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„Verlorene Illusionen“ von Honoré de Balzac
2.9.2010 von Krümel.
Ein wunderbarer Schmöker!
David, der Sohn eines Druckers, hat ein schweres Los. Sein Vater ließ ihn zwar eine gute Schule besuchen, aber auf seine Bildung ist er fast bösartig eifersüchtig. Er entwickelt sich zum großen Geizhals und verkauft seinem Sohn die Druckerei zu einem überhöhten Preis, die er per Raten abstottern soll. Davids Startsituation ins Leben ist damit alles andere als günstig, nein er ist dadurch finanziell ruiniert.
Im Leben lernt man dann oft seinesgleichen kennen. Das Geschwister-Pärchen Chardon, der Vater ein kluger Apotheker lernt eine Adelige kennen und lieben, die durch diese Heirat ihren Titel und Anspruch auf Namensweiterführung „de Rubempré“ entzogen bekommt. Nach dem Tod des Vaters knapsen diese Drei am Hungerstuch. Lucien wird für David ein Bruder und in Ève verliebt er sich gleich.
Lucien liebt das süße Leben. Die Königin der Provinz soll die Seine werden. Und sie hat diesen Schönling auch direkt an der Angel. Nach einem Zwischenfall in Angoulême machen sich die Liebenden auf den Weg nach Paris. David und Ève geben Lucien ihr letztes Geld, damit er seinen Traum in der Hauptstadt verwirklichen kann. Denn er will ein berühmter Dichter werden …
Im Grunde genommen handelt das ganze Buch nur von einem Thema: Geld! Geld und wie es auf die Menschen wirkt. Und trotzdem die Weichen sehr früh für die handelnden Figuren gestellt sind, wird der Roman nie langweilig oder gar platt. Immer wieder kommt der Autor mit neuen und interessanten Spielvarianten an, beispielsweise die Eitelkeit und die Tugend, und wie sich diese Beiden nicht gerade festlich vereinen, und andere Blickwinkel, wodurch sich ein unaussprechlicher Sog entwickelt, so dass man das Buch kaum aus den Händen legen möchte.
„Die Großen begehen beinahe ebenso viele Feigheiten wie die Armen; aber sie begehen sie im Schatten und rücken ihre Tugend in den Vordergrund: sie bleiben groß. Die Kleinen entfalten ihre Tugenden im Schatten und breiten ihr Elend offen aus: sie werden verachtet.“
Balzac zeigt im zweiten Teil das damalige gesellschaftliche Leben in Paris, die Politik, den Adel sowie das Zeitungs-. und Verlagswesen, und außer dass es früher bunter und sich prächtigter lebte, spiegelt mir der Autor eine Zeit, die sich mit der heutigen messen kann. Auch heute bestimmen die „Spieler“ wer oder was „in“ oder „out“ ist. Geld regiert die Welt.
Ich möchte auch heute nicht wissen wie viele wirkliche Talente von Nachwuchsautoren in irgendwelchen Schubladen verstauben, weil ein Verlag das Risiko scheut und lieber dem „Mainstream“ folgt, weil ein solches Werk auf jedem Fall eine gute Presse bekommt. Umgekehrt erlebt man es desöfteren, welch 0-8-15 Werk in den Himmel gelobt wird.
„Es gibt keine Gesetze mehr, es gibt nur noch Gesellschaftssitten, das heißt Künstlichkeit und Schein.“
Die wunderbare Sprache, die dieses Buch trägt (Kompliment an die Übersetzung), macht es zu einem rundherum perfekten Schmöker. Es besitzt keine Längen, trotz der 850 Seiten, die Handlung ist spannend, aber dennoch klug und weise. Für mich ein Highlight in diesem Jahr!
Büchergilde Gutenberg 2007, OT: Les Illusions perdues in drei Teilen von 1837, 1839 und 1844, Übersetzung: Otto Flake, Hardcover 21,90 €, 858 Seiten, ISBN: 978-3-7632-5888-8
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“Der Geist am Berg” von Tim Krohn
17.8.2010 von Krümel.
Eine amüsante Gegenüberstellung.
Die Stine wächst auf der Piz Spiert Alp auf. Doch der Berg droht seit einiger Zeit zu zerbröseln. Immer wieder werden die Ziegen, die die Stine, ihre Mutter und der Severin dort oben hüten, von Gesteinsbrocken erschlagen. Die Berghütte weist vom Steinschlag nach und nach überall Löcher, Risse und starke Schäden auf. Als dann auch noch der Stromaggregat kaputt geht, bedeutet dies letztendlich das Aus für die Drei.
Die Stine, die mit den Ziegen oben auf der Alp von Stein zu Stein springt, und wie ein Tier stundenlang auf der Stelle verharren kann, erhält einen Job als Zimmermädchen im Grandhotel, wenige hundert Meter unterhalb des Piz Spiert. Dort lernt sie Bruno kennen.
Animalisch frönen diese Beiden ihre Leidenschaft. Das Archaische übt auf Bruno eine unbändige Lust aus, dass er ihr das Blaue vom Himmel verspricht … Bis er eines Tages keinen Nerv mehr auf die Stine hat!
Diese Gegenüberstellung von Zivilisation und dem Archaischen fand ich sehr plastisch, aber auch sehr drastisch transportiert. Allerdings ist das so nun mal bei Märchen! Mir gefiel der Humor und Stil äußerst gut.
Krümel
Galiani Verlag Berlin 2010, Hardcover 13,90 €, 78 Seiten, ISBN: 978-3-86971-022-8
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“bonjour tristesse” von Françoise Sagan
10.8.2010 von Krümel.
Was für eine wunderbare Erzählung!
Cécile, die Ich-Erzählerin, verbringt die großen Ferien mit ihrem Vater in einer Villa am Mittelmeer. Die Beiden, Vater und Tochter, lieben „das süße Leben“. Und so ist die Freundin des Vaters auch dabei, sie ist gerade mal ein paar Jahre älter als die Cécile. (Die Mutter von ihr ist sehr jung verstorben, und Cécile wurde danach in einem Mädchen-Pensionat erzogen. Erst vor zwei Jahren holte der Vater sie wieder zu sich.) Die „Vier“ genießen das herrliche Strandleben, zumal Cécile Cyrill kennen lernt …
Doch dann trifft Anne ein, ganz unverhofft hat sie die Einladung angenommen.
Anne war die beste Freundin von Céciles Mutter und hat sich dem Mädchen seit Jahren als eine Art Ersatzmutter angenommen. Sie ist eine intelligente, kluge und belesene Frau von Welt, die mit dem geistlosen, oberflächlichen Leben der Beiden wenig anfangen kann!
Und so beginnen alle Probleme.
„Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit.“ (Erster Satz)
Die Sprache (zumindest in der Übersetzung von Helga Treichl) ist wunderbar melodisch und gefühlvoll, sie trägt die Handlung und den Leser leicht federnd. Diese tiefe Leichtigkeit hat mich beeindruckt und bewegt. Unbeschwert liest man diese Erzählung, egal ob linear mit Tiefgang oder in anderer höherer Ebene, wunderbar!
Krümel
Bertelsmann Lesering 1961, OT erschien 1954, Übersetzung: Helga Treichl, Hardcover vergriffen, 190 Seiten (das habe ich gelesen)
Ullstein Verlag 2005, Taschenbuch 7,95 €, 183 Seiten, ISBN: 978-3548262772
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“Herz der Finsternis” von Joseph Conrad
3.8.2010 von Krümel.
Eine Reise ins Innere der Seele.
Der Held dieser Erzählung Marlow schafft es von einer belgischen Handelsgesellschaft als Kapitäns eines Kongo-Frachtboot für einen Handelsposten eingestellt zu werden. Voller Eifer und Elan macht sich der junge Mann auf den Weg und muss allerdings schnell erkennen, dass in der dunklen Wildnis Afrikas die Kolonialisten einen barbarischen Handel betreiben. Ein einzelnes schwarzes Menschenleben zählt nicht mehr als Schlachtvieh zum Verzehr.
Immer wieder hört Marlow den Namen Mr. Kurtz. Mr. Kurtz der bald die gesamte Organisation beherrschen werde. Wer ist dieser Mann? Und warum wird er so geheimnisvoll beschrieben?
Was und Wie es letztendlich zu dem kam, dessen Rätsel der Leser auf der Spur ist, kann nur erahnt und zwischen den Zeilen heraus gelesen werden. Aber die Reise ins Innere unserer Seele hat Conrad sehr anschaulich heraus gearbeitet.
Conrad verteufelt weder noch verherrlicht er etwas, und diese Haltung gefiel mir sehr bei dieser Novelle, die ich gerne weiterempfehlen kann.
Annaconda Verlag 2006, OT: Heart of Darkness 1899, Übersetzung: Elli Beger, Werner Beyer + Lore Krüger, Hardcover 2,95 €, 141 Seiten, ISBN: 3-938484-79-9
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“Der Duft des Schnees” von Helen Dunmore
28.7.2010 von Krümel.
Catherine wächst auf einem tristen und weit ab vom geselligen Leben Landgut auf. Ihre Mutter hat das Gut fluchtartig verlassen und ihr Vater ist darüber dem Wahnsinn verfallen. Sie und ihr Bruder Robert werden von Kate, dem Hausmädchen und dem Großvater erzogen. An ihre Eltern sind nur noch vage Erinnerungen zurückgeblieben, und so ist es kein Wunder, dass die Geschwister unzertrennlich werden. Sie kennen ihre Gefühle, Gedanken und Ängste und „niemand weiß es, nur wie zwei“.
Sie besuchen als Kinder ein letztes Mal ihren Vater in einem Sanatorium. Beide bekommen mit, dass ihr Vater in sich gekehrt und ganz anders ist als zuvor. Bedrohlich ist dann die Abschiedsszene und wenig später ist er verstorben.
Die einzige Abwechslung auf dem Gut sind die seltenen besuche von Mr. Bullivant. Er spielt mit dem Großvater Schach oder spaziert mit Catherine durch seine Besitztümer. Eines Tages bringt er ihr einen Brief ihrer Mutter mit, die er in Frankreich hat kennen gelernt.
Trist und trostlos wachsen diese jungen Menschen auf, nur der Ball, den der Großvater ausrichtet, obwohl das weit über seine finanziellen Möglichkeiten liegt, ist die große Ausnahme. Und immer enger zieht sich das Band um die Geschwister …
Helen Dunmore beschreibt sehr plastisch wie es zu dem kommen konnte was nicht geschehen durfte. Und der Leser begreift es und betrachtet es als die einzige Möglichkeit, die den Zweien letztendlich übrigblieb.
Ein einfühlsames Buch, welches ich gerne weiter empfehlen kann.
Krümel
Lübbe Verlag 2000, OT: A Spell of Winter 1995, Übersetzung: Lore Pilgram, Hardcover €, 410 Seiten, ISBN: 3-7857-1511-0
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“Letzte Nacht in Twisted River” von John Irving
22.7.2010 von Krümel.
Höhen und Tiefen, alles war vorhanden.
Coos Country, Danny und sein Vater Dominic leben am Holzfäller-Fluss Twisted River, einer kleinen Gemeinde von Arbeitern in den Wäldern von New Hampshire. Dominic ist der Koch der Holzfäller, und eigentlich will und wollte er schon immer fort um Danny ein besseres Leben zu ermöglichen …
Als dann der Sohn die Freundin des Kochs mit der Bratpfanne erschlägt, wird es auch höchste Zeit den Ort zu verlassen, zumal sie die Geliebte des Hilfssheriffs war. So beginnt der Roman, das ist der Dreh.- und Angelpunkt der Geschichte.
Vater und Sohn flüchten nach Boston. Dominic wird Koch in einem italienischen Restaurant, und findet auch wieder eine neue Freundin. Danny entdeckt, dass er Schriftsteller werden möchte. Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht das Bratpfannenereignis wäre und sie weiter flüchten müssen, da der Sheriff sie gefunden hat …
In Vermont richten die Beiden wieder ihr Leben neu ein. Doch ab dort mischt sich zu dem ganzen typischen Irving-Stil (skurrile Figuren, abenteuerliche Situationen, starke Frauen, schwache Männer) eine schleichende Lethargie in die Handlung hinein. Dem Leser werden zwei Dinge klar: Man kann nicht sein Leben lang auf der Flucht sein; und Danny der Schriftsteller wird zum Sprachrohr Irvings.
Diese aussichtslose Situation zieht sich durch ganz Vermont, und ich war mehrfach geneigt das Buch zur Seite zu legen. Zum Glück hat mich das Gefühl, dass Irving mir mittels Danny noch etwas flüstern möchte, bei der Stange gehalten. Dann endlich erfolgt der ersehnte Schlag …
„Letzte Nacht in Twisted River“ ist Irvings politischster Roman. In aller Deutlichkeit und in der derbsten Sprache schreit der Autor etwas in die Welt, was wohl sehr tief in ihm brodelte und einfach heraus musste. Im Nachhinein passt der langatmige Mittelteil sehr genau in dieses Bild der Befreiung (Ruhe vor dem Sturm), und somit ist der ganze Roman in sich doch stimmig.
Persönlich fand ich diese Stellungnahme beeindruckend, ich mag es, wenn man Farbe bekennt und zu etwas steht! Ob nun dieser Roman darunter gelitten hat, wie man das teilweise in Kritiken liest, da Irving eben kein politischer Autor ist, das mag evtl. zutreffen. Das Bedürfnis kann ich allerdings nachvollziehen und gutheißen, und im Großen und Ganzen mochte ich auch dieses Werk von Irving.
Krümel
Diogenes Verlag 2010, OT: Last Night in Twisted River, Übersetzung: Hans M. herzog, Hardcover 26,90 €, 731 Seiten, ISBN: 978-3-257-06747-7
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“So zärtlich war Suleyken” von Siegfried Lenz
15.7.2010 von Krümel.
Mit jeder Geschichte spinnt sich ein detailgetreues Gemälde um die Masuren.
Des Erzählers Großvater wird nach Kulkaken zum Kommandant Trunz beordert, er solle einen Oberfüsilier ersetzen, der krank geworden ist. Und so macht sich der Großvater mit seiner Schrotflinte und einem Stück Rauchfleisch auf den Weg. Als er in der Garnison eintrifft sitzen die anderen Kammeraden in einem Vortrag, wozu er sich auch gesellt. Trunz nimmt auch direkt den Neuling dran, fragt seine Reden ab, die der Großvater selbstverständlich nicht mitbekommen hat. Dieser aber nicht auf den Mund gefallen, plappert freudig drauf los, und bringt damit den Kommandant auf die Palme. Ein Wutanfall, Trunz flippt aus …
Lange Rede kurzer Sinn, Opa geht schlafen, er ist platt von der langen Anreise. Er legt sich ins Bett und schläft direkt ein. Am anderen Morgen eine ähnliche Situation: Trunz unterrichtet wie man Schmuggler überführt, und unser Held gerät wieder mit dem Kommandant aneinander. Daraufhin schnappt sich der Großvater seine Flinte und geht … Wie unter Schafen im Schafspelz erwischt er die anderen getarnten Schafe und bringt sie Trunz, die Schmuggler.
„Übrigens blieb er bei den Kulkaker Füsilieren nicht bis zu seinem Tode; im Frühjahr verschwand er eines Tages zum Kartoffelpflanzen und kam nicht mehr zurück.“
So das ist eine der zwanzig masurischen Geschichten. Alle hängen sie zusammen, oft sind es die gleichen Figuren, und zum Schluss kann man sich ein wirklich gutes Bild über Land und Leute machen. Ein wenig überzogen sind die Geschichten/Figuren alle, denn mit sehr viel klugen Humor werden ihre Charakteren gezeichnet. Ihre Begriffsstutzigkeit wird oft nur als Vorwand benutzt, denn darin steckt oft eine gute Portion Alltagsweisheit. Mir hat dieses Büchlein richtig gut gefallen!
Krümel
Büchergilde Gutenberg 2008, Erstveröffentlichung 1955, Fadenbindung Hardcover €, 173 Seiten, ISBN: 978-3-7632-5947-2
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“Marie Antoinette” von Stefan Zweig
8.7.2010 von Krümel.
Eine Roman-Biographie!
Stefan Zweig schildert sehr eindringlich das Leben der Marie Antoinette. Beginnend mit der Reise der 15 Jährigen nach Frankreich, wo sie die Königin des Landes werden soll. Die Häuser Habsburg und Bourbon sollen durch diese Ehe ein Bündnis schließen, Blutvergießen vermeiden und Kriege verhindern.
Zunächst lebt das Paar noch unter der Herrschaft von Ludwig den XV., dem Vater des Dauphins, Ludwig den XVI.. Mit 21 Jahren besteigt dann die junge Königin den Thron und zeigt von nun ab ihr wahres Gesicht:
Marie Antoinette ist eine Verschwenderin in jeglicher Sicht. Nur um ihre Langweile zu vertreiben, wirft sie die Staatseinnahmen mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Und ihr Gatte schenkt ihr noch zum Zeitvertreib ein kleines Schloss „Trianon“, in der Nähe von Versailles, welches Marie Antoinette in ein Rokoko-Schloss verwandelt. Zusammen mit ihren Roben und dem Schmuck kostet sie ein Vermögen. Alles zu Zeiten in denen das Volk kaum weiß sich zu ernähren und Frankreich in eine Krise gerät. Zum Schluss wird die „Halsbandaffäre“ das Zünglein auf der Waage sein …
Die Monarchie von Frankreich unterliegt der Revolution, Häupter werden geköpft!
Der Leser erhält sicherlich einen guten Überblick über das Geschehen der Zeit und ihren Wandel. Nur der Stil hat mir überhaupt nicht gefallen, zu subjektiv wird über Gefühle, Gedanken und Empfindungen der Königin spekuliert, gepaart mit Fakten und politischen Zusammenhängen. Diese Kombination aus romanhaften Erzählen und informativen Berichten hat mir nicht gefallen. Oftmals haben sich gar meine Nackenhaare aufgerichtet, so sehr störte mich diese Herangehensweise.
Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren, lebte von 1919 bis 1934 in Salzburg, emigrierte von dort nach England und 1941 nach Brasilien. Sein episches Werk machte ihn ebenso berühmt wie seine historischen Miniaturen und die biographischen Arbeiten. Am 22 Februar 1942 schied er in Petrópolis, Brasilien, freiwillig aus dem Leben.
Krümel
RM Buch und Medien Vertrieb GmbH, 2007, erschien erstmals 1932, Softcover vergriffen
Fischer TB Verlag, 1980, Taschenbuch 12,95 €, 592 Seiten, ISBN: 978-3596222209
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“Roman eines Schicksallosen” von Imre Kertész
22.6.2010 von Krümel.
Ein sehr bedrückender Roman!
Schon alleine das erste Kapitel hat mich innerlich ziemlich aufgewühlt. Die Perspektive aus der Sicht des 15 jährigen Jungen, der sich teilweise so naiv verhält, dass es extrem auffällig ist, um dann andererseits so altbacken zu sein. Im weiteren Verlauf des Buches gesellt sich dazu noch eine absolute Demutshaltung, womit ich nur schwer umgehen konnte.
“Wenn ich es richtig sehe, besteht ihre Erfindung darin, daß der Stoff irgendwie auf ein Stück Karton bespannt ist, und das ist natürlich hübscher, ja, und dann sind auch die Zacken der Sterne nicht so lächerlich verschnitten wie bei mancher Heimfertigung.”
Gyurka ist Ungar. Sein Vater wurde 1944 in ein Arbeitslager verschleppt und er wird kurze Zeit später auch, zuerst nach Auschwitz, dann Buchenwald und von dort nach Zeitz, deportiert.
In Auschwitz sieht er die rauchenden Schornsteine des Krematoriums und ihrem bestialischen Gestank, und denkt sich dabei, es wäre eine Lederfabrik, die er einst mit seinem Vater besucht hatte.
Er berichtet vom Lager, von den typischen Strapazen und Gräuel, mit einer solchen „Hingabe“, dass es dem Leser wie Messer unter die Haut geht. Es ist kaum zu ertragen. Er empfindet Glück und Freude im Lager!
Diese Betrachtungsweise erinnert stark an eine Marionette, die nur an Fäden gespielt wird und die kein wirkliches eigenes Schicksal hat.
Und in der Tat ist es nur diese Sicht, der einen diese Situation ertragen lässt. Alles andere, die Abwehr, der Kampf, das Aufbegehren, hätte sicherlich zum direkten Tod geführt. Nur das sich Einfügen hält einen Lagerinsassen am Leben.
Das Buch ist sehr tief, und der Leser beschäftigt sich sehr intensiv mit der Geschichte. Eine klare Empfehlung!
„Wir selbst sind das Schicksal.“
Imre Kertész, 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Er ist Übersetzer von Freud, Nietzsche, Hofmannsthal, Canetti, Wittgenstein u. a.. Die jahrzehntelange Arbeit am „Roman eines Schicksallosen“ finanzierte er durch Unterhaltungsstücke fürs Theater.
Krümel
Büchergilde Gutenberg 1997, OT: Sorstalanság 1975, Hardcover vergriffen, 286 Seiten, ISBN: 3-7632-4677-0 (gelesen)
Bild oben: rororo Verlag 2009, Übersetzung: Christina Viragh, Taschenbuch 10 €, 336 Seiten, ISBN: 978-3499253690
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“Der Liebhaber” von Marguerite Duras
8.6.2010 von Krümel.
Ein absolutes Atmosphärenbuch!
Scheibchen für Scheibchen liest sich der Leser in diese beklemmende Stimmung hinein. In Rückblenden erzählt das alternde Ich aus ihrer Kindheit in Indochina. Mit 15 ein halb Jahren lernt sie auf der Überfahrt zum Internat den reichen Chinesen kennen, und geht mit ihm eine Affäre ein. Er ist doppelt so alt, schüchtern und zerbrechlich, und ihre gesellschaftliche Herkunft wird durch diese Liaison untermauert.
Sie ist die französische Weiße, eine Schönheit mit ihrem abgetragen weiß-durchsichtigen Seidenkleid, dem Männerhut und den goldenen Schuhen. Und sie flüchtet in diese einseitige Liebesbeziehung, weg von ihren Brüdern, ihrer Mutter und am Ende aus dem Land. Sie will Schriftstellerin werden und keine Mathematikerin!
Großartig transportiert Duras diese Gefühlswelt. Eine Atmosphäre, die so hoffnungslos, niederschmetternd und trostlos ist, so dass dem Leser nichts anderes bleibt als diese Stimmung in sich aufzusaugen. Perfekt!
Marguerite Duras wurde 1914 in Giadinh/Indochina geboren, lebte seit 1932 in Frankreich und etablierte sich zu einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen Frankreichs. Sie verstarb 1996 in Paris.
Krümel
Suhrkamp Verlag 2006, OT: L´Amant bei Les Éditions de Miniut 184 Paris, Übersetzung: Ilma Rakusa, Hardcover 8 €, 111 Seiten, ISBN: 978-3-518-45843-3
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