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Archiv der Kategorie History/Fantasy

“Die Gauklerin von Kaltenberg” von Julia Freidank

51nbgmgoqbl_sl500_aa300_.jpgAnna ist jung, schön und stark und unsterblich in Ulrich verliebt, dem Herrn der Burg Kaltenberg.
Es sind schwierige Zeiten: denn gleich zwei Könige aus dem Haus der Habsburger und dem Haus der Wittelsbacher streiten um den Thron.
Und genau in diesen Wirren geschieht es, dass das Dorf, in dem Anna bis jetzt so friedlich gelebt hat, überfallen wird.
Dies ist der Augenblick, der Annas Leben durcheinander bringt und sie lernen muss, für sich und ihr Leben einzustehen.

Der Klappentext wirbt mit dem Versprechen, dass man ein großes Abenteuer über die legendären Carmina Burana in den Händen hält.
Ein Versprechen, das wie in vielen Fällen nicht eingehalten wird.
Die Lieder spielen zwar eine Rolle, aber bei Weitem keine so vordergründige. Das Liederbuch dient lediglich als roter Faden, der dafür sorgt, dass vor allem Anna immer wieder in brenzlige Situationen gerät, aus denen sie dann wie durch ein Wunder immer, aber auch wirklich immer, gerettet wird.

Desweiteren weißt das Buch hin und wieder offen gelassene Handlungsstränge auf (bestes Beispiel: wie konnte Anna so unverhofft bei der Wasserprobe gerettet werden? - reiner Zufall reicht da nicht!).
Als Leser historischer Romane wird man wohl auch vom weiteren Verlauf der Geschiche eher schnell enttäuscht sein: man erfährt fast mehr um den Thronstreit wie über die groß angeworbene Carmina Burana und selbst dabei hat man das Gefühl, dass die Episoden um diesen Streit nur Lückenfüller sind. Ich hatte zu keiner Zeit wirklich das Gefühl, mich im Mittelalter zu befinden.

Was man aber auch beachten sollte, ist, dass das Cover das Buch – meiner Meinung nach – fälschlicherweise als historischen Roman deklariert; was man hier jedoch liest, ist kein historischer Roman, eher ein Liebesroman in historischem Gewand. Das dürfte auch erklären, wieso man Anna dabei beobachten kann, wie sie sehr häufig sowohl Raouls als auch Ulrichs Vorzüge anpreist (und sich dabei häufig in Wiederholungen verliert).

Trotzdem muss ich gestehen, dass ich das Buch über weitere Strecken immer wieder spannend fand und es auch gerne gelesen habe.
Allerdings: es war spannend für den Moment. Bereits jetzt, knappe 4 Wochen nach dem Lesen, weist mein Gedächtnis schon erschreckende Lücken auf.

Fazit: Die Gauklerin von Kaltenberg war ein nettes Buch für Zwischendurch, es hebt sich allerdings nicht wirklich aus der Menge des Genres ab.

Rebecca

Marion von Schröder 2010, Gebunden, 14,95 €, Seiten: 496, ISBN: 978-3547711660

“Die Jesuitin von Lissabon” von Titus Müller

Lissabon im Jahre 1755: Jahrelang war der ehemalige Jesuiten-Schüler Antero auf der Flucht vor seiner Vergangenheit. Er glaubte, ihr nach all den Jahren entkommen zu sein. Doch als er die Stadt wieder betritt, tritt auch die Vergangenheit wieder in sein Leben und er flieht erneut vor dem Jesuiten Gabriel Malagrida. Dieser beherrscht den Orden in Lissabon und war früher Anteros Lehrer.
Während Antero überlegt, wie er wieder aus der Stadt kommt, mehren sich die Anzeichen und schon bald liegt die einst so glorreiche, reiche Handelsstadt Lissabon in Schutt und Asche…

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch den Klappentext und den Titel. Die beide meiner Meinung nach nicht wirklich halten, was sie versprechen.
Der Klappentext lässt vermuten, dass der Schwerpunkt auf einer Liebesgeschichte liegen wird.
Daher war ich sehr überrascht, dass genau dies nicht der Fall war.

Die mögliche Liebesgeschichte spielt nur eine hintergründige Rolle. Denn was der Autor hier dem Leser bietet ist ein Stück lebendige Geschichte.
Mit anschaulichen Worten beschreibt Titus Müller die Katastrophe von 1755, die Lissabon grundlegend veränderte. So beschreibt der Autor anschaulich und lebendig, was alles geschah, als Lissabon dem Erdboden gleich gemacht wurde. Dabei wird alles so genau und anschaulich geschildert, dass man als Leser meint, selbst zu spüren, wie die Erde wackelt und man sieht sich selbst neben den Einwohnern Lissabons durch die Gassen der Stadt rennen.
Nach der Katastrophe spielt der Wiederaufbau der Stadt eine wichtige Rolle.

Doch nicht nur die Schilderung des Erdbebens liegen dem Autor am Herzen. In all den Wirren spielt die Erforschung eben jenen Naturphänomens eine große Rolle. In dem Zusammenhang erfährt man viel über die damals aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Erdbeben.
Dabei spürt man mit jedem Wort die Faszination und Leidenschaft des Autors für dieses Thema. Obwohl er einem mit seinem Wissen versorgt, wirkt er nie belehrend dabei, sondern lädt eher ein, sich auf das Thema einzulassen und ebenfalls dafür zu begeistern.
Dies trifft in gleichem Maß auch auf die Vermittlung der angespannten politischen Situation der Stadt zu. Ohne Zeigefinger zeigt der Autor, welche Rolle die Societas Jesu in Lissabon spielten. Dabei vergisst er nicht in gleichem Maß ihre Verfehlungen wie ihre positiven Errungenschaften zu erwähnen.

All diese historischen Fakten verbindet der Autor gekonnt mit der Fiktion. Und in dieser müssen die Protagonisten Antero und Leonor lernen, mit der neuen Welt zu leben und ihr eigenes zu ordnen und zu verändern. Beide Charaktere sind unglaublich interessant, glaubwürdig und vielschichtig.

Vor allem der Schreibstil des Autors hat mich beeindruckt: Titus Müller hat ein unglaubliches Talent sich in die Gedanken anderer hinein zu versetzen und diese in Worte zu kleiden. Auch seine Beschreibungen sind präzise und bildhaft.
Es gab viele Sätze und Passagen, die ich hätte anstreichen können.

Alles in allem ist Die Jesuitin von Lissabon ein fesselnder und facettenreicher Roman und er wird sicherlich nicht mein letzter von Titus Müller gewesen sein. Ihm ist es mühelos gelungen historische Fakten und Fiktion zu einem Ganzen zusammen zu fügen.

Rebecca

Rütten & Loening Verlag 2010, Hardcover 19,95 €, 453 Seiten, ISBN: 978-3352007828

“Rache. Der verwaiste Thron” von Claudia Kern

Nachdem die Nachtschatten eine Stadt nach der anderen niedergebrannt haben, steht die Welt nun vor den Trümmern.
Die Nachtschatten wollen die Menschen vernichten, während diese versuchen eben jene Geschöpfe in ihre Schranken zu weisen.
In all diesen Wirren ist Ana Somerstorm, rechtmäßige Fürstin Somerstorms, immer noch unterwegs und hofft, ihr Reich zurück erobern zu können.

Rache ist der abschließende Teil der Trilogie Der verwaiste Thron von Claudia Kern.

Die ersten beiden Teile der Trilogie waren für mich nett zu lesen und brachten ein paar Stunden Zerstreuung. Ich fand es vor allem schade, dass die Autorin in den ersten beiden Teile so viel Potenzial verschenkte, denn Idee – und auch gute Ideen – hat Claudia Kern.

Als ich dann Rache begann fürchtete ich fast, auf das selbe Bild zu stoßen: Charaktere, die ihr Potenzial verschenken, eine Handlung, die immer auf der einen Seite nur Andeutungen macht, aber auf der anderen Seite irgendwie nicht voran kommt.
Doch schon auf den ersten 50 Seiten diesen Teils wurde ich überrascht: endlich bekommen die Figuren für mich greifbare Konturen und auch die Handlung ist nicht mehr nur eine Ansammlung von lose nebeneinander herlaufenden Handlungssträngen.
Alles ergibt mit einemal ein großes Ganzes. Und so habe ich gebannt Seite um Seite verschlungen.

Und plötzlich war ich 40 Seiten vor Schluss: der machte mir ein bis dahin wirklich gelungenes Buch ein wenig madig. Zwar ist das Ergebnis am Ende sehr erfreulich, weil es einfach zu der Geschichte passt und diese auch in dem Sinne abrundet. Allerdings erscheinen 40 Seiten für das Ende irgendwie sehr wenig, wenn man bedenkt, dass ich mich vorher durch ca. 1100 Seiten gelesen habe.

Unterm Strich ist Der verwaiste Thron eine Serie, die sowohl ihre Stärken, als auch ihre Schwächen hat. Jedoch macht sie, wenn man sich darauf einlässt, viel Spaß. Rache ist dabei auch meiner Sicht der stärkste Teil der Serie.
Die Autorin hat gezeigt, dass sie sehr kreativ sein kann und auch ist. Daher würde ich mir wünschen, dass von Claudia Kern irgendwann noch mal ein Roman erscheint.

Rebecca

Blanvalet Verlag 2009, Taschenbuch 13 €, 384 Seiten, ISBN: 978-3442244225

“Das Krähenweib” von Corina Bomann

Annalena hat es in ihrem Leben alles andere als leicht und doch sehnt sie sich nur nach einem: ein wenig Glück in ihrem Leben.
Dieses Glück scheint endlich in greifbarer Nähe, als sie den jungen Apothekerlehring Johann Böttger kennenlernt.
Die beiden verlieben sich ineinander. Doch schon bald droht Böttgers zweite Liebe, das Gold, die beiden zu entzweien…

Das Krähenweib war mein erster Roman der Autorin, wird aber garantiert nicht mein letzter bleiben.

Mit Annalena hat Corina Bomann eine sympathische Protagonistin geschaffen, die gegen die Zwänge ihres Standes kämpft und dabei für ihr Glück kämpft. Annalena ist eine interessante Persönlichkeit, die im Verlauf der Geschichte durchaus zu überraschen weiß und den Leser für sich einnimmt.
Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Protagonisten: Johann Böttger. Zwar möchte man ihn zwischendurch mächtig gegen die Wand klatschen, wenn man manchmal auf seine scheinbar bodenlose Naivität trifft, aber er ist dabei so charmant und liebenswert, dass man ihm nie lange böse sein kann.

Die Geschichte selbst ist rasant und hält einige Überraschungen bereit und der flüssige Schreibstil lassen ein Kopfkino entstehen, dass einen für ein paar Stunden vom stressigen Alltag ablenken kann und einen in das Jahr 1701 entführt.
Vor allem gut gelungen ist der Mix auf Fiktion und historischen Fakten, die sich in einanderfügen und ein Ganzes ergeben.

Besonders gelungen ist das Motiv der Krähe. Das Tier ziert nicht nur Buchunterschriften, sondern zieht sich auch als Motiv durch das ganze Buch. Der Vogel ist allgegenwärtig.

Das Krähenweib ist ein spannender, farbenreicher Roman, den ich wirklich nur empfehlen kann!

Rebecca

Knaur Verlag 2010, Hardcover 16,95 €, 523 Seiten, ISBN:  978-3426663158

“Das Leonardo-Papier” von Susanne Goga

Die Geologie steckt 1821 noch in den Kinderschuhen, als die junge Georgina zwei Truhen mit Steinen und ein Notizbuch von einem gewissen Joshua Hart vermacht bekommt.
In eben jenem Notizbuch findet Georgina eine Seite, die von keinem geringeren als Leonardo da Vinci verfasst wurde. Die junge Frau versucht zusammen mit dem Reiseschriftsteller Justus von Arnau dieser Schrift auf die Spur zu kommen und lernt gleichzeitig vieles über ihre eigene Herkunft…

Das Leonardo-Papier ist mittlerweile der dritte Roman der aus Mönchengladbach stammenden Autorin Susanne Goga.
In diesem entführt sie den Leser in eine Welt, die zwischen der aufstrebenden Wissenschaft und dem christlichen Glauben gefangen ist.
Ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte ist ein Teil von da Vincis Aufzeichnungen, die sich mit dem Alter der Erde, der Sintflut und der Geologie beschäftigt. Dieser fällt der jungen Georgina zu, die über dieses Schriftstück nicht nur an der Wissenschaft teilhaben kann, sondern auch einiges über ihre Eltern, die noch vor ihrer Geburt starben, erfährt.

Dabei schafft es die Autorin auf jeder Seite ihrer Begeisterung für die Geologie Ausdruck zu verleihen und den Leser mit dieser regelrecht an zustecken. Bildhaft und für jeden verständlich entführt sie in die Welt der Steine und in die Anfänge einer faszinierenden Wissenschaft.

Begleitet wird dies von der Lebensgeschichte Georginas, mit der Susanne Goga eine absolut sympathische Hauptfigur geschaffen hat.
Doch auch die anderen Figuren haben ihren Reiz und so verteilt man schnell Sympathien und fiebert mit den Figuren mit.

Die Geschichte selbst ist abwechslungsreich und bietet alles, was man sich nur wünschen kann: sie vermitteln Wissen, beschäftigt sich mit der Liebe, der Entscheidungsfreiheit und Freundschaft. So wird es nie langweilig, man hat als Leser immer etwas zu entdecken.

In Das Leonardo-Papier lässt Susanne Goga eine hoch interessante Epoche aufleben und macht sie für den Leser erfahrbar. Spannend und authentisch erzählt sie eine Geschichte, die definitiv großes Kopfkino ist!
Ich freue mich schon auf weitere Romane der Autorin!

Rebecca

Diana Verlag 2009, Taschenbuch 9,95 €, 512 Seiten, ISBN: 978-3453352988

“Der schwarze Papst” von Eric Walz

Rom, im Jahre des Herrn 1552: die Jesuiten wollen ein Kolleg eröffnen, das Collegium Germanicum. Dies wird natürlich gefeiert, doch es kommt zu einem Zwischenfall: einer der Schüler erleidet einen Krampfanfall und stirbt. Sandro Carissimi, Visitator des Papstes, ist dabei und weiß sofort: hier ist ein Verbrechen geschehen, das dringend aufgeklärt werden muss.

Der schwarze Papst ist der dritte und letzte Band um die Glasmalerin Antonia Bender und dem Jesuiten Sandro Carissimi.

Diesmal steht im Gegensatz zu den anderen Romanen der Kriminalfall sehr im Vordergrund. Natürlich, wir lesen hier einen historischen Kriminalroman, aber für mich war es dann doch zwischenzeitlich ein wenig zu viel, denn ich wollte eher noch mehr über Sandro und Antonia erfahren, die mir in den Vorgängerbänden so sehr ans Herz gewachsen sind. Vor allem Antonia kommt ein wenig zu kurz, während man Sandro weiterhin bei seinen Ermittlungen erleben darf.
Diese Verlagerung auf den Kriminalfall ist schade, da man gerade in den Vorgängerbänden viel mehr mit den Charakteren an sich zu tun hatte.

Der Fall selbst ist wie auch schon in den Vorgängern sehr gut durchdacht und bot für mich doch zum Schluss eine Überraschung, denn mit diesem Täter hätte ich nie gerechnet. Bis zum Schluss hatte ich viele Verdächtige, die alle ein Motiv gehabt hätten. Eric Walz legt somit viele verschiedene Spuren, die man als Leser eifrig verfolgt.

Der Schluss des Romans gefällt mir, obwohl es mir wirklich schwer fällt zu akzeptieren, dass dies der letzte Band ist, denn er ist relativ offen gehalten und so kann man entweder darauf hoffen, dass der Autor doch noch einen Band schreibt oder man spinnt sich die Zukunft der Charaktere selbst nach eigenen Vorstellungen weiter.

Unterm Strich bin ich mit Der schwarze Papst sehr zufrieden und finde, dass es ein würdiger Abschluss der Glasmalerin-Trilogie ist. Der Roman hat mich von seiner ersten bis zu seiner letzten Seite in seinen Bann gezogen und ich musste in jeder freien Minute lesen.
Wieder nur sehr zu empfehlen!

Rebecca

Blanvalet Taschenbuch Verlag 2009, TB 12 €, 448 Seiten, ISBN: 978-3442372690

“Die Gabe der Jungfrau” von Deana Zinßmeister

Zu Beginn des 16.Jahrhunderts brodelt es in Deutschland: Viele Bauern laufen gegen Die Obrigkeit Sturm und fordern mehr Rechte für ihren Stand ein.
In diesen Wirren lebt die junge Anna Maria. Ihr Brüder sind vom Vater in diesen Krieg um mehr Gerechtigkeit geschickt worden. Als die junge Frau einen bösen Traum hat, macht sie sich auf den Weg, um ihre Brüder zu suchen und nach Hause zu bringen, denn sie befürchtet, die beiden sonst nie wieder lebend zu sehen….

Mit Die Gabe der Jungfrau hat Deana Zinßmeister ihren insgesamt vierten Roman veröffentlicht und lange habe ich diesem entgegen gefiebert.
In gerade mal 1 ½ Tagen habe ich den Roman verschlungen und kann eigentlich nur sagen, dass ich absolut begeistert bin und dieser bis jetzt mein absoluter Liebling der Autorin ist.

Auf eine spannende und erfrischende Weise erzählt die Autorin eine Geschichte, die vor Abenteuern nur so wimmelt. Deana Zinßmeister entführt in ein Deutschland, dass gerade im Umbruch ist und schafft es, die Unzufriedenheit, die Unsicherheit und Angst der Menschen einzufangen.
Stellvertretend für diese stehen Anna Maria und ihre Brüder, die in dieser turbulenten Zeit ihren Weg finden müssen.
Mit diesen Charakteren hat die Autorin sympathische Figuren geschaffen, die dafür sorgen, dass man mit ihnen fiebert und ihre Hoffnungen und Ängste teilt.

Die Handlung selbst teilt sich in mehrere Handlungsstränge auf, die am Ende zu einem einzigen zusammen laufen. Im Vergleich zu „Das Hexenmal“ ist es der Autorin gelungen diese Handlungsstränge ‘weicher’ zu gestalten und so enden einzelne Episoden nicht so abrupt, wie es beim Vorgänger der Fall war. Das hilft dabei, einen gleichmäßigen und schnellen Lesefluss beizubehalten.
Neben mehreren Handlungssträngen, wartet der Plot auch mit einigen Überraschungen auf, die dafür sorgen, dass es nie langweilig wird.

Zum Schluss führt die Autorin in einem Nachwort auf, welche Figuren der Realität entsprechen und welche nicht.

Insgesamt fällt es mir schwer das Buch genauer auseinander zu pflücken und zu analysieren, denn ich bin einfach bodenlos begeistert. Es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Die Gabe der Jungfrau ist ein eindrucksvoller Roman, dem ich jeden Liebhaber von anspruchsvollen historischen Roman nur empfehlen kann.

Rebecca

Goldmann Verlag 2010, Taschenbuch 9,95 €, 512 Seiten, ISBN: 978-3442470365

“Die Ballonfahrerin des Königs” von Tania Douglas

Frankreich, kurz nach der Revolution: der Sohn von Marie Antoinette sitzt in Einzelhaft im Temple und die Bedingungen sind alles andere als Kindgerecht.
Marie-Provence, die als Adelige selbst als vogelfrei gilt, möchte nur eines: den kleinen Charles aus dem Temple holen.
Als Marie-Provence den jungen André kennen lernt, kommt Marie ein Gedanke, der vielleicht in der Tat die Rettung des Jungen bedeuten könnte: eine Ballon.

Es ist eine grausame Zeit, in der die Autorin Tania Douglas ihren Roman Die Ballonfahrerin des Königs spielen lässt: Es ist kurz nach der Französischen Revolution und die Machtverhältnisse sind immer noch nicht ganz geklärt und das Leben kann schneller unter einer Guillotine enden, wie einem lieb sein kann.

In genau dieser Zeit kann der Leser die junge Marie-Provence auf ihren Abenteuern begleiten. Die junge Frau ist als Adelige auch Opfer von Robespierres Terrorherrschaft und lebt in der ständigen Gefahr, festgenommen zu werden.
Doch sie stellt sich dieser Gefahr und entführt in eine unglaubliche Welt: Der Leser lernt eine zweigeteiltes Frankreich kennen. Auf der einen Seite die Angst, vor den Revolutionären und auf der anderen Seite, das Bedürfnis nach Leben und Unbeschwertheit und dem Aufstreben der Wissenschaft. Die Autorin schafft es, diese Zerrissenheit wunderbar einzufangen und so für den Leser nachvollziehbar zu machen.

Doch nicht nur die Atmosphäre des Romans überzeugt: auch die Charaktere wissen, wie sie jemanden für sich begeistern können. Ihr Hauptargument ist dabei ihre Authentizität. Tania Douglas ist es gelungen, Figuren zu schaffen, die sich in kein Schwarz – Weiß – Schema pressen lassen. Keine der Figuren ist ein Superheld, sondern jede Figur hat ihre Stärken und Schwächen und zweifelt oft auch an sich selbst. So ist es eine absolute Freude zu beobachten, wie sich diese entwickeln.

Die Handlung selbst wartet mit einer Liebesgeschichte, Intrigen, Abenteuern und Geschichtsunterricht auf. Es ist der Autorin gelungen all diese Faktoren in ein wunderbares Gleichgewicht zu bringen und so nimmt kein Aspekt einem anderen unnötig Platz weg.

In Kombination mit dem leichten, spannenden Schreibstil ist Die Ballonfahrerin des Königs ein Roman, für den man sich unbedingt Zeit nehmen muss, denn es fällt schwer das Buch aus der Hand zu legen.

Abgerundet wird das Buch durch seine Aufmachung: Das Cover fängt wunderbar die Stimmung des Romans auf und hebt sich erfrischend von anderen Roman in diesem Genre ab.
Zusätzlich gibt es ein Personenverzeichnis, ein Glossar und Karten.

Eine absolute Empfehlung!

Rebecca

rororo Verlag 2009, Taschenbuch 9,95 €, 592 Seiten, ISBN: 978-3499252525

“Die Tränen der Königin” von Christopher W. Gortner

Johanna ist gerade mal 17 als sie Philip von Flandern heiratet.
Beide empfinden viel für einander, doch schon bald werden sie zu großen Feinden, als klar wird, dass beide in ihrem Leben etwas gänzlich anderes wollen: Philip will Macht und Reichtum, während Johanna nur eines will – ihre Heimat beschützen.

Der überwiegende Teil der historischen Romane spielt in Ländern wie England, Deutschland oder Frankreich.
Christopher W. Gortner entführt uns in Die Tränen der Königin in ein Stück Geschichte Spaniens.

Der Einstieg in den Roman fällt sehr leicht. Dem eigentlichen Roman ist ein Prolog voran gestellt, in dem Johanna selbst auftritt und ‘ankündigt’ ihre Geschichte aufzuschreiben.
Ab dem Zeitpunkt geht es komplett chronologisch im Leben Johannas weiter: sie schildert ihre Kindheit, wie sie ihren Mann trifft, was die beiden erleben und auch, wie ihr Leben endet.
Nach dem doch leichten Einstieg fällt es auch nicht schwer, die noch folgenden Seiten regelrecht zu verschlingen.

Bei der Gestaltung der Geschichte hält sich der Autor, wie er in einem Nachwort betont, genau an die historischen Fakten und Begebenheiten. Lediglich zum Schluss hat er die Zeit etwas gerafft.

Als fiktive Biographie von Johanna ist das Buch in der Ich-Form erzählt.
Dies hat natürlich starken Einfluss darauf, wie die im Roman vorkommenden Personen wirken, da sie vom Johanna für den Leser schon fertig eingefärbt wurden.
Das führte dazu, dass ich doch relativ häufig unzufrieden mit der Erzählperspektive war. Ich hätte mir öfter gewünscht, auch mal ein paar Seiten z.B. aus Philips Sicht zu lesen, um so Johannas Schilderungen so weit als möglich zu objektivieren.

Christopher W. Gortner ist dennoch ein unglaublich fesselnder Roman gelungen, der einem Spanien und eine seiner Königinnen, Johanna von Kastilien, näher bringt.
Der Autor erzählt ihre Geschichte auf eine einfühlsame und doch eindringliche Art und sorgt dafür, dass man den Roman so schnell nicht wieder aus der Hand legen kann.
Ich freue mich schon auf seinen nächsten Roman, der auch hoffentlich bald in einer deutschen Übersetzung erscheint!

Rebecca

Goldmann Verlag 2009, Übersetzung: Peter Pfaffinger, Taschenbuch 8,95, 544 Seiten, ISBN: 978-3442467747

“Blut und Silber” von Sabine Ebert

Freiberg Ende des 13. Jahrhunderts: König Adolf von Nassau zieht eine Armee zusammen, um die Mark Meißen und die dazugehörige Silberstadt Freiberg zu erobern.
Er belagert die Stadt und versetzt die Bewohner in Angst und Schrecken.
Mitten in diesen Wirren helfen Änne und die Gauklerin Sybilla dem Feldscher, die Verwundeten zu versorgen, während der Hauptmann Markus und der Ritter Ulrich von Maltitz versuchen, die Stadt zu schützen.
Doch nicht nur Krieg bestimmen bald das Leben der vier, sondern auch die Liebe….

Lange habe ich um Sabine Ebert und ihre Hebammenromane einen großen Bogen gemacht, da mir die Titel viel zu pathetisch klangen und mich eher abschreckten, statt anzogen.
Lange habe ich daher überlegt, ob ich mich an diesen Roman trauen soll. Denn auch wenn Blut und Silber völlig unabhängig ist, so war für mich die Tatsache, dass die Protagonistin Änne eine Nachfahrin der Hebamme Marthe ist, irgendwie erstmal ein schlechter Beigeschmack.

Doch dieser Beigeschmack löste sich beim Lesen so schnell, dass ich gar nicht wusste, wie mir geschah.
Sabine Ebert kommt ziemlich schnell zur Sache und gibt dem Leser nicht viel Zeit, sich an Figuren oder Schreibstil zu gewöhnen.
Schnell findet man sich in der belagerten Stadt wieder und bangt mit den Stadtbewohnern, dass sie der Belagerung durch den König stand halten werden.Von der Autorin so in die Geschichte geworfen, ist man sehr schnell mitten im Buch und mitten im Geschehen und ehe man sich versieht, sind die nächsten 50 Seiten gelesen.

Das man als Leser förmlich durch die Geschichte fliegt, liegt zum einen am Schreibstil, aber auch am Handlungsverlauf selbst.
Sabine Ebert schreibt ungezwungen und einfach. Ihre Sätze sind nicht kilometerlang oder in einem hochgestochenem Deutsch geschrieben. Vielmehr herrscht eine einfachere Satzstruktur vor, die, dennoch auf Grund nötiger Variationen, nie langweilig klingt.
Der Handlungsverlauf wird mit der Sprache zu einer perfekten Einheit verwoben. Zwar sind einige Sachen (allerdings eher Kleinigkeiten) vorhersehbar, aber die Autorin hält sich nicht lange mit unnötigen Exkursionen auf und kommt – auch wenn sie hin und wieder an den nötigen Stellen durch Verzögerungen für Spannung sorgt – direkt und ohne große Umschweife auf den Punkt.

Die Figuren selbst, habe ich während des Lesens sehr lieb gewonnen. Zwar möchte ich fast sagen, dass sich z.B. Änne oder der Hauptmann Markus manchmal einer gewissen Klischeehaftigkeit nicht entbehren können, aber beide – sowie auch die anderen Figuren – sind zu jeder Zeit menschlich und für mich als Leser nachvollziehbar. Dies wiederum sorgt dafür, dass man sich mit ihnen beinah anfreundet und jede Seite mit ihnen genießt.

Doch der Roman besticht nicht nur durch tolle Charakter oder Handlung: auch hat der Knaur Verlag sich nicht Lumpen lassen beim der Ausstattung des Buches.
Neben den für Hardcover oft typischen Lesebändchens, ziert das Buch auch eine historische Karte Freibergs um das Ende des 13. Jahrhunderts und der Roman wird eingeleitet einer Dramatis personae, das auf Grund der Vielfalt an Charakteren oftmals mehr als praktisch ist.
Doch auch das Cover hat großes Lob verdient: der Schutzumschlag schimmert ein wenig metallern, was, wenn man den Titel bedenkt, durchaus an Silber erinnern kann.

Blut und Silber ist ein Roman, der sowohl durch sein Äußeres, als auch durch seinen Inhalt den Leser besticht.
Ein fulminantes Abenteuer und ein echtes Highlight zum Ende des vergangenen Jahres!
Sicherlich werde ich nun auch keinen so großen Bogen mehr um die anderen Romane der Autorin machen.

Rebecca

Droemer/Knaur Verlag 2009, Hardcover 19,95 €, 731 Seiten, ISBN: 978-3426662885