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„Sommernacht“ Erzählungen von Elizabeth Bowen
Diese Short Story wird in Dialogform transportiert. Wortführend ist zunächst die männliche Seite, der Bruder, und der Leser seine Sicht vorgetragen bekommt: Seine Schwester ist altbacken, für eine Heirat zu alt geworden, eine alte Jungfer eben, vielleicht etwas dümmlich und nicht gerade das, was sich eben ein Mann unter eine gute Partie oder Frau vorstellt. Aus diesem Grund redet er auch betont überheblich, mit einem gönnerhaften Lächeln im Gesicht. Ihre Zukunft sieht er in dem gerade neu bezogenem Haus, an seiner Seite, in der gewohnten Zweier-Gemeinschaft.
Dann übernimmt ganz überraschend die Schwester das Zepter des Gesprächs an sich …
Nur wenige Seiten ist diese Geschichte lang, aber mit so viel Atmosphäre und Dichte, von der so mancher Roman träumt. Und die Pointe vom Feinsten!
Was Menschen Übles tun
Dies ist eine sehr raffinierte Geschichte, deren Plott ich nicht vorweg nehmen möchte. Bowen zeichnet hier geschickt eine Charaktere einer einsamen Frau, setzt damit wieder eine tiefe Atmosphäre, in der der Leser richtig hinein gezogen wird … Doch Achtung, eine Short Story ist erst eine gute Short Story, wenn da ein guter überraschender Wendepunkt kommt
Klasse Geschichte!
Es gab aber auch Erzählungen, die mir nicht so gut gefielen, beispielsweise „Charity“. In dieser Geschichte gibt es zwar einzelne Stimmungen, aber letztendlich sind sie nicht ausgereift. Es fehlt nicht an Fülle aber an Stimmigkeit. Mir schien es gerade bei dieser Geschichte, dass hier die Kürze nicht das richtige Maß für die Dichte des zu Erzählenden gewesen ist. Wäre ein ganzer Roman daraus entstanden, die vielen Figuren mit stichfesten Empfinden beschrieben … Mir fehlte dabei einfach das Runde, das Abgeschlossene.
Die Thematik der Geschichten kreisten alle um Konventionen, deren Überschreitungen oder Anpassungen. Insgesamt hat mich dieses Buch erreicht, und mir deutlich gemacht, dass ich von der Autorin noch einige Dinge lesen wollte und lesen werde.
Elizabeth Bowen wurde 1899 in Dublin geboren. Sie studierte nach dem I. Weltkrieg in London Kunst und veröffentlichte 1923 ihren ersten Erzählband. Insgesamt veröffentlichte sie 27 Bücher, wobei „Der letzte September“ von 1929 aber erst 2001 ins Deutsche übersetzt wurde. Ihr letzter Roman erschien 1968. 1973 verstarb die Autorin in England.
Krümel
Schöffling & Co. Verlag 2007, Übersetzung: Sigrid Ruschmeier mit einem Nachwort von Elsemarie Maletzke, Hardcover , 252 Seiten, ISBN: 978-389561-245-9


