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Archive für 31.1.2012
“Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe” von Wolfgang Welt
31.1.2012 von Krümel.
Vorangestellt sei diese Feststellung: Dieses Buch von Wolfgang Welt ist ohne Frage für mich eines der Lesehighlights in 2011. In drei autobiographischen Romanen erzählt Wolfgang Welt aus seinem Leben. Es ist ein Leben, das den Autor sehr oft überforderte, dass er aber offensichtlich trotzdem gern gelebt hat und noch gern lebt.
Wolfgang Welt wurde 1952 in Bochum geboren, machte Abitur und begann dann mit dem Studium. Dieses Studium brach er dann relativ schnell ab und „tingelte“ als Musikjournalist für MARABO, SOUNDS und MUSIK EXPRESS durch die Lande. New Wave und Neue Deutsche Welle mussten sich von ihm so manchen kritischen Text gefallen lassen.
Wolfgang Welt nimmt kein Blatt vor den Mund, nimmt auf nichts und niemand Rücksicht – auch nicht auf sich selbst. So haben beispielsweise Peter Rüchel (Macher der WDR-Sendung ROCKPALAST) und auch Heinz Rudolf Kunze bei ihm absolut nichts zu lachen. Gerade Kunze scheint er mit Freuden „zu schlachten“. Dabei ist er von einer geradezu frappierenden Offenheit. Er beschreibt die Menschen so wie sie sind, dichtet ihnen keine Eigenschaften an nur um sie besser aussehen zu lassen, Wolfgang Welt ist ehrlich, teilweise von einer sehr verletzenden Ehrlichkeit.
In diesen drei Romanen beschreibt der Autor ein Leben, das ihn auch als Gehetzten zeigt. Immer auf der Suche nach neuen Einnahmequellen – als Musikredakteur ist kaum das große Geld zu verdienen – und immer auch auf der Suche und der Jagd nach dem nächsten Fick, wobei er dabei meistens auf die Schnauze fällt; die Damenwelt hat auf alles gewartet, garantiert aber nicht auf Wolfgang Welt. Aber Wolfgang Welt ist nicht nur ein Gehetzter, er ist auch ein Suchender, wobei ihm wahrscheinlich selbst nur schemenhaft klar ist, wonach er eigentlich sucht. Letztendlich landet er in der Psychiatrie. In großen Abständen schreibt er nach seinem Krankenhausaufenthalt dieses drei autobiographischen Romane.
Sein Elternhaus beschreibt er mit sehr viel Zuneigung. Es ist dieses Elternhaus, was für ihn immer wieder den sicheren Hafen darstellt, den man wohl braucht, wenn man ein solches Leben führt wie der Autor.
Die drei Romane in diesem Buch sind „Peggy Sue“, „Der Tick“ und es endet mit dem Roman „Der Tunnel am Ende des Lichts“. Dazu muss man wissen, dass Wolfgang Welt ein Hardcore Buddy-Holly-Fan ist und das der 3. Februar 1959 (an diesem Tag verunglückte Buddy Holly tödlich) für ihn ein schwarzer Tag ist. Wolfgang Welt ist zwar ein Hardcore-Fan, aber obsessiv verehrt er Buddy Holly nicht. Aber Wolfgang Welt ist auch ein großer Verehrer von Hermann Lenz und dessen Eugen-Rapp-Romane tauchen immer in diesem erzählten Leben auf.
Ein Buch von großer Ehrlichkeit, ein Buch mit Charakter. Ein Buch das eine Zeit wieder lebendig werden lässt die schon ziemlich lange zurückliegt oder die gerade erst vorbei ist – jede/jeder wird hier seine ganz eigene Sichtweise haben. Ein Buch das es unbedingt wert ist gelesen zu werden. Es passieren dort nicht die ganz großen Sachen, es passieren dort die Sachen die normal sind und es ist die Normalität die manchmal erschrecken kann, die manchmal ein lautes Lachen auslöst; es ist die Normalität die viele einfach banal als „Leben“ bezeichnen.
Und was macht Wolfgang Welt jetzt? Nachdem er 2002 ein Stipendium der Hermann-Lenz-Stiftung erhielt, arbeitet er jetzt als Nachtportier im Schauspielhaus von Bochum und hört regelmässig WDR 4.
Eine ganz persönliche Bemerkung: So leicht ist mir der Abschied von diesem Buch nach 488 Seiten nicht gefallen.
Jan
Suhrkamp Verlag 2006, Taschenbuch 15 €, 490 Seiten, ISBN: 978-3518457764
Geschrieben in Jan, Roman | Keine Kommentare »

