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Archive für November 2008
“Ihre Leidenschaft” von Véronique Olmi
25.11.2008 von Krümel.
Helene ist Schriftstellerin und hatte sich vor 10 Tagen von Patrick, ihrem langjährigen Geliebten getrennt. Trotz seines Versprechens war er letztendlich nicht bereit, für sie seine Frau und seine Kinder zu verlassen. Als ihr während der Buchmesse ihr Kollege Isaac eindeutige Avancen macht, erreicht sie eine SMS von Patrick „Du fehlst mir“ – diese drei Worte katapultieren sie zurück mitten in die gemeinsame Zeit mit Patrick. Der Versuch, ihn mit Isaac eifersüchtig zu machen, scheitert. Durch Patricks Reaktion – er lacht lauthals - fühlt sich Helene provoziert und die Dinge nehmen ihren Lauf…
In gewohnter Weise verpackt Véronique Olmi („Meeresrand“, „Nummer sechs“) ihre Erzählung in prägnanter, eindringlicher Weise auf nur etwa 130 Seiten. Die Charaktere sind allesamt aus dem Leben gegriffen: die alleinstehende, einsame Frau im fortgeschrittenen Alter, der ewig zaudernde Mann, der keine Nägel mit Köpfe machen kann, die Leidenschaft, die die beiden verbindet und der Alltag, der dieser Liebe kaum eine Chance gibt. Die kurzen, abgehackten Sätze transportieren gut das Gefühls-Durcheinander der Protagonistin, andererseits behindern sie aber auch den Lesefluss.
Véronique Olmi erzählt nichts Neues, aber die Art und Weise, wie sie es erzählt, macht das Buch sehr lesenswert.
Véronique Olmi:
Véronique Olmi wurde 1962 in Nizza geboren und lebt heute mit ihren zwei Töchtern in Arles. Sie zählt in Frankreich zu den bekanntesten jungen Theaterautorinnen. Ihre Stücke werden auch in Deutschland und in der Schweiz gespielt.
Christine
Kunstmann Antje Verlag, 2007, Übersetzung: Claudia Steinitz, Hardcover 14,90 €, 128 Seiten; ISBN: 978-3888974823
Geschrieben in Christine, Roman | 2 Kommentare »
“Sansibar Blues oder Wie ich Livingstone fand” von Hans Christoph Buch
22.11.2008 von Krümel.
Ziemlich verwirrend, aber hoch interessant!
Denn das Werk ist alles andere als linear erzählend oder aufklärend geschrieben, es möchte so auch gar nicht erscheinen wie uns der Autor in >Anstelle eines Nachworts< (Seite 227) erläutert: “Anstatt Klarheit zu schaffen, möchte ich die Verwirrung vergrößern …” Er selbst nennt seinen Roman einen Dokumentarroman.
Zu einem entsteht dieses Verwirrspiel dadurch, dass Buch fiktive und reale Figuren nebeneinander darstellt, und ferner weil drei unanhängig voneinander beschriebene Handlungsebenen existieren. Was allerdings die Vielfalt der Eindrücke beim Leser steigert, und durch diesen einzigartigen Stil zustande kommt.
Das Buch schildert die Kolonialgeschichte Afrikas, explizit Sansibars, den Sklaven. und Elfenbeinhandel, die unterschiedlichen Sippen und deren Sprachen sowie deren Auseinandersetzungen, Missionare und Religionen, Forscher und Entdecker, ja sogar eine afrikanische Prinzessin in Hamburg.
“Sansibar Blues” ist ein beeindruckendes Werk über Afrika und seiner Geschichte. Es liest sich wie eine Entdeckungsreise durch einen fernen Kontinent, und der Leser wird bei aller Verwirrung eine gute Vorstellung dessen mitnehmen, was politisch in den letzten 100 Jahren auf und rund um Sansibar geschah.
Hans Christoph Buch wurde 1944 in Wetzlar geboren, und ist als Erzähler, Essayist und Reporter bekannt. Er bereist die ganze Welt für seine Recherchen und lebt ansonsten in Berlin. www.hans-christoph-buch.de
Heidi Hof
Eichborn Verlag, Die andere Bibliothek, 2008, Hardcover mit Fadenbindung 28 €, 264 Seiten, ISBN: 978-3-8218-6218-7
Geschrieben in Krümel, Roman | 1 Kommentar »
Der Medien-Star
20.11.2008 von Krümel.
Das Buch wurde ja schon in allen Literatursendungen gelobt, und ich werde es auch noch lesen:

Bestimmt eine schöne und skurile Weihnachtsüberraschung!
Bei Amazon ansehen
Geschrieben in Bücher-Tipps | Keine Kommentare »
ttt vom 16. November 2008
17.11.2008 von Krümel.
Ein Buchtipp, den ich gerne weitergeben möchte.

Das Buch hört sich wirklich vielversprechend an, spannend und mitreißend, es eigenet sich bestimmt gut als Weihnachtsgeschenk.
Bei Amazon ansehen
Geschrieben in LS-Ticker | Keine Kommentare »
“Die Purpurlinie” von Wolfram Fleischhauer
16.11.2008 von Krümel.
Ein Bild im Louvre, das dem Literaturwissenschaftler Andreas Michelis nicht aus dem Sinn geht: es zeigt wahrscheinlich die Mätresse Gabrielle d’Estrèes des einstigen Königs von Frankreich, Heinrich IV von Navarra. Bis heute gibt es nur Mutmaßungen wer die Dame neben der Herzogin ist und wer das Gemälde gemalt hat. Genauso wenig weiß man bis heute zu sagen, was die seltsamen Gesten der Edeldamen zu bedeuten haben.
Knapp vierhundert Jahre nach dem mysteriösen Tod der Mätresse übergibt der Bibliothekangestellte Koszinski Michelis ein fast hundert Jahre altes Manusskript eines seiner Vorfahren: in diesem wird versucht dem geheimnisvollen Bild und dem Tod der Herzogin auf die Spur zu kommen und das Rätsel zu lösen.
Ist Gabrielle d’Estrèes wirklich einem Mordkomplott zum Opfer gefallen oder sind die Gründe für das Bild ganz woanders zu suchen?
Die Purpurlinie ist der Debutroman des 1961 in Karlsruhe geborenen Autors Wolfram Fleischhauer.
In diesem erzählt er die Geschichte einer königlichen Mätresse des 16. Jahrhunderts und einem Bild, das bis heute sein Geheimnis zu hüten scheint.
Der Autor selbst bezeichnet sein Erstlingswerks als „romanhafte Bildinterpretation“. Das stimmt; ist aber nur die einer Hälfte des Buches: in der anderen beschreibt der Autor – der 5 Jahre Quellen zu dem Gemälde, Heinrich IV und seiner Mätresse studierte – das Gesellschaftsbild eines Staates, das vom Krieg zerfressen ist, dass sich nach Frieden sehnt und einem Mann der dies verwirklichen könnte: Heinrich IV. In schillernden Farben erzählt Fleischhauer die Geschichte der außergewöhnlichen Liebe Heinrichs zu seiner Geliebten und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund auch die Personen zu Wort kommen zu lassen, die Gabrielle d’ Esstrèes lieber Gestern als Morgen vom französischen Hof entfernt hätten.
Pluspunkte streicht Fleischhauer mit seinem Anhang ein: dort erklärt er genau, was Fakt ist und was seiner Fantasie entsprungen ist. Er stellt somit keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit seiner Thesen. Wirklich positiv! Gibt es doch den ein oder anderen Autor die behaupten in ihren Büchern nur Fakten verwoben zu haben…
Wolfram Fleischhauer erzählt in seinem Erstlingswerks eine Geschichte, die zum Rätseln einlädt und gespickt ist mit historisch verbürgten Fakten und Fiktion.
Ein Roman, der vorallem Kunst und Geschichts Liehabern gefallen wird.
Rebecca
Droemer/Knaur Verlag, 2003, Taschenbuch 8,95 €, 432 Seiten, ISBN: 978-3426625927
Geschrieben in Rebecca, History/Fantasy | Keine Kommentare »
“Minutenwalzer” von Richard Mason
13.11.2008 von Krümel.
Ein großartiger Unterhaltungsroman, der allerdings ein paar nachdenkliche Fragen hinterlässt in wie weit da über eine Krankheit spekuliert wird und sie evtl. verharmlost.
Die erste Handlungsebene ist schnell beschrieben: Eloise ist Investmentmaklerin und sucht für ihre Mutter ein passendes Altersheim. Das luxuriöse “Albany” erfüllt ihren Ansprüchen, es ist allerdings auch sehr kostspielig. Und so setzt Eloise ihre kompletten Karten (privat und unternehmerisch) auf einen Rohstoff, der laut Aussage eines guten Freundes in der Zukunft eine große Rolle spielen wird. Zunächst steigt der Kurs steil an, doch dann fällt er ins bodenlose. Panik bricht bei Eloise aus.
Viel interessanter fand ich die Erzählebene von Joan, Eloises Mutter. Sie ist die Enkeltochter einer Burenfamilie in Südafrika. Ihre Großmutter wurde während des Burenkriegs in ein Konzentrationslager interniert, wo sie ihre Kinder der Reihe nach sterben sah.
Diese Geschichte verknüpft sich später mit einer anderen historischen Geschichte, und beide zusammen sollen dann die Phantasie und Halluzinationen von Joan darstellen, die Wirklichkeit und Traum nicht mehr auseinander halten kann.
Ich war zunächst begeistert davon, dass sich ein Autor in das Empfinden einer Demenzkranken hinein zu versetzen versuchte. Und was er über diese Krankheit schreibt, Lewy-Body-Demenz (Demenz mit Parkinson gekoppelt), hat Hand und Fuß und ist stimmig. Aber nach und nach kamen meine Bedenken, ob dies nicht zu positiv dargestellt wurde. Denn Joan verfällt gerne in diese Anfälle, sie flüchtet in sie hinein, sie werden ihr zum Sinn und Lebenszweck, und sie entzieht sich “bewusst” der Realität.
Zu Beginn hatte der Leser noch das Gefühl, dass es sich um harmlose Phantasien handle, doch sukzessive stellt es sich als ernst zunehmendes Problem dar.
Was der Autor allerdings glänzend herausarbeitet hat, ist die Zerrissenheit. Nicht nur zwischen Halluzination und Wirklichkeit, sondern auch bei den Emotionen der Protagonisten und ihren Beziehungen zueinander sowie zu ihrem Lebensstil.
Mir hat der “Minutenwalzer” eigentlich sehr gut gefallen, wenn der bittere Beigeschmack der Verharmlosung nicht gewesen wäre. Es hat mich gepackt, es war spannend, unterhaltsam und sogar informativ, ein guter Schmöker.
Heidi Hof
Kindler Rowohlt Verlag, 2008, OT: The Lighted Rooms, Übersetzung: Judith Schwaab, Hardcover €, 640 Seiten, ISBN: 978-3-463-40535-3
Geschrieben in Krümel, Roman | Keine Kommentare »
“Lebenslügen” von Kate Atkinson
10.11.2008 von Krümel.
Als Joanna Hunter sechs Jahre alt war, wurden vor ihren Augen ihre Mutter, ihre ältere Schwester und ihr kleiner Bruder grauenvoll ermordet. Das kleine Mädchen konnte sich retten, indem sie vor dem Verbrecher davonlief.
Inzwischen ist Joanna Hunter Mitte 30, Ärztin, verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes. Traumatisiert von diesem schrecklichen Erlebnis in ihrer Kindheit versucht sie, sich eine eigene Familienidylle aufzubauen, was ihr auch recht gut gelingt. Doch der insgeheime Vorwurf damals nicht alles versucht zu haben, um ihren kleinen Bruder zu retten, überschattet ihr Leben.
Als – nach 30 Jahren Haft – der Mörder ihrer Familie wieder auf freien Fuß gesetzt wird, wird Joanna Hunter von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sie verschwindet unter sehr mysteriösen Umständen. Der Hartnäckigkeit ihres Kindermädchens Reggie – das ebenfalls eine sehr schwierige Kindheit hinter sich hat und sehr an Dr. Hunter hängt - und dem Einsatz des Detektives Jackson Brodie sei Dank, dass Mrs. Hunter wieder ihren Platz in der Welt findet.
Was vorerst als Kriminalroman anmutet, entpuppt sich jedoch als weitschweifender Roman über die Einzelschicksale mehrerer Protagonisten, die alle schwere Verluste und menschliche Tragödien zu beklagen haben. Die Fäden der vorerst parallel geführten Handlungen kreuzen sich im Laufe des Buches immer mehr und führen letztendlich zusammen. Der Erzählstil auf mehren Zeitebenen lässt dem Leser oftmals einen „Vorsprung“ und wird ein- und dieselbe Szene im nächsten Kapitel aus einer anderen Sicht geschildert.
Obwohl der Roman über weite Strecken hin sehr spannend ist, würde ich ihn nicht unbedingt als „Kriminalroman“ einordnen. Selbst Detektiv Jackson Brodie wird weniger in seiner Rolle als Privatdetektiv, als vielmehr in der Rolle eines Menschen, dessen Schwester einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, beleuchtet.
„Lebenslügen“ ist nach „Die vierte Schwester“ (2005) und „Liebesdienste“ (2007) der dritte Roman rund um Detektiv Jackson Brodie. Ich kenne die beiden Vorgänger-Bücher nicht und meine auch, dass es für das Verständnis von „Lebenslügen“ nicht unbedingt erforderlich ist.
Kate Atkinson, geb. 1951 in York, studierte Englische Literatur und Amerikanistik an der Universität in Dundee. Nachdem sie in verschiedenen Berufen arbeitete begann sie in den 1980-er Jahren mit dem Schreiben. Mit ihrem Roman „Familienalbum, 1995) gelang ihr der große Durchbruch. Sie lebt mit ihren beiden Töchtern in Edinburgh.
Christine
Droemer/Knaur Verlag, 2008, Übersetzung: Anette Grube, Hardcover 18,95 €, 432 Seiten, ISBN: 978-3426198193
Geschrieben in Christine, Roman | Keine Kommentare »
“Im Irrgarten der Intelligenz/Ein Idiotenführer” - Hans Magnus Enzensberger
8.11.2008 von Krümel.
Aus meiner Sicht fördert dieses Büchlein nichts Neues zutage.
Was soll ich von einem Büchlein erwarten, welches gerade mal knapp 60 Seiten hergibt, und über ein solch brisantes Thema erzählt, es allerdings von einem klugen Kopf geschrieben worden ist? Nicht all zu viel, dann werden die Erwartungen auch nicht enttäuscht.
Mir diente es als praktische Handtaschenlektüre beim Arztbesuch, und die Stunden die ich dort verbringen musste, hat mir dieser Essay versüßt.
Enzensberger beschreibt zunächst sehr ausführlich woher überhaupt das Wort Intelligenz stammt, und dessen ursprünglicher Gedanke. Dann werden einige Namen erwähnt, die sich mit dem Intellekt und seinen Test zur Bestimmung auseinandergesetzt haben.
Der Teil wo es dann um die Bestimmung von der Größe des IQ´s ging, den fand ich eindeutig zu kurz geraten, denn das ist das Augenmerk, worauf es dem Leser eigentlich ankommt. Und da sagt uns der Autor eigentlich nur, das ein oder der IQ-Test nichts taugt, weil zahlreiche Talente ständig durch das Raster fallen, weil dieser Test stark subjektiv ist, und eigentlich nur die Anforderungen des Testersteller thematisieren. Das große Physiker-Genie kann dabei völlig unterdurchschnittlich abscheiden, und das Genie verkannt werden. Aber diese Aussage war mir schon lange bewusst, alleine deshalb, weil ich einen solchen Test auch schon gemacht habe, und musikalische Talente werden sicherlich nicht mit diesem Test erfasst
Heidi Hof
Suhrkamp Verlag, 2007, Taschenbuch 7 €, 59 Seiten, ISBN: 978-3-518-12532-8
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“Der gestohlene Abend” von Wolfram Fleischhauer
6.11.2008 von Krümel.
Matthias ist als Stipendiat für ein Jahr an der renommierten kalifornischen Universität Hillcrest und studiert dort Literaturwissenschaften. Diese ist das Mekka für all jene, die sich den Theorien des anerkannten Literaturwissenschaftlers de Vander widmen möchten. Am Pool lernt der Deutsche die Studentin Janine kennen und verliebt sich in sie. Janine erwidert seine Gefühle und trennt sich wegen dieser neuen Beziehung schon bald von David, dem Fakultätsprimus, der von einer Europareise so verändert zurückkehrte. Als Davids Interesse an Matthias zunimmt, ist dieser zunächst verwundert, aber auch neugierig und so begleitet er David auf einen Ausflug, nach dem sich für Matthias sehr vieles ändert. Immer mehr beschäftigt ihn dieser „gestohlene Abend“.
Nachdem ich etwa ein Drittel des Buches gelesen hatte, dachte ich mir, eine Dreiecksgeschichte ist es also, was Wolfram Fleischhauer seiner Leserschaft präsentiert. Ich war verwundert, dieses Buch war bis auf die sehr schöne Sprache des Autors so gar nicht fleischhauertypisch, sie war mir zu einfach gestrickt und leichte Enttäuschung machte sich trotz des sehr ansprechenden Stils breit. Aber Wolfram Fleischhauer wäre nicht er selbst, wenn er den Leser auf so einfache Art und Weise abspeisen würde. Schon ein paar Seiten weiter begann die Geschichte zu leben, sie nahm Tempo auf und die zuvor monierte Dreiecksgeschichte bildete nur noch die Rahmenhandlung, im Zentrum standen Davids Nachforschungen über eben jenen Literaturwissenschaftler de Vander, der in Hillcrest so verehrt wurde. Ungeheuerliches wurde über ihn aufgedeckt.
In einem Interview der Allgemeinen Zeitung mit dem Autor las ich, dass dieser Roman einen autobiografischen Hintergrund habe. Es ist wohl sein persönlichster.
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, das belegt auch die Tatsache, dass ich mir für ihn eine Nacht um die Ohren geschlagen habe, weil ich ihn nicht mehr zur Seite legen mochte. Und trotzdem fehlte mir in diesem wirklich guten Buch die Einzigartigkeit, die ich bisher in jedem Buch Wolfram Fleischhauers fand.
„Der gestohlene Abend“ ist ein sehr gutes, interessantes und sehr lesenswertes Buch über Verantwortung und Wahrheit, Lüge und Verschweigen, Liebe und Entfremdung, dem das letzte bisschen Brillanz fehlt um ein fantastisches Buch zu sein. Ich habe diesen Roman sehr gern und sehr schnell gelesen. Meine Leseempfehlung erhält er allemal.
Heike
Piper Verlag, 2008, Hardcover 19,90 €, 368 Seiten, ISBN: 978-3492048477
Geschrieben in Heike, Roman | Keine Kommentare »
“Liebesleben” von Zeruya Shalev
4.11.2008 von Krümel.
Ja´ara scheint mit ihrem Leben ganz zufrieden zu sein, bis zu einem schicksalhaften Nachmittag in der Wohnung ihrer Eltern an dem sie den Jugendfreund ihres Vater trifft: Arie.
Und diese Begegnung wirft ihr ganzes Leben durcheinander.
Sie fängt an ihren Job und ihren Mann zu vernachlässigen und setzt beides aufs Spiel nur um Arie zu treffen.
Und tatsächlich: beide beginnen eine Affäre; wenn auch eine ungewöhnliche Affäre.
Ja´ara scheint abhängig von Arie zu sein und tut alles, um ihn zu gefallen. Und Arie scheint davon abhängig zu sein, das jemand von ihm abhängig ist.
Und so beginnt Ja´ara einer Illusion hinterher zu rennen.
Liebesleben ist der 1. Teil von Shalev´s Trilogie über die moderne Liebe.
Und ich muss direkt vorweg schicken: es ist ein Buch, dass mich gefesselt hat, aber hauptsächlich auf Grund des Erzählstils und Schreibstils, denn die Handlung weist doch ein paar Schwachstellen auf.
Shalev erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Affäre, allerdings scheint diese fest zustecken.
Arie und Ja´ara führen eine Beziehung, die ich in keinster Weise nachvollziehen kann: ich habe wirklich Probleme einer Frau wie Ja´ara Verständnis oder selbst Mitleid entgegen zu bringen, die für einen egoistischen, selbstgefälligen Mann ihr ganzes Leben, alles was sie sich aufgebaut hat, riskiert. Erst recht, wenn man bedenkt, dass sie weiß, dass sie das was sie tut besser nicht tun sollte und sie eigentlich weiß, was als Konsequenz auf sie warten wird und sie diese Konsequenz eigentlich nicht möchte und im Grunde nicht wird ertragen können.
Das ist aber nicht mein eigentlicher Kritikpunkt: es gibt solche Beziehungen nun mal und nur weil ich sie mir nicht vorstellen kann, oder vielleicht auch will, muss das Buch nicht schlecht sein.
Aber: man liest 369 Seiten und die Beziehung dreht sich immer und immer wieder nur im Kreis. Es findet keine Entwicklung statt. Die letzten 10 Seiten zeigen dann eine Entwicklung, die aber dann nicht tiefgründig genug ist und einfach zu spät kommt.
Auch die Charaktere bleiben einem fern und eher unsympathisch. Allerdings ist das vollkommen in Ordnung, denn eigentlich dienen sie nur dazu eines zu zeigen: es ist unmöglich eine glücklich Beziehung zu jemanden einzugehen und auch sein Leben zu leben, wenn man nicht weiß wer man ist.
Ein, wie ich finde, wirklich tolles Buch, dass allerdings hauptsächlich von seinem Erzählstil lebt und weniger von der Geschichte.
Rebecca
Berliner Taschenbuch Verlag, 2003, Übersetzung: Miriam Pressler, Hardcover 12 €, 367 Seiten, ISBN: 978-3833300721
Geschrieben in Rebecca, Roman | Keine Kommentare »




