job, bei Frauen beliebt und gesellschaftlich anerkannt. Aber ich mochte ihn nicht. Er verkörperte so ziemlich alle Eigenschaften, die ein Mann in meinen Augen nicht aufweisen müsste. Trotzdem konnte ich mich gedanklich recht gut in ihn hinein versetzen, obwohl in mir sicherlich nicht die Männerversteherin schlummert. Das Buch umfasst einen Zeitrahmen von nur 3 Tagen, in denen der Held wohl deutlich mehr Veränderungen durchlebte als in den vergangenen 3 Lebensjahrzehnten. Erika Pluhar erzählt die Geschichte des Protagonisten, einfühlsam, mit einem Hauch Ironie und viel Ruhe. Hätte sie ein anderes Ende gewählt, wäre meine Meinung über „Er“ auch eine deutlich bessere. Dieses Ende empfand ich als gekünstelt und aufgesetzt. Da mir der Erzählstil von Erika Pluhar ansonsten doch gut gefiel, werde ich nach weiteren Büchern von ihr Ausschau halten.

Erika Pluhar ist seit ihrer Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar Schauspielerin am Burgtheater Wien. Sie ist Liedersängerin (die sich ihre Texte selbst schreibt) und hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „Aus Tagebüchern“, „Lieder“, „Als gehörte eins zum andern. Eine Geschichte“ und „Zwischen die Horizonte geschrieben“.

Heike

Residenz Verlag, 2008, Hardcover 17,90 €, 231 Seiten, ISBN: 978-3701714919

Neuerscheinungen im Januar 2010

Teil 1/2

1.  Befreiung von Sándor Márai

Geprägt von der Intensität des eigenen Er­lebens, erzählt Sándor Márai von Freiheit, Anstand und dem letzten Augenblick seiner sich selbst zerstörenden bürgerlichen Welt.

 

2.  Vorliebe von Ulrike Draesner

Ein Wiedersehen, das einschlägt wie ein Blitz: plötzlich steht die Astrophysikerin Harriet ihrer großen Liebe von einst gegenüber. Und allmählich, aber unaufhaltsam, gerät ihr bisheriges Leben aus seiner geordneten Umlaufbahn.

3. Kaiser Ferdinand III. von Mark Hengerer

Vor 400 Jahren, in eine zum Zerreißen gespannte Welt wurde Erzherzog Ferdinand Ernst hineingeboren, der als Ferdinand III. von 1637 bis zu seinem Tod 1657 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Sein Leben war ein Leben im Krieg auf der Suche nach Frieden. Zusammen mit den vielen Ländern der Monarchie der Habsburger hatte er einen Krieg geerbt, der militärisch von niemandem ganz zu gewinnen war und entsetzliches Leid über eine ganze Generation brachte.