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“Heldenangst” von Gabriel Chevallier
Dieses Buch ist sicher nicht das, was man sonst von Gabriel Chevallier gewohnt ist. Der 1895 in Lyon geborene und 1969 in Cannes verstorbene Autor wurde weltbekannt durch seinen Roman „Clochemerle“. Als „Heldenangst“ in einer Neuausgabe im Jahre 2008 erschien, da wurde dieses Buch begeistert gefeiert. Ursprünglich wurde der Roman zuerst im Jahre 1930 veröffentlicht.
Anhand des jungen Studenten Jean Dartemont schildert Chevallier die Schrecken des ersten Krieges, Schrecken, die auch stellvertretend für die Schrecken aller Kriege stehen könnten. Er beschreibt die Angst der „normalen“ Soldaten, die von ihren Generälen immer wieder in sinnlose Gefechte geschickt werden und die dafür einen erschreckend hohen Blutzoll zahlen mussten. Es ist gerade die grenzenlose Dummheit und Selbstüberschätzung degenerierter Generäle auf beiden Seiten, die diesen ersten Weltkrieg zu einem militärtaktischen Desaster werden ließ. Willkür und Borniertheit der Armeeführung war an der Tagesordnung.
Gabriel Chevallier beschreibt die Dinge so wie sie waren. Er beschreibt sehr anschaulich die grenzenlose Angst der Soldaten, er beschreibt die Kälte und die grassierenden Durchfallerkrankungen und er macht dabei sehr deutlich, dass das Leben des Einzelnen absolut nichts zählt und überhaupt nichts mehr wert ist. Es ist diese schonungslose Offenheit, die dieses Buch zu einem beeindruckenden Leseerlebnis werden lässt. „Heldenangst“ geht weiter als „Im Westen nichts Neues“, es versucht das Unbegreifbare begreifbar zu machen und mit jedem Satz merkt man, dass der Autor eigenes Erleben niedergeschrieben hat. War er doch selbst, nur mit einer kurzen Unterbrechung, vier Jahre Infanterist in diesem Krieg.
Erwähnenswert ist noch, dass dieses Buch bei seinem Erscheinen aufgrund seiner direkten Sprache einen Skandal auslöste. 1939 wurde dieses Buch im Angesicht des drohenden Krieges zurückgezogen. Sollte wohl niemand davon beeinflusst werden, dass Krieg gleichbedeutend mit Angst ist. Auf diese sehr einfache Formel läuft in „Heldenangst“ eigentlich alles hinaus.
Ein beeindruckend und bedrückendes Buch, sehr empfehlenswert.
Jan
Nagel & Kimche Verlag 2010, Übersetzung: Stefan Glock, Hardcover 24,90 €, 425 Seiten, ISBN: 978-3312004416

