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„Die Augenbliche des Herrn Faustini“ von Wolfgang Hermann
Kleine Alltäglichkeiten werden zum Mittelpunkt des Lebens!
Denn Herr Faustini hat sich selber verloren. Er weiß nicht mehr, wann es genau begonnen hat, aber es hat sich in seinem Inneren ein Riss aufgetan, so dass er sich selber beobachten kann. Er steht neben sich und ruht nicht mehr in sich: >>er sieht sich selbst beim Leben zu<<. Und das ist ein ganz unangenehmer Zustand! Herr Faustini sieht sich gezwungen eine Psychotherapie zu belegen.
Frau Nussbächle, seine Therapeutin, hört sich seine Sachlage sehr ernst und gewissenhaft an, doch da sie selber dringend Abwechslung braucht, schickt sie ihren Patienten auf eine Reise. Und so tippt Herr Faustini mit dem Zeigefinger auf eine Landkarte – es geht nach „Edenkoben“!
>>Würde es in einem Netzkartenleben außer der Zeit des Fahrplans noch den Augenblick geben? Die Zeit, die immerzu nachwuchs, würde sich in einem Netzkartenleben ordnungsgemäß nach Fahrplan abrollen. Aber wo würden in der sich von selbst abrollenden Zeit die Augenblicke bleiben?<<
Die Erzählung wird in einem einmalig idyllisch-ironischen Ton geschrieben, der nur manchmal etwas zur Melancholie neigt und in der Regel heiter ist.
Herr Faustini lernt auf seiner Reise den Kleinbahnliebhaber Emil kennen, tanzt auf der „Rheingold“ zur Goldhochzeit und sieht die Frau mit dem wehenden Gang …
>>Wie konnte er erwarten, dass sich für ihn, den Unruhegeist, die Parallelen im Unendlichen berühren, dass die Dinge aus der Stille zu sprechen anheben, oder vielmehr im Lärm der Dinge die große Stille wachsen würde, die alles zur Ruhe brächte?<<
Ganz zu Beginn liest der Protagonist in einem Magazin über sein Heimatsdorf „Dornbirn“, welches in Wirklichkeit ganz anders aussieht als das Hochglanz-Magazin es vortäuscht. So verhält es sich auch mit den Alltäglichkeiten, die Reise verhilft unserem Helden zu einem Blick „auf die kleinen Dinge der Welt“, was letztlich sehr heilsam wirkt …
Krümel
Haymon Verlag 2011, Hardcover 17,90 €, 135 Seiten, ISBN:978-3-85218-696-2

