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Archiv der Kategorie Satire
“Letzte Lockerung” von Walter Serner
13.10.2007 von Krümel.
Manesse Verlag, 2007
Gebundene Ausgabe 17,90 € (296 Seiten)
In Kürze auch in Leder erhältlich!
ISBN: 978-3717521495
Der Klappentext bezeichnet dieses Buch als „das Sernersche Benimmbuch für Filous“, springt damit aber ein wenig zu kurz, Serners Buch ist weitaus mehr. Walter Serner (1889 – 1942) gibt mit diesem Buch ein klares Bekenntnis zum Dadaismus ab, jener künstlerischen Bewegung die 1916 in Zürich mit der Gründung des „Cabaret Voltaire“ ihren Anfang nahm. Dazu muss man wissen, dass die Dadaisten, ganz bewusst mit den bürgerlichen und zivilsatorischen Idealen brachen, welche die Menschheit in den ersten Weltkrieg geführt hatten.
Walter Serner gibt „Lebenshilfen“ und seine Ratschläge sind manchmal zynisch, manchmal bissig, manchmal auch richtig bösartig und manchmal eben auch ganz einfach nur „dada“. In Nummer 317 heißt es beispielsweise:
„Gehe viel spazieren. (Leute, denen man auf hundert Meter ansieht, dass sie keine Zeit haben, laufen zudem heute zu Hunderttausenden herum.) Lass dir zu allem Zeit. Schnelles Tun gedeiht nicht.“
Es ist kein Buch zum „mal eben schnell durchzulesen“, ganz und gar nicht, aber die eine oder andere Passage zu lesen, wann immer sich eine Gelegenheit bietet, regt unter Garantie das eigene Denken an. Und Denken hat ja bekanntlich noch nie geschadet.
Walter Serner ist ein überaus geistreicher Plauderer, seine Gedanken und Einlassungen zu Reisen und Hotels, Frauen und Männer sind ein schier unerschöpfliches Reservoir für die, wie der Klappentext weiter schreibt, „die sich von der Schamlosigkeit der großen Welt nicht länger zum Narren halten lassen wollen“.
Serner inspiriert, provoziert, macht nachdenklich, macht auch durchaus mal zornig – aber langweilen, nein, das tut er nie.
Jan
Geschrieben in Satire, Jan | 1 Kommentar »
“Der Junge im gestreiften Pyjama” von John Boyne
1.8.2007 von Krümel.
S. Fischer Verlag, 2007![]()
Hardcover 13,90 € (263 Seiten)
ISBN: 978-3596852284
Wie schon im Klappentext beschrieben: Am besten ist es, man liest dieses Buch, ohne dass man weiß worüber es handelt! Und da ein Buch eh aus Karton und Papier zusammengesetzt ist, es scharfe Ecken und Kanten besitzt, wird es dem Leser beim Versuch des Verzehrs sowieso im Hals stecken bleiben! Ein Erlebnis, welches ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten möchte.
Die Schrecken des II. Weltkriegs auf einem Silbertablett geliefert zu bekommen (verhält es sich hier so?), und das aus der Sicht eines neunjährigen Jungen, der absolut ahnungslos ist was um ihn herum vorgeht, diese Naivität, ist gleichsetzen mit der Aussage: Davon habe ich nichts gewusst! Ein Buch, das den Anschein macht, es sei ein Kinderbuch, dessen Thematik aber niemals ein Kinderbuch sein kann, wie geht man damit um?
Es ist makaber und zynisch! Darf es das? Kann man das so schreiben?
Es kommt auch auf die Sicht an, ob von außen, wie in diesem Fall von John Boyne, ist es bestimmt noch eine andere Perspektive, als aus der deutschen Sicht. Mit den Blickwinkel meiner Vergangenheit ist es nur schwer zu verdauen, all die kleinen satirischen Einschübe bleiben im Hals stecken! Schon während der Lektüre ließ mich diese Frage nicht ruhen, ob man diese Thematik so verpacken darf und kann? Das Buch sticht, wie kleine spitze Nadeln, die man fortwährend in die Haut gepiekst bekommt, und der Schmerz fast unerträglich wird. So liest es aus der deutschen Perspektive heraus! Und es darf es! Es soll es sogar!
Ja, man kann diese Schrecken so beschreiben! Denn wie anders soll man jungen Menschen diesen Wahnsinn beschreiben?
Ich kann dieses Buch nur empfehlen, es sollte jeder gelesen haben!
Heidi Hof
Geschrieben in Satire, Krümel | 3 Kommentare »
“Nie wieder achtzig!” von Dieter Hildebrandt
8.5.2007 von Krümel.
Blessing Verlag, 2007![]()
Hardcover 19,95 € (256 Seiten)
ISBN: 978-3896673312
Dieter Hildebrandt, Jahrgang 1927, wird dieses Jahr 80 - eine gute Gelegenheit für den Kabarettisten sich satirisch mit dem Thema “Älterwerden und Altsein in Deutschland” auseinanderzusetzen. Und auch mit der Fußball-WM und dem Fernsehen. Und mit Angela Merkel. Mit Wackersdorf und einer schlesischen Reisebekanntschaft. Mit der CSU, Stoiber, Strauß und Beckstein sowieso.
Hildebrandt hüpft und springt in kurzen Kapiteln durch seine Gedanken und ich als Leser begleite ihn dabei gerne und amüsiere mich: Da heißt ein Kapitel “Meinungsaustausch” und driftet vom Thema “Talkshows” ganz schnell zu Hochleistungssport und Doping. Oder er fantasiert in “Crash-Test im Come Together” darüber, wie er und seine Frau sich in einer “Senioren”-Version von “Big Brother” machen würden, einschließlich Hildebrandts geplanter letzter Worte “Dumm gelaufen”.
Gut gefallen hat mir, dass nicht nur aktuelle Themen angesprochen werden, sondern auch Adenauer, die Spiegel-Affäre und anderes aus der bundesdeutschen Geschichte. Genüsslich zerfleddert der Autor Politikerphrasen und anderen neudeutschen Sprachmüll vom Best-Ager zum Warmduscher.
>> “Im Alter lässt sich nur ernten, was im Laufe des Lebens gewachsen ist.” Jawohl, Warzen und Misstrauen. << Bei Hildebrandt muss auch eine Menge Humor und Lebensklugheit dabei gewesen sein.
Auch wenn für mich Kabarett in Buchform nur ein Teil des Spaßes ist und an Hildebrandt auf der Bühne nicht herankommen kann, so hat mir dieses Buch doch einige vergnügliche Stunden bereitet und - wie es sich für gutes Kabarett gehört - immer wieder zum Nachdenken über unsere Gesellschaft angeregt. Erwähnenswert auch die doppelseitigen Karikaturen von Dieter Hanitzsch, die den Band abrunden.
Für Freunde des politischen Kabaretts, für alle die mit offenen Augen durch das Leben gehen: unbedingt empfehlenswert.
Auf Hildebrandts Homepage finden sich die Termine seiner Lesungen - ein dichtes Programm für einen junggebliebenen 80-jährigen, der damit die selbstironischen Reflektionen über sein Alter in seinem Buch fast schon ad absurdum führt.
Kerstin
Geschrieben in Satire, Kerstin | 1 Kommentar »




