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„Volterra/Wie entsteht Prosa“ von Franz Tumler
Dieses Buch besteht aus dem Werk „Volterra“ und dem Essay von Tumler „Wie entsteht Prosa“, was zunächst als Vorlesung gedacht war und später erst als Essay umgeschrieben wurde, zudem ein Nachwort von Johann Holzner.
„Volterra“ ist ein wunderbarer lyrischer Ausflug, von einem Ich-Erzähler, der etwas auszudrücken versucht, was der Unmöglichkeit entspricht, da das was er einst empfunden oder gespürt hat, kaum in die Wirklichkeit zu transportieren ist, weil es sich in einer anderen Ebene abgespielt hat.
>>Volterra: Es war Sonntagnachmittag und Herbst. Wenig Fremde im Land, da bekommt es sein eigenes Leben zurück. Erde und Himmel trocken, das Laub gelichtet, von Dürre geschrumpft, auch die Äcker abgeräumt, die Früchte geerntet.<<
Man besucht diese alte Städte, die eigentlich nur noch in Trümmern vorhanden ist, aber man sieht das Leben, das Treiben, eine Vergangenheit – seine Vergangenheit und so vermischt sich das Jetzt in Volterra mit einer anderen Sphäre. Tore öffnen sich und die Wirklichkeit beginnt zu bröckeln.
Gleichbedeutend ist es auch das Symbol des Endes, das Ende einer Ehe – der Abgrund.
>>Wir gingen zurück an das Haus, sahen den abgebröckelten Verputz, die feuchten Flecken in der Mauer, und wieder das scheinbare Leben an ihm; aber dann plötzlich dieses andere Kommen und Gehen: <<
Tumler versucht im Werk „Volterra“ etwas wiederzugeben, was er nie real erlebt hat, sondern nur empfunden – eine innere Stimme. Und der Essay „Wie entsteht Prosa“ beschreibt nun den Vorgang wie lyrische Prosa entsteht, den Weg: aus den Gedanken zu Papier gebracht. Der Hergang ist mir persönlich zu abstrakt und zu theoretisch. Konnte ich mit dem ersten Teil noch viel anfangen, da meine eigenen Gedanken in diese rätselhafte Welt hinein gezogen wurden, hat mir dieser Essay diesen Ausflug verleidet, da er versucht, es auf den Punkt zu bringen, was nicht auf den Punkt zu bringen ist.
>>Die grünen Augen der Mädchen haben es zur Zwiesprache; du sagst, es war ein Hund; aber nun ist es zu Worten schon abgeführt über dem Pflaster und dem roten Wetzen der Sonne, die sich am Bergrand reibt, ehe sie weich einsinkt. Die Katze schnurrt am Fenster, die Stimmen der Mädchen bleiben zurück, es ist Vergangenheit.<<
Franz Tumler, geboren 1912 in Gries bei Bozen/Südtirol, lebte in Linz und später in Berlin, wo er 1998 starb. Tumler zählt zu den prägenden Autoren der 1950 er und 1960 er Jahre. Seine Romane und Erzählungen wurden vielfach ausgezeichnet und gelten als Marksteiene moderner Literatur, u. a. „Der Mantel“ 1959, „Nachprüfung eines Abschieds“ 1961, „Volterra“ 1962 und „Ausschreibung aus Trient“ 1965.
Krümel
Haymon Verlag 2011, Taschenbuch 9,95 €, 87 Seiten, ISBN: 978-3-85218-886-7

