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Archiv der Kategorie Klassiker

„Verlorene Illusionen“ von Honoré de Balzac

balzac.gifEin wunderbarer Schmöker!

David, der Sohn eines Druckers, hat ein schweres Los. Sein Vater ließ ihn zwar eine gute Schule besuchen, aber auf seine Bildung ist er fast bösartig eifersüchtig. Er entwickelt sich zum großen Geizhals und verkauft seinem Sohn die Druckerei zu einem überhöhten Preis, die er per Raten abstottern soll. Davids Startsituation ins Leben ist damit alles andere als günstig, nein er ist dadurch finanziell ruiniert.

Im Leben lernt man dann oft seinesgleichen kennen. Das Geschwister-Pärchen Chardon, der Vater ein kluger Apotheker lernt eine Adelige kennen und lieben, die durch diese Heirat ihren Titel und Anspruch auf Namensweiterführung „de Rubempré“ entzogen bekommt. Nach dem Tod des Vaters knapsen diese Drei am Hungerstuch. Lucien wird für David ein Bruder und in Ève verliebt er sich gleich.

Lucien liebt das süße Leben. Die Königin der Provinz soll die Seine werden. Und sie hat diesen Schönling auch direkt an der Angel. Nach einem Zwischenfall in Angoulême machen sich die Liebenden auf den Weg nach Paris. David und Ève geben Lucien ihr letztes Geld, damit er seinen Traum in der Hauptstadt verwirklichen kann. Denn er will ein berühmter Dichter werden …

Im Grunde genommen handelt das ganze Buch nur von einem Thema: Geld! Geld und wie es auf die Menschen wirkt. Und trotzdem die Weichen sehr früh für die handelnden Figuren gestellt sind, wird der Roman nie langweilig oder gar platt. Immer wieder kommt der Autor mit neuen und interessanten Spielvarianten an, beispielsweise die Eitelkeit und die Tugend, und wie sich diese Beiden nicht gerade festlich vereinen, und andere Blickwinkel, wodurch sich ein unaussprechlicher Sog entwickelt, so dass man das Buch kaum aus den Händen legen möchte.

„Die Großen begehen beinahe ebenso viele Feigheiten wie die Armen; aber sie begehen sie im Schatten und rücken ihre Tugend in den Vordergrund: sie bleiben groß. Die Kleinen entfalten ihre Tugenden im Schatten und breiten ihr Elend offen aus: sie werden verachtet.“

Balzac zeigt im zweiten Teil das damalige gesellschaftliche Leben in Paris, die Politik, den Adel sowie das Zeitungs-. und Verlagswesen, und außer dass es früher bunter und sich prächtigter lebte, spiegelt mir der Autor eine Zeit, die sich mit der heutigen messen kann. Auch heute bestimmen die „Spieler“ wer oder was „in“ oder „out“ ist. Geld regiert die Welt.

Ich möchte auch heute nicht wissen wie viele wirkliche Talente von Nachwuchsautoren in irgendwelchen Schubladen verstauben, weil ein Verlag das Risiko scheut und lieber dem „Mainstream“ folgt, weil ein solches Werk auf jedem Fall eine gute Presse bekommt. Umgekehrt erlebt man es desöfteren, welch 0-8-15 Werk in den Himmel gelobt wird.

„Es gibt keine Gesetze mehr, es gibt nur noch Gesellschaftssitten, das heißt Künstlichkeit und Schein.“

Die wunderbare Sprache, die dieses Buch trägt (Kompliment an die Übersetzung), macht es zu einem rundherum perfekten Schmöker. Es besitzt keine Längen, trotz der 850 Seiten, die Handlung ist spannend, aber dennoch klug und weise. Für mich ein Highlight in diesem Jahr!

Honoré de Balzac

Büchergilde Gutenberg 2007, OT: Les Illusions perdues in drei Teilen von 1837, 1839 und 1844, Übersetzung: Otto Flake, Hardcover 21,90 €, 858 Seiten, ISBN: 978-3-7632-5888-8

“Erklärt Pereira” von Antonio Tabucchi

 August des Jahres 1938. In großen Teilen Europa übernehmen faschistisch-diktatorische Regime die Macht, so auch in Portugal, wo sich die Diktatur des Antonio de Oliveira Salazar etabliert, Medienzensur, Überwachung und weitere totalitäre Instrumente prägen den Alltag.
Dies alles geht fast unscheinbar an Pereira, einem gebildeten, intelligenten aber sehr zurückgezogen lebenden Journalisten, vorbei. Er betreut das Kulturressort einer kleinen portugiesischen Abendzeitung, beschäftigt sich lieber mit den französischen Schriftstellern des 19. Jh. statt mit der unangenehmen Realität und spricht mit seiner verstorbenen Frau. Als er Monteiro Rossi, ein junger Mann, der über den Tod in der Literatur promoviert hat, kennenlernt und ihn als freien Mitarbeiter einstellt, um Nachrufe für die Zeitung zu schreiben, wird er mit der Realität konfrontiert. Die Zeitungskolumnen, die Rossi produziert, sind allesamt unbrauchbar, vielmehr ist Rossi politisch im Widerstand höchst aktiv. Pereira kann sich seine Faszination an der Person des jungen Mannes selber nicht erklären, sieht in ihm aber ein wenig den Sohn, den er selber nie hatte und fühlt sich in seine eigene Jugendzeit versetzt. Er unterstützt ihn wo er nur kann und wird auch selber immer weiter in die politische Realität hineingezogen.

Diese politische Bewusstseinswerdung vom zurückgezogen, einsamen, in der Vergangenheit lebenden Pereira zum regimekritischen, und letztlich auch aktiven Widerstandskämpfer wird ganz subtil und in kleinen Schritten in Form eines Protokolls erzählt, das mit den Worten „Pereira erklärt…“ beginnt und mit „… erklärt Pereira“ endet. Dazwischen wiederholen sich diese beiden Worte ständig, degradieren aber niemals zur nervigen Wendung sondern geben dem Bericht den Anschein eines Verhörs und entwickeln eine beklemmende Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Wer dieses Protokoll aufnimmt, erfährt man erst im Nachwort.

Ein sehr nachhaltig beeindruckendes Buch, dessen leichte Lesbarkeit nicht über den Anspruch des Inhalts hinwegtäuscht. Absolute Empfehlung!

Das Buch wurde 1995 von Roberto Faenza mit Marcello Mastroianni in der Hauptrolle verfilmt. Den Film kenne ich leider nicht.

Christine

Deutscher Taschenbuch Verlag 1997, Taschenbuch, 224 Seiten, ISBN-13: 978-3423124249

“Soll und Haben” von Gustav Freytag

soll.jpgEin guter Schmöker!

Anton Wohlfahrt, der Sohn eines Staatsbeamten, verliert sehr jung seine Eltern und wird bei der Kaufmannsfamilie Schröter in Breslau aufgenommen. Dort hatte sein Vater zu Lebzeiten eine Lehre für ihn arrangiert. Der junge Mann macht sich auf den Weg zur Hauptstadt und trifft dabei seinen ehemaligen Klassenkameraden Itzig, der auch auf der Wanderschaft ist um eine Lehre zu erhalten. Die Lebensläufe beider Jünglinge verspinnen sich im Werk miteinander. Obwohl sie sehr unterschiedlicher Auffassungen sind, wird ein durchsichtiges Netz um sie gespannt, und man erkennt direkt, dass sie die Konträrfiguren im Roman sind, und dass der Autor anhand ihrer uns etwas verdeutlichen möchte.

Unser Held lebt sich bei den Kaufleuten sehr gut ein, man mag ihn, hat Gefallen an seinem Charakter, der unbeugbar ehrlich ist und an seiner ruhigen Art.
Im Haushalt Schröters weilt auch der adlige von Fink, der Antons bester Freund wird (Komplementärfigur). Diese beiden Figuren ergänzen sich so gut, dass der Leser ihre Freundschaft als real empfindet, und an ihren Knebbeleien großen Spaß hat.

“Es war nicht der Rede wert, gnädige Frau” … “ich wollte nur untersuchen, wie sich Master Wohlfart beim Ertrinken benehmen würde. Ich warf ihn ins Wasser, und er wäre um ein Haar auf dem Grunde liegengeblieben, weil er es für indiskret hielt, mich durch seine Rettung zu belästigen. …”

Anton lernt direkt zu Beginn des Werkes das junge Fräulein Leonore, eine Baroness, kennen, die ihn mit frischen Erdbeeren aus ihrem Garten lockt und derer er stets zu Diensten ist. Ihr Vater, der Freiherr, verschuldet sich bei den jüdischen Kaufleuten bis über beide Ohren und muss sein Gut verlassen. Seine neue Heimat findet er in Polen, welches sich mit den Deutschen im Krieg befindet. Fink und Anton helfen der Familie aus Itzigs Händen heraus.

„Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der NS-Geschichte wurde Freytag in den 70er Jahren öfters vorgeworfen, in Soll und Haben rassistische Stereotype Juden verwendet zu haben.“ Wiki zu „Soll und Haben“

Zu Beginn des Wälzers empfand ich das auch arg, diese Gegenüberstellung von Anton und Itzig ist schon sehr deutlich und spricht Bände. Aber spätestens als der Sohn von Ehrenthal, ein jüdischer Kaufmann, auch wegen moralischen Bedenken stirbt, verebbt diese antisemitische Anschuldigung. Freytag ist ganz klar ein Kind seiner Zeit, ob er ein Antisemit war, vermag ich nicht zu sagen.
Die Motive >Ehre und Moral< werden im Werk bis aufs Äußerste ausgequetscht, das ist der einzige Kritikpunkt, den ich anbringen möchte, aber auch der fällt in diese Zeit.

„Soll und Haben“ liest sich sehr flüssig und angenehm. Trotz seiner Länge ist er nicht langatmig, ein guter Schmöker halt. Die Figuren sind klassische Konstellationen jener Zeit, wie sie auch bei Fontane u. a. zu finden sind, und geben dem Roman ein festes Gerüst. Das Hauptthema ist brandaktuell, Leergeschäfte und sonstige kaufmännische Betrügereien damals wie heute. Von mir eine Empfehlung!

Gustav Freytag

http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Freytag

Krümel

Anaconda Verlag 2009, erstmals veröffentlicht 1855, Hardcover 9,95 €, 895 Seiten, ISBN: 978-3-86647-426-0

“Eine Frage der Schuld” von Sofja Tolstaja

schuld.jpgUm dieses Werk zu verstehen, ist es Voraussetzung, dass man die „Kreutzersonate“ von Leo Tolstoi gelesen hat. Denn es handelt sich hierbei um eine Gegendarstellung.

In beiden Werken steht im zentralen Mittelpunkt eine Ehe, (er ein stattlicher Mann in mittleren Jahren, und sie kaum aus dem Teenager Alter hinaus) die nicht recht funktioniert. Bei Tolstoi wird dies ziemlich derb erzählt, es liest sich fast wie eine Kampfansage und man erkennt den Autor nicht wieder, der so wunderbar „Anna Karenina“ und „Krieg und Frieden“ erfunden und große, tragende Frauenrollen entworfen hat.
Tolstaja umschreibt die Handlung sehr viel weicher, aber um das grausame Ende kommt auch sie nicht herum. Ihre „Anna“ ist sehr viel lebendiger, eine Frau mit hoher Bildung, feinfühlig, ehrlich und rein, sie wird zur tragenden Figur und dadurch ist dieser Roman viel emotionaler und liest sich auch wesentlich angenehmer.

„Und so bleibt sie (die Frau) dieselbe erniedrigte, verderbte Sklavin, und der Mann der sittlich gesunkene Sklavenhalter. Wir befreien die Frau in Bildungsanstalten und Wahlen und betrachten sie dabei als einen Gegenstand des Genusses.“ (Tolstoi)

Die Frau hört auf ein eigenständiges Wesen zu sein, von Individualität keine Spur, sondern sie wird zum Sexobjekt degradiert. Der Mann denkt von morgens bis in die Nacht an seine Lust, die das Weib zu befriedigen hat. Die Rolle als Mutter und ihr Zustand in der Schwangerschaft lenkt nur von dem ab, wofür das Weib erschaffen worden ist.

In einem sehr viel feineren Ton schildert jene Erkenntnis Tolstaja, aber auch ihr Fürst handelt nach diesen Prinzipien. Die keusche Anna findet vor lauter Eifersucht und Hass ihres Gatten einen anderen Freund, der sie auffängt, ihre Gefühle wahrnimmt, ihr zuhört und ihr Aufmerksamkeit schenkt … Beide Geschichten enden in einer Katastrophe.

Im Nachwort von „Eine Frage der Schuld“ von Ursula Keller entnimmt der Leser, dass die „Kreutzersonate“ pure Gesellschaftskritik sein soll. Tolstoi beschrieb das, was in der Gesellschaft als typische Ehe angesehen wurde, ein bloßer „Ausdruck unheilbringender Sexualität“. Doch wie weit auch Tolstois Krise hier hineinspielt, seine wahnhafte Suche nach einem gangbaren Glauben, weiß der Leser nicht zu sagen. (Ich werde im Anschluss noch Tolstois „Meine Beichte“ lesen.)

Dies ist ein kleines Lese-Projekt: Zunächst „Die Kreutzersonate“ und im direkten Anschluss „Eine Frage der Schuld“, man verwandelt sich zum Leser-Detektiv und versucht die Hintergründe zu ergründen. Mir hat diese Lesart sehr gut gefallen!

Heidi Hof

Manesse Verlag, Random House GmbH, 2009, OT 1893, jetzt erstmals in Deutsch übersetz von Alfred Frank und Ursula Keller, Leinen gebunden 19,95 €, 316 Seiten, ISBN: 978-3-7175-2150-1

“Die Mutter” von Maxim Gorki

gorki-002a.jpgEin Buch, welches tief zu Herzen geht und berührt.

In einer russischen Vorstadt im ausklingenden 19. Jahrhunderts wächst eine neue Generation heran. Junge Menschen, die sich ausgebeutet fühlen und ihre Unterdrückung nicht mehr ertragen können, suchen nach der Wahrheit und führen eine Revolte an. In den Fabriken rauchen die Schlote, und dickes Geld fließt in die Hände den reichen Unternehmer, doch der Arbeiter soll den Pfennig von der Mark hergeben.
Pawel ist der Kopf der neuen Generation. Er schreibt Flugblätter und verbreitet diese, begehrt gegen den Pfennig und ruft zum Streik auf. Durch sein Charisma bindet er die Menschen an sich, ob jung oder alt, man hört ihm zu, man vertraut ihm.

Seine Mutter, eine geplagte Witwe, betrachtet seine Vorgehensweise, hört zu und verändert ihr ganzes Leben. Ihre Entwicklung von der Analphabetin hin zur Revolutionärin ist das Augenmerk des Romans.
Sie erfasst nach und nach die Aussagen ihres Sohnes, fühlt innerlich die guttunende Wahrheit, lernt lesen und verbreitet letztendlich selber das sozialistische Gedankengut.

„ … erinnert sich an die gewaltige Wendung in der Literatur. Der Name dieser Wendung war Gorki. Die russischen Provinzstädte lebten von einer Erzählung Gorkis zu anderen. Plötzlich begannen ihn Menschen zu lesen und über ihn zu sprechen, die niemals etwas gelesen hatten, und in den Vorstädten lernte man das ABC, um ihn lesen zu können, die Literatur veränderte sich, weil sich ihre Bedeutung geändert hatte … „ (Auszug von Juri Tynjanow 1938)
Es war die Geburtsstunde des sozialistischen Realismus, den Maxim Gorki 1906 in Amerika schrieb, und von dort für die Revolution warb.

Es fällt noch eine weitere Raffinesse im Roman auf: Denn Gorki setzt „Die Mutter“, dem Archetyp-Mutter als die Verkörperung des Sozialismus gleich. Jede Mutter möchte, dass ihre Kinder gleichberechtigt heranwachsen können. Gleiche Rechte, gleiche Chancen und gleiche Freiheit sind die höchsten Güter, die eine Mutter ihren Kinder zukommen lassen möchte. Die Mutter als sozialistisches Gefüge.

Im Roman führt das sogar noch eine Stufe höher. „Die Mutter“ behandelt den Freund ihres Sohnes wie ihren leiblichen Sohn; sie spricht ihn gar als Sohn an, sie adoptiert ihn. Zum Schluss sind alle Genossen ihre Kinder …

„Es machte ihr Vergnügen, mit den Leuten zu sprechen, ihre Erzählungen vom Leben, ihre Klagen, ihre Zweifel anzuhören. Ihr Herz strömte jedesmal vor Freude über, wenn sie bei jemand eine starke Unzufriedenheit bemerkte, jene Unzufriedenheit, die sich gegen die Schicksalsschläge auflehnt und eifrig Antwort auf Fragen sucht, …“

„Die Mutter“ ist ein ganz wunderbarer Roman, der in einer leichten und fließenden Sprache geschrieben ist. Das Werk ist ein politisches Wachrütteln, und eigentlich wieder sehr aktuell. Klare Empfehlung!

Heidi Hof

Ex libris, Volk und Welt Verlag, Berlin 1984, Übersetzung: Adolf Heß und bearbeitet von Irene Müller, gebundene Leinenausgabe vergriffen, 470 Seiten, Bestell-Nr. 648 295 7

“Shirley” von Charlotte Brontë

shirley.jpgWieder einmal ein Schmökerspaß!

Der Roman erschien 1849, ein Jahr nach ihrem Bestseller „Jane Eyre“, der die Autorin weltweit berühmt machte. Doch erst 1959 als Asa Briggs nochmals das Werk ins Gedächtnis rief, brachte eine größere Leserschaft und Verständnis für den Inhalt. 1849 fand die Welt folgendes im Feuilleton:

„ … jegliche In-sich-Geschlossenheit, infolge mangelnder Kunst, fehlt … Die Autorin scheint sich nie eindeutig entschieden zu haben, ob sie nun Land und Leute von Yorkshire und die sozialen Verhältnisse in den Tagen von König Lud beschreiben oder Charakterbilder malen oder eine Liebesgeschichte erzählen wollte. Alles wird nacheinander angestrebt und wieder verworfen.“ S. 934 Nachwort von Olaf Grunert

Und es stimmt schon, so ganz abgerundet liest sich das Werk nicht. Die ersten 100 Seiten beispielweise sind eine lose Aneinanderreihung von Figuren und Andeutungen zur Zeitgeschichte. England in der Situation der Kontinentalsperre, die die Franzosen über sie verhängt hatten. Damit sollte man sich ein wenig auseinander setzen, um so richtig in den Roman hinein zu finden. Auch weiterhin werden die Figuren und Themen etwas gesondert voneinander betrachtet. Aber ein Lesevergnügen stellt sich dann doch rasch ein.

Caroline ist die Nichte vom Pfarrer von Yorkshire. Ihre Eltern haben sich kurz nach ihrer Geburt getrennt, sie lebte dann eine Zeit lang bei ihrem Vater, der ein Säufer, ein Schönling und Schweinehund war. Bis ihr Onkel sie ins Pfarrheim geholt hat.
Geborgenheit und Herzenswärme hat sie nie kennen gelernt und so ist es kein Wunder, dass sie sich bei ihrer Cousine und Cousin (die kürzlich in die Gegend gezogen sind) sehr wohl fühlt. Sie verliebt sich in ihren Vetter und muss mit ansehen als dann „Shirley“ in die Handlung platzt, dass sich alle Aufmerksamkeit um diese Dame dreht.

„Shirley“ ist eine natürliche Schönheit, geistreich, reich und eigenwillig, alle Männer von Yorkshire liegen ihr zu Füßen. Trotz dieser Umstände bahnt sich eine innige Freundschaft zwischen diesen Hauptfiguren an.

Das Werk ist politisch tief, voller authentischer und charakterstarker Figuren, und für die damalige Zeit sehr aufgeschlossen, wenn nicht gar feministisch. Genauso frei wie ihre Schwester Anne in „Agnes Grey“, denken ihre weiblichen Gestalten an ihre Entwicklung, Karriere und innerer Zufriedenheit. Nach kurzer Einleseschwierigkeit habe ich den Wälzer genossen und mich teilweise stundenlang darin ergangen. Ein Schmökerspaß, und eine weitere Brontë-Empfehlung!

Heidi Hof

Manesse Verlag, Zürich 1989, OT: Shirley. A Tale 1849, Übersetzung: Andrea Ott mit einem Nachwort von Olaf Grunert, Leinen gebunden 26,90 €, 957, ISBN: 3-7175-1766-X

“Der Meister des Jüngsten Tages” von Leo Perutz

perutz.gifAls das „mögliche(m) Resultat eines Fehltritts von Franz Kafka mit Agatha Christie“, bezeichnet der Schriftsteller Friedrich Torberg den Verfasser dieses Romans auf der Rückseite des Buches. Tatsächlich ist die Geschichte um eine Reihe von mysteriösen Selbstmorden, in die der Ich-Erzähler Freiherr von Yosch im herbstlichen Wien des Jahres 1909 verwickelt wird, vielschichtig, doppelbödig und faszinierend. Die ganze Zeit bleibt der Leser im Unklaren darüber, womit er es eigentlich zu tun hat. Mit einem Kriminalroman? Bestimmte Verdachtsmomente, die auf Mord statt Selbstmord verweisen und das klassische Rätsel des geschlossenen Raumes sprächen dafür. Oder hat man einen Psychothriller vor sich? Denn es ist auch die Rede von tiefen Urängsten, alptraumhaften Beklemmungen und schrecklichen Visionen. Schließlich scheint eine alte und mächtige Magie eine unheilvolle Rolle zu spielen, also handelt es sich vielleicht doch um eine phantastische Begebenheit. Welches Spiel spielt der undurchsichtige Yosch? Und was bedeutet die geheimnisvolle Farbe drommetenrot? Wenn auf den letzten Seiten die Auflösung erfolgt, haben sich die verschiedenen Lesarten im Kopf des Lesers zu einer einzigen unheimlichen Geschichte vermischt.

Jorge Luis Borges hat den „Meister des Jüngsten Tages“ in seine Edition der besten Kriminalromane der Welt aufgenommen. Aber als Kriminalroman wollte Leo Perutz seine Erzählung nicht verstanden wissen. Mit Recht. Denn sie geht weit über einen herkömmlichen Krimi hinaus. Der 1923 erschienene Roman ist nicht nur auf seine Art sehr spannend, er spielt auch mit verschiedenen Wirklichkeitsebenen und leuchtet psychologische Untiefen aus. Auf knapp 200 Seiten schafft es der Autor, in einer wunderbar klaren, eindringlichen Sprache Personen und Milieu lebendig werden zu lassen und einen Einblick in das bürgerlich-adlige Leben des historischen Wien vor dem ersten Weltkrieg zu geben. Die Bilder des Herbstes und die Erinnerungen des Protagonisten an versunkenes Glück schaffen zusätzlich zu der rätselhaften, düsteren Stimmung noch eine Atmosphäre von Vergänglichkeit und Verfall. Ein leicht zu lesendes, faszinierendes und schönes Buch von einem Autor, den wieder zu entdecken es sich lohnt.

Monika

Deutscher Taschenbuch Verlag 2003, Taschenbuch 8,90 €, 208 Seiten, ISBN: 978-3423131124

(Bild oben) Büchergilde mit Illustrationen von Bodo Rott, Leinen Hardcover 24,90 €, 240 Seiten, Bestellnr: 157454

“Alexis Sorbas” von Nikos Kazantzakis


sorbas.jpgEin Rausch für die Sinne!

 

Wer ist dieser Mann, dieser Alexis Sorbas, der Grieche?

Der Ich-Erzähler, dessen Name nicht bekannt wird, begegnet Sorbas im Hafen von Piräus auf den Weg nach Kreta. Er hat auf der Insel ein Kohle-Bergwerk gekauft.

„Nimm mich mit.“, sprach der Grieche. „Ich bin der beste Bergbauer und zudem ein guter Suppenkoch.“ Diese direkte Art kann der Erzähler nicht widerstehen und nimmt Sorbas mit nach Kreta.

 

Der Chef, wie unser Held unseren Erzähler liebevoll nennt, erkennt schnell welche Eigenschaft Sorbas prägt: „Das ist die Freiheit, dachte ich. Eine Leidenschaft haben, Goldstücke sammeln und dann auf einmal die Leidenschaft überwinden und den Schatz in alle vier Winde verstreuen! Sich von einer Leidenschaft befreien, in dem man einer anderen, höheren gehorcht …“ (Seite 29)

 

Er ist ein Lebemann, ein Mann des Fleisches, der kein Weib auslässt, obwohl er schon über 60 zig ist, der trinkt und tanzt als ob heute der letzte Tag wäre und morgen selbstverständlich wieder feiert als wäre es der letzte Tag. Und doch tut er der Seele so gut, im Hintergrund von Kreta, dem Meer und den Sonnenuntergängen. Der Leser tanzt gleich mit, hat gute Laune, man sieht Antony Quinn förmlich vor dem inneren Auge.

 

Aber dieser Sorbas hat noch mehr zu bieten: „Bei der Arbeit bin ich völlig, vom Scheitel bis zur Sohle, mit dem Stein oder der Kohle oder dem Santuri verwachsen. Und wenn du mich plötzlich berührst oder mich ansprichst und ich mich umdrehen muss, kann ich platzen. Nun weißt du´s!“ (Seite 112) Denn was er macht, das macht er richtig, nicht halbherzig! So auch die Liebesbeziehung zu der alten Fregatte. Ein verhutzeltes Weibsbild mit einer behaarten Warze am Kinn. Vier Weltmächte waren mit ihr zusammen und alle haben sie im Stich gelassen, nur Sorbas nicht. Er hat sie aufgefangen, ihr die Würde wieder gegeben und ihr neuen Lebensmut gemacht. Generell zählt für den Griechen ein gesprochenes Wort, und Freundschaft ist Freundschaft!

 

Die Beziehung zwischen dem Erzähler und Sorbas erreicht unglaubliche Höhepunkte, die im realen Leben äußerst selten sind. Und obwohl diese zwei so verschieden sind; Sorbas, die sprühende Lust und der Chef, die stoische Ausgeglichenheit; ticken sie ähnlich. „Ungeduldig wartete er auf den Tag, an dem er so viele Flügel – so nannte er das Geld – verdiente, um fliegen zu können.“ (Seite 118) Denn der Umgang mit Geld ist beiden fremd, zum Glück, denn daran zerbrechen Freundschaften! Diese Beide aber ergänzen und bereichern sich.

 

Dieses Buch hat mich seit langer, sehr langer, Zeit wieder richtig emotional gepackt und ergriffen. Es flossen sogar Tränen zum Schluss. Deshalb von mir die Höchstnote, und eine dicke Empfehlung! Es liefert darüber hinaus aber noch zahlreiche Gedankenanstöße mit denen man so herrlich jonglieren und spielen kann: „Jeder Mensch hat seine Marotte, aber die größte ist meiner Meinung, keine zu haben.“ (Sorbas Seite 155)

 

Nikos Kazantzakis wurde am 18. Februar 1883 im heutigen Heraklion auf Kreta geboren und starb am 26. Oktober 1957 in Freiburg im Breisgau. Er studierte Rechtswissenschaften in Athen und Staatswissenschaften bei Henri Bergson in Paris. Der Roman „Alexis Sorbas“ beruht auf autobiographischen Erlebnissen des Autors. 1917 versuchte der junge Kazantzakis sein Glück als Pächter eines Kohlebergwerks und lernte dabei einen Arbeiter Georgios Sorbas kennen. Obwohl das Projekt scheiterte, betrachtete er seine Freundschaft mit Sorbas als großen Gewinn und setzte ihm mit seinem Roman ein literarisches Denkmal. Kazantzakis gilt als einer der bedeutendsten griechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

 

Heidi Hof

 

Anaconda Verlag 2008, das Original erschien 1946, Übersetzung: Alexander Steinmetz, Hardcover 7,95 €, 320 Seiten, ISBN: 978-3-86647-297-6

“Die toten Seelen” von Nikolai Gogol

Was ist schon eine Seele wert, wenn der Held der Geschichte vor den Gutsbesitzern Russlands tritt und wie Mephisto um die Seelen seiner Bauern feilscht? Nicht so viel wie man annehmen könnte, kriegt er sie meist schon geschenkt. Sein Augenmerk liegt auf die Namen und Seelen verstorbener Bauern, die in den Revisionslisten noch als lebend verzeichnet sind und für die der Gutsbesitzer bis zur nächsten Revision weiterhin Kopfsteuer zahlen muss. Aus dem Grund sind viele der Eigentümer dankbar, ihre Unterschrift unter dem Kaufvertrag setzen zu können. Der Leser erfährt erst spät, was den Helden antreibt, wie sein Lebenslauf aussieht und was es mit dem Kauf der Seelen auf sich hat – doch wird ihm sehr früh klar, dass er betrügt und über eine ausgeprägte teuflische Ader verfügt. Kein wahres Wort verlässt seine Lippen, keine Geste ist aufrichtig. Er übt seine Rolle in Perfektion aus, blendet seine Mitmenschen, indem er ihnen nach dem Mund redet, ihnen Interesse vortäuscht. Jedes seiner Reuebekenntnisse ist verflogen, sobald die sündhaften Luxusgüter der westlichen Welt seinen Blick streifen. Er schließt Bekanntschaft mit den Beamten, Politikern und Stadtverwaltern der Stadt, reist von Hof zu Hof um die Gutsbesitzer von seinem Vorhaben zu überzeugen. Diese aber reagieren und handeln ihrerseits eingegrenzt durch die Fesseln ihrer verwerflichen Eigenschaften. Geiz, Aberglaube, Wollust und Völlerei – um nur einige zu nennen, werden durch sie auf glänzende Weise karikiert, mit sehr viel Witz und Augenzwinkern vorgeführt. Dabei wirken diese stereotypen Menschen ironischerweise selbst wie leblose Gestalten. Oscar Wilde schrieb im „Brief aus dem Gefängnis“ an seinem Freund Alfred Douglas ziemlich treffend über ihn, was man auch für jene Gutsbesitzer hätte nutzen können, um sie zu beschreiben:
„Man kann Verblendung so weit treiben, dass sie grotesk wird, und eine phantasielose Natur, wenn nichts geschieht, was sie aufrüttelt, wird schließlich zu völliger Fühllosigkeit versteinern, so dass der Leib zwar essen und trinken und seinen Genüssen frönen mag, die Seele aber, die er beherbergt, wird gänzlich abgestorben sein, wie die Seele des Branca d’Oria bei Dante.“

Überhaupt verfügt Gogol über eine große Menschenkenntnis, weiß um deren Schwächen und Eigenarten, die er in grotesken Szenen und Beschreibungen auf die Spitze treibt; durch seine überzeichnete Weise wird umso deutlicher, dass der Mensch nur eine groteske Abbildung seiner Selbst darstellt. Der erste Teil des Buches ist faktisch ohne positive Figuren besetzt, was nicht bedeuten soll, dass diese Figuren grundlegend schlecht sind. Wenn der Geizhals den Schimmel vom Zwieback kratzt, um ihn dem Gast vorzusetzen, zeigt es die hilflose Versklavung seiner Lebensart. Doch schon der zweite Teil lässt hingegen einige viel versprechende Lichtblicke zu, sofern dieses löchrige Manuskript dies gestattet. Der fehlende Rest wurde Opfer der Flammen.

„Der jetzige feurige Jüngling wiche voller Entsetzen zurück, zeigte man sein Bild im Alter. Wenn ihr die sanften Jünglingsjahre verlasst und in das raue, hart machende Mannesalter eintretet, so nehmt alle menschlichen Regungen mit, lasst sie nicht am Wegrand liegen, ihr hebt sie dann nicht mehr auf! Furchterregend, entsetzlich ist das vor euch liegende Alter, und es gibt nichts wieder heraus oder zurück! Barmherziger als es ist das Grab, auf dem Grab steht: Hier liegt ein Mensch begraben! Doch nichts liest man in den kalten, gefühllosen Zügen des unmenschlichen Alters.“

Gogol wird nicht müde, vor den Gefahren der Verlockung des Bösen zu warnen. Er sieht den russischen Charakter in Drangsal, den er so wohlwollend ehrt und schätzt, ein Patriot seiner Herkunft. Das Buch ist durchtränkt von der Leidenschaft zu seinem Volk, seinem Land und es macht einfach Spaß, ihm dabei zuzuhören. Die Versuchungen westlicher Einflüsse schreibt er dem Teufel zu und kennt die Handhabung, ihnen zu entgehen:

„Ich weiß aus Erfahrung, Bruder: All die dummen Gedanken kommen einem nur in den Kopf, wenn man nicht arbeitet.“

Zu der Frage, ob man seine Zeit einem Fragment opfern soll, ihr kann ich heftig nickend zustimmen. Im ersten vollständigen Teil ist alles enthalten, was zu erfahren sich lohnt. Die Fortsetzung stellt den zukünftigen Werdegang Tschitschikows dar, der wohl zum ersten Mal mit einem frommen Menschen zusammentrifft, der aus Dostojewskis Feder entsprungen sein könnte. Insofern ist es nicht zu tragisch, wenn die Geschichte hier endet. Die Gefahr, in allzu christlich geprägten Ideologien zu stranden, wäre an dieser Stelle nicht gering.

Patrick

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“Carmen” von Prosper Mérimée

Die Zigeunerin Carmen hatte ihn davor gewarnt, sich in sie zu verlieben. Doch seine Liebe, dieser beharrliche Dämon, ließ keine andere Entscheidung zu. Er verzehrt sich nach ihr, ohne zu ahnen, dass er sich dadurch selbst vernichtet.

Der Dragonerkorporal Don José begegnet während der Bewachung einer Zigarrenfabrik dieser schicksalshaften Frau, die nach einem Zwischenfall festgenommen werden soll. Die Waffen einer Frau sind nicht unbekannt, so dass sie hier nicht explizit beschrieben werden müssen. Ihr gelingt durch Überredungskünste die Flucht. Seine Schwäche hat die Herabstufung des Dienstgrades zur Folge, sowie einen Monat Gefängnis.

„Jetzt stehst du schlecht da; wenn du deinen Ruf bei den Oberen wieder in Ordnung bringen willst, musst du zehnmal mehr arbeiten als am Anfang, wo du Rekrut warst! Und weswegen habe ich mir die Strafe zugezogen? Wegen einer Göre von Zigeunerin, die sich über mich lustig gemacht hat, und die in diesem Augenblick irgendwo in der Stadt stehlen geht. Und doch musste ich wieder an sie denken. Glaubt mir, Herr, ihre löchrigen Seidenstrümpfe, die sie mich bis oben sehen ließ, als sie flüchtete, die sah ich immer noch vor mir. Ich schaute zwischen den Gefängnisgittern auf die Straße hinab, aber ich sah unter den Passantinnen keine einzige, die es mit diesem Teufelsmädchen aufnehmen konnte.“

Dieses Ereignis hätte als belehrende Lektion in den Akten verschwinden können, wenn das Schicksal ihre Wege nicht ein weiteres Mal hätte kreuzen lassen. Ihretwegen vernachlässigt er seine Pflichten als Soldat und ihretwegen gerät er ins kriminelle Milieu, wo er zum Anführer einer Schmuggler- und Diebesbande avanciert. Seine unbezähmbare Leidenschaft treibt ihn ins persönliche Unglück, denn er plündert, mordet und merkt doch nicht, dass Carmen, der Inbegriff der Femme fatale, ihn als willenlose Marionette benutzt. Zu zügellos und freiheitsliebend sind ihre Gebaren, als dass sie sich ernsthaft auf eine feste Bindung einlassen könnte. Aber sie hatte ihn ja gewarnt, denn:

„Weißt du, mein Sohn, ich glaube, ich liebe dich ein bisschen. Aber das wird nicht halten. Hund und Wolf halten es nicht lange miteinander aus.“

Seine Liebe und somit auch die Eifersucht wachsen kontinuierlich, der gesellschaftliche Absturz und die Erniedrigung bestärken ihn zusätzlich, statt ihm die Augen zu öffnen. Er bringt seine Nebenbuhler um, unterliegt Carmens fast hypnotischer Macht und ist nicht mehr Herr seiner selbst.

Mérimée lässt aus einem eigentlich beflügelnden Gefühl wie der Liebe eine mitunter tödliche Krankheit keimen, so wie jede positive Eigenschaft unter bestimmten Umständen ins Negative umkippen kann. Nüchtern und klar ist seine Sprache, distanziert und um Authentizität bemüht, wie explizit anhand der beigefügten Daten bezüglich der Geschichte, Sprache und Lebensart der Zigeuner dargestellt wird. Carmen wird hier zum Symbol einer zerstörerischen Kraft emporgehoben, die in der späteren Literatur zum zentralen Motiv aufrückt - die Femme fatale. Die unkontrollierbare Psyche, der Verlust romantischer Richtlinien, die unbezähmbare Leidenschaft mit ihrem Hang zum Fatalismus und die Frage nach der persönlichen Freiheit machen „Carmen“ zu einem Schlüsselwerk in der Literatur.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, weist die Liebe nicht nur schöne Seiten auf, sondern kann wie in diesem Roman auch eine diabolischen Macht aufweisen. Carmen fasziniert, im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie verzaubert die Männer in ihrem Umfeld, um sie für ihre Zwecke einzuspannen. Ernste Gefühle sind hier Fehlanzeige, denn ihre Selbstbestimmtheit und Freiheit sind für sie das höchste Gut. Sie verteidigt sie bis zum Schluss und bezahlt dafür mir ihrem Leben. Es ist ein unterhaltsames Buch, dessen nüchterne Sprache den Realismus und die Objektivität betonen soll. Erst durch die gleichnamige Oper wurde “Carmen” jedoch weltberühmt.

Diogenes, broschiert 2008, 126 Seiten, 6,90€ ISBN: 978-3257237702