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“Ein französischer Roman” von Frédéric Beigbeder
Vor einigen Jahren wurde der französische Autor Frederic Beigbeder auf offener Straße erwischt, als er gerade Kokain schnupfte. 48 Stunden wurde er in polizeilichen Gewahrsam genommen. Ein Erfahrung die ihn veranlasste eine Rückschau auf sein Leben vorzunehmen. Allerdings konzipierte er diesen Blick auf sein Leben als Roman. Insofern ist auch nicht klar, was nun erfunden und was nun autobiographischer Natur ist.
An einer Stelle seines Buches sagt Beigbeder:
„Was hier erzählt wird, ist nicht unbedingt die Wirklichkeit, aber es ist meine Kindheit, wie ich sie wahrgenommen und tastend rekonstruiert habe.“
Genau genommen schaut Beigbeder nicht auf sein gesamtes Leben zurück, vielmehr versucht er sich an einer Bestandsaufnahme seiner Kindheit. Eingangs schrieb er noch dass er eigentlich keine Erinnerungen an seine Kindheit hätte.
In diesem Buch lernt man das „Entfant terrible“ der neueren französischen Literatur von einer ganz anderen Seite kennen. Hier provoziert Beigbeder nicht, hier wirkt er nicht cool oder distanziert und die Gesellschaft verachtend, hier, in diesem Buch scheint sich Beigbeder wirklich zu öffnen. Hier beschreibt er, wie sehr er unter der Scheidung seiner Eltern gelitten hat und versucht Antworten im Hinblick auf seine eigene Scheidung zu finden. Keine billige Rechtfertigung, vielmehr suchend und tastend nach echten Antworten.
In diesem Buch lernt man einen anderen Beigbeder kennen. Es scheint so, als sei dieses Buch von einem anderen Autor als dem Autor von „39,90“ geschrieben. Beigbeder von einer sehr sensiblen, verletzlichen Seite ist eine ganz neue Leseerfahrung. Auch den oftmals bei Beigbeder anzutreffenden Sarkasmus, findet man in „Ein französischer Roman“ nur in sehr leichten Ansätzen. Ein Autor auf der Suche nach sich selbst? Man könnte es fast vermuten.
Ein sehr interessantes Leseerlebnis, durchaus empfehlenswert.
Frederic Beigbeder wurde 1965 in Neuilly-sur-Seine geboren. Er studierte Politikwissenschaft und lebt als Kritiker und Schriftsteller in Paris.
Jan
Piper Verlag 2010, Übersetzung: Brigitte Große, Hardcover 19,95 €, 245 Seiten, ISBN: 978-3492054140

